Winnenden

Winnenden: Selbst verletzt, um Schmerzensgeld zu kassieren?

Symbolfoto Amtsgericht
Symbolbild. © Joachim Mogck

Hat eine junge Frau im Sommer des vergangenen Jahres zwei Kurskollegen tatsächlich aufgefordert, sie auf den linken Oberarm zu schlagen? Und als diese sich weigerten, kündigte sie dann an, sie werde sich gegen den Schrank ihres Zimmers werfen, um im Anschluss Schmerzensgeld geltend zu machen? Ist es bei der Ankündigung geblieben oder setzte sie ihr Vorhaben in die Tat um? Mit der Suche nach Antworten auf diese Fragen befasste sich Richter Armin Blattner im Waiblinger Amtsgericht.

Vom Außenspiegel eines BMW gestreift

Auslöser für das Strafverfahren, in dem die junge Frau wegen falscher Verdächtigung und Betrugsversuchs angezeigt war, sei die gemeinsame Feier zum Ende des Schulblocks der angehenden Gesundheits- und Krankenpflegehelfer gewesen, erzählte die Angeklagte im Zeugenstand.

Man habe sich abends gegen 17.30 Uhr getroffen, um gemeinsam nach Schorndorf in ein Restaurant zu fahren. Während man noch auf die letzten Teilnehmer an der Festgesellschaft wartete, sei ein BMW so knapp an ihr vorbeigefahren, dass er sie mit dem rechten Außenspiegel streifte. Sie habe einen schmerzhaften Schlag gegen den linken Arm verspürt, der Spiegel sei umgeklappt. Der BMW-Fahrer sei zunächst weitergefahren, habe dann aber doch angehalten und sich nach ihrem Befinden erkundigt.

Auf Drängen ruft die Angeklagte die Polizei

Eigentlich, so die 21-jährige Frau, habe sie nichts weiter unternehmen wollen, aber nachdem die Schmerzen vor allem im Ellenbogen und in der Schulter immer stärker wurden, habe sie auf Drängen ihrer Schwester und ihres Schwagers hin, die gerade bei ihr zu Besuch waren, auf dem Winnender Polizeirevier angerufen. Dort empfahl man ihr, sichtbare Verletzungen zu fotografieren, und lud sie zur Geschädigtenvernehmung.

Da die Schmerzen sich nicht besserten, sei sie ins Krankenhaus gegangen. Dort diagnostizierte man Prellungen des linken Schulter- und Ellenbogengelenks, Druckschmerz, aber glücklicherweise keine Frakturen.

Die Schwester der Angeklagten, die für sie alle derartigen Angelegenheiten und Behördengänge erledige, kontaktierte daraufhin einen Rechtsanwalt, damit dieser den Anspruch auf Schmerzensgeld gegenüber der Haftpflichtversicherung des Autofahrers durchsetze. Das sei „Tagesgeschäft“ versicherte er, eine Forderung über 1500 Euro bewege sich zudem im „unteren Bereich“.

Dies wurde dann aber erst einmal zurückgestellt, als die Anschuldigung zweier Kursteilnehmer aufs Tablett kamen: Die Angeklagte habe sie aufgefordert, sie wegen eines Schmerzensgeldes auf den Arm zu schlagen.

Eine Zeugin schwänzt die Verhandlung

Auf die Frage des Richters, ob sie eine Vorstellung davon habe, was die beiden veranlasste, derartige Anschuldigungen in die Welt zu setzen, bestritt die Angeklagte vehement, sich jemals in dieser Richtung geäußert zu haben. Allerdings sei das Verhältnis zu den beiden den ganzen Kurs über nicht frei von Spannungen gewesen. Dies bestätigte auch eine andere Kursteilnehmerin.

Die beiden konnten selbst jedoch nicht befragt werden, da einer von ihnen erst gar nicht als Zeuge vorgeladen worden war, und die andere die Verhandlung einfach schwänzte.

Dies brachte ihr auf Antrag des Staatsanwaltes ein Ordnungsgeld in Höhe von 150 Euro ein. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft bestand darauf, die Zeugin persönlich zu befragen; die Verlesung des Protokolls der polizeilichen Einvernahme sei ihm nicht genug. Davon ließ er sich weder von dem Argument des Verteidigers abbringen, dass sie höchstwahrscheinlich nichts anderes sagen werde, als im Protokoll stehe, noch von dem Hinweis Richter Blattners, auch wenn die Angeklagte tatsächlich gesagt hätte, man solle sie auf den Arm schlagen, und dass sie sich selbst verletzen würde, dann sei diese Ankündigung als solche nicht strafbar und beweise auch nicht, dass sie vom Wort zur Tat geschritten sei. Somit blieb dem Gericht nichts anderes übrig, als einen neuen Anlauf auf der Suche nach der Wahrheit zu nehmen.

Hat eine junge Frau im Sommer des vergangenen Jahres zwei Kurskollegen tatsächlich aufgefordert, sie auf den linken Oberarm zu schlagen? Und als diese sich weigerten, kündigte sie dann an, sie werde sich gegen den Schrank ihres Zimmers werfen, um im Anschluss Schmerzensgeld geltend zu machen? Ist es bei der Ankündigung geblieben oder setzte sie ihr Vorhaben in die Tat um? Mit der Suche nach Antworten auf diese Fragen befasste sich Richter Armin Blattner im Waiblinger Amtsgericht.

Vom

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper