Winnenden

Winnenden und sein neuer Frischluft-Kindergarten bei Breuningsweiler

Waldkindergarten Winnenden
Silvia Strecker mit zwei Waldkindergartenmädchen in der Hängematten-Schaukel. © Benjamin Büttner

Der neue Waldkindergarten bei Breuningsweiler ist eigentlich ein ganz normaler Kindergarten – und doch anders. Wir treffen acht Kinder und ihre beiden Erzieherinnen am Bauwagen in der Nähe des Waldparkplatzes Haselstein, um in dieses für die Stadt ganz neue Betreuungsmodell hineinzuschnuppern. In Winnenden und Berglen haben bisher nur Vereine die Idee umgesetzt. Leo ist der jüngste Neuzugang in der seit acht Monaten wachsenden Gruppe, er ist erst seit einer Woche da und bleibt beim Morgenkreis noch eng an der Mama dran, singt aber schon die Begrüßungslieder mit.

Von 7.30 bis 9 Uhr werden die Kinder nach und nach gebracht, aufgrund der idyllischen Halbhöhen-Lage und mutmaßlich auch zeittaktischer Erwägungen mit dem Auto. Auf dem mit Holzlatten eingezäunten Gelände wachsen Bäume und Büsche, Silvia Strecker und Caroline Trzaska haben mit den Kindern Beerensträucher gesetzt. Auch die erste eigene Erdbeere wird sehnlichst erwartet, drei große Blüten lassen hoffen, dass jedes Kind ein Stück abbekommt.

Der Leiterwagen ist schon gerichtet, mit Wasserkanister, ein paar Büchern, der Hängematte, Eimern und Schaufeln. Jedes Kind trägt seinen Rucksack mit dem Vesper, und an regnerischen Tagen haben sie über ihren robusten Hosen, die aussehen wie für kleine Handwerker, wasserdichte Matschhosen und statt der Wander- oder Turnschuhe Gummistiefel an. „Das interessiert Eltern am meisten: Unsere Öffnungszeiten und welche Ausrüstung die Kinder brauchen“, sagt die Waldkindergartenleiterin Silvia Strecker. Die Gruppe ist ausgelegt für ein Elternteil mit Halbtagsjob, um 13.30 Uhr endet die Betreuung.

Ein Platz mit Natur-Rutschbahn, Tipi aus Ästen und Spezialschaukel

Um in den nahen Wald zu kommen, muss die Gruppe aber erst einmal einen geteerten Weg queren, auf dem manchmal Autos vorbeikurven. Alle gucken links, geradeaus, rechts – tägliche „Verkehrserziehung“ hätte man hier draußen zuletzt vermutet. Zivilisationsspuren sind natürlich auch immer wieder zu finden, nicht nur die Abdrücke von Rehen, Wildschweinen oder Füchsen. „Müll!“, rufen Zoe und andere Mädchen, die auf dem Weg zum „Tausendfüßlerplatz“ schon vorangesprungen sind, den Erzieherinnen zu. Dieses Mal ist es nur ein zerknittertes Tempotaschentuch, aber na ja, jemand wie Silvia Strecker darf sich schon darüber wundern, was die Mitmenschen alles gedankenlos liegen lassen oder absichtlich in die Landschaft pfeffern. Wo sich andere aufhalten und wohlfühlen wollen, sei es ein Buchfink oder ein Dachs oder ein Waldkindergartenkind. Auf dem Platz sagt Leo zu seiner Mama: „Du kannst jetzt gehen“, wenig später rutscht er ein kleines Bückele neben einer Kiefer hinunter. Zoe scharrt derweil mit der Schaufel die sandige Erde an den freiliegenden Wurzeln ab, sie wird daraus eine Tomatensoße kochen. Die älteren Mädchen machen kurz darauf die Rutschbahn zur Laufbahn und landen in den Armen von Caroline Trzaska, woraufhin die Jüngeren wie Zoe und Leo es mutig, wenngleich vorsichtig, nachmachen und ebenfalls beglückt weich aufgefangen werden.

Toben, Entdecken, Verstecken und Vorlesen

An anderer Stelle geht es nicht minder geschäftig zu, Silvia Strecker bereitet die Hängematte vor, und die Kinder können es kaum erwarten, in ihr wenige Zentimeter über dem Boden zu schaukeln. Erst alle miteinander, die Schaukel streift. „Wer hat denn da so viel gefrühstückt?“, scherzt Silvia Strecker. Dann wird zu zweit oder auch mal alleine geschaukelt, es kommt zu keinem Streit, auch wenn’s zwischendurch mal lauter wird und jemand auf sein Recht pocht. „Uns ist wichtig, dass sie lernen, so etwas allein zu regeln“, sagt Silvia Strecker, „wir greifen nur ein, wenn sie es nicht schaffen.“ Sie bringt eine Menge Erfahrung als Erzieherin mit in den Wald, hat 27 Jahre einen zweigruppigen Kindergarten geleitet und ging dann in eine größere Einrichtung, die in einem Brennpunktgebiet lag. „Da habe ich einmal die Woche den Waldtag betreut, jede Woche ging eine andere Gruppe mit mir raus.“ Das hat ihr so gut gefallen, dass sie sich (unter vielen anderen, wie sie hörte) auf die Winnender Stelle beworben hat. „Auch die Kinder waren viel entspannter, freier, ausgeglichener“, stellte sie damals fest. Silvia Strecker hofft, dass der Winnender Waldkindergarten Haselstein weiter wächst und gedeiht, dass Eltern ihre Jungs und Mädchen bringen, die sich an der frischen Luft austoben können, aber sich auch mal ruhig zu Caroline Trzaska auf einen Baumstamm setzen und sich vorlesen lassen. Ein ganz normaler Kindergarten, eigentlich. Nee, doch nicht: Leo kommt und hängt sich an die Unterarme von Silvia Strecker, schaukelt und biegt den Oberkörper nach hinten. Die Schildmütze fällt auf den Boden, während er fasziniert ins Blätterdach der Buchen und Eichen schaut.

Der neue Waldkindergarten bei Breuningsweiler ist eigentlich ein ganz normaler Kindergarten – und doch anders. Wir treffen acht Kinder und ihre beiden Erzieherinnen am Bauwagen in der Nähe des Waldparkplatzes Haselstein, um in dieses für die Stadt ganz neue Betreuungsmodell hineinzuschnuppern. In Winnenden und Berglen haben bisher nur Vereine die Idee umgesetzt. Leo ist der jüngste Neuzugang in der seit acht Monaten wachsenden Gruppe, er ist erst seit einer Woche da und bleibt beim

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