Winnenden

Winnenden wagt das Großprojekt: 24 Millionen Euro für das Wunnebad

wunnebad
50-Meter-Außenbecken und Kuppel des Wunnebads: Beide bleiben, wie sie sind, aber zwischen den beiden wird ein neuer Trakt eingebaut mit einem 25-Meter-Kursbecken. © büttner

Ein Kraftakt in schwächlichen Zeiten: Die Stadtwerke werden das Wunnebad umbauen – im großen Stil. Über 24 Millionen Euro darf das Projekt kosten. Das ist eine Summe, bei der fast jedem im Sitzungssaal des Rathauses am Dienstagabend kurz noch mal der Atem stillstand. Schaffen das die Stadtwerke und die Stadt zusammen? Kann man diese Ausgabe in nie da gewesener Größe den Bürgern zumuten, ohne dass man sie befragt? Muss das Umbauprogramm so umfassend sein? Muss das Bad wirklich schöner und größer werden? All diese Fragen behandelte der Gemeinderat und beantwortete sie am Ende mit einem klaren Ja zum Millionenprojekt. Ein wortstarker Architekt und ein überzeugender Betriebsberater trugen ihren Teil bei zur Entscheidung.

Schwachstellen, die mit dem Umbau beseitigt werden

Das Wunnebad ist in seiner Substanz jetzt 30 Jahre alt. Andere Bäder wären jetzt schon sehr marode. Das Winnender könnte noch ein paar Jahre halten, aber auch nicht mehr lange, erklärte Stadtwerke-Geschäftsführer Jochen Mulfinger. Alleine die kurzfristige Sicherstellung des Betriebs würde in den nächsten Jahren einige Millionen kosten. Würde man das Bad nur gründlich reparieren, ohne etwas zu verändern, schätzt Mulfinger die Kosten auf etliche Millionen Euro. Aber er sieht auch die jetzigen Defizite des Bads:

l Die Wasserfläche im Inneren sei zu gering.

l Sauna und Gastronomie würden den heutigen Wünschen nicht mehr gerecht.

l Die Sommerumkleiden seien abbruchreif.

l Das Foyer sei zu klein und nicht mehr modern.

l Das Kinderbecken sei nicht mehr aktuell und zu dunkel.

Die Kuppelhalle - „Ein wunderbarer Ankerpunkt“

Stadtwerke und Gemeinderat beauftragten das Architekturbüro Behnisch aus Stuttgart mit einem Entwurf. Stefan Rappold aus diesem Büro stellte einen Plan vor, der alle erkannten Defizite behebt, eine neu gestaltete Saunalandschaft bringt, sogar neue Parkplätze (mit Landschaftsarchitekt Peyker); der das Foyer vergrößert und ein 25 Meter langes wettkampftaugliches Kursbecken vorsieht. Das Kinderbecken wird in eine schönere Umgebung gerückt und neu gestaltet. „Es ist dann nicht mehr so in die Ecke gedrängt“, sagt Rappold. Vom Architekten erfuhren die Gemeinderäte, dass ihre Vorgänger vor 30 Jahren ein besonderes Bad beschlossen hatten, das eine Renovierung und Erweiterung wert sei: „Elementar, faszinierend und wirklich schön ist diese Kuppelhalle. Das ist ein wunderbarer Ankerpunkt für dieses Bad“, schwärmte Architekt Rappold. Um die Kuppel herum wird die Saunalandschaft gruppiert, ein Teil im Raum, ein Teil im Garten draußen. Auch die Gastronomie soll dort oben sein und Gäste in der Sauna und in der oberen Etage bei der Kuppel bedienen.

Der Bäder-Guru und sein Businessplan

„Sehr eindrücklich“ findet CDU-Sprecher Thomas Traub die Pläne, „eine ganz tolle Sache“. Auf das Kursbecken freuen sich fast alle Stadträte. Überhaupt waren die Pläne als solche alle akzeptiert. Nur die immensen Kosten von 24 Millionen Euro sind selbst bei einem zugesagten Bundeszuschuss von 3,5 Millionen Euro für keinen einfach und werden von Rahel Dangel (ALi), Jens Bauder und Andreas Herfurth (beide SPD) sehr kritisch gesehen. Kann man diese hohen Ausgaben vertreten?

Zu dieser Frage gab der Betriebsberater des Projekts detaillierte Auskünfte und eine eindeutige Bewertung: „Das wird ein sehr effizientes Bad“, wies Marco Steinert von der Unternehmensberatung Altenburg anhand von Kennzahlen nach. Er gilt als der Guru der deutschen Bäderwirtschaft, wie von Jochen Mulfinger zu erfahren war. Von Warnemünde bis Winnenden kennt er viele Bäder und hat deren Kennziffern parat. Übers Wunnebad sagt er: „Das ist kein normales Hallenbad“, es habe seine Zielgruppen. Machbar sei, dass die Stadtwerke mit einem Zuschuss von 4,78 Euro pro Badegast auskämen. Das sei gut. Andere Bäder arbeiteten mit fünf bis sieben Euro Zuschuss pro Gast. Die Sauna bringe einen Gewinn von 2,37 Euro pro Saunagast, und der Eispark koste nur ein kleines Defizit.

Winterschwimmen: „Ökologisch fragwürdig“

Aber: Diese hohe Effizienz erreiche das Bad nur, wenn der Gemeinderat ein paar Bedingungen erfülle: „Die Eintrittspreise müssen jedes Jahr um zwei Prozent angehoben werden, und bei den Saunaeintrittspreisen müsse ein Preissprung erfolgen. Und – das ist die größte Spaßminderung gegenüber bisher – das 50-Meter-Außenbecken müsse im Winter geschlossen werden. Das spare Kosten von jährlich 120 000 Euro, und der Winterbetrieb sei ohnehin ökologisch höchst fragwürdig. Der Bäder-Guru hatte noch eine dringende Empfehlung: „Ihr Bad ist jetzt 92 Stunden pro Woche geöffnet. Das ist nicht sinnvoll und verursacht erhebliche Bereitschaftskosten.“ Geringere Öffnungsdauer spare Kosten. Über all diese Nebenbedingungen möchte der Gemeinderat später reden.

Befolgten die Stadtwerke alle Empfehlungen des Beraters, bleibt trotzdem jedes Jahr ein Defizit hängen in Höhe von insgesamt 3 Millionen Euro. Stadt und Stadtwerke tragen es gemeinsam. Die Stadt gibt den Stadtwerken einmalig 1,6 Millionen Euro. Und sie zahlt jedes Jahr 1,35 Millionen Euro an die Stadtwerke. Den Rest des Defizits erwirtschaften die Stadtwerke aus ihren Spartengewinnen. Damit kommen die Gemeinderäte klar. „Für uns ist wichtig, dass es bei einem Zuschuss in dieser Höhe bleibt“, erklärte FWV-Sprecher Hans Ilg. „A bissle Bauchweh hat mer immer bei solchen Beträgen, aber der Businessplan ist nachvollziehbar.“ „Der Zuschussbetrag wird nicht wirklich steigen“, stellte auch CDU-Sprecher Thomas Traub fest, „Sie haben dargestellt, dass es finanzierbar ist.“

SPD-Sprecher Andreas Herfurth betonte: „25 Millionen Euro – das ist das größte Projekt, das die Stadt je angegangen ist. Ich möchte die Entscheidung darüber in die Hände der Bürger legen.“ Darüber wurde kurz abgestimmt, es stimmten aber nur Herfurth und sein Fraktionskollege Jens Bauder dafür.

Zwei Neinstimmen, aber große Mehrheit fürs Projekt

Große Bedenken gegen die hohen Ausgaben in den unsicheren Corona-Zeiten hat ALi-Stadträtin Rahel Dangel: „Ich kann das in der momentanen Situation nicht entscheiden. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt. Wir stecken gerade in der zweiten Corona-Welle.“ Dem entgegnete ihre Fraktionskollegin Susanne Kiefer: „Was in der Zukunft ist, das kann man sowieso nicht wissen. Ich bin unbedingt dafür, dass man baut.“ Für den Umbau zu Kosten von über 24 Millionen Euro stimmten fast alle Stadträte. Rahel Dangel enthielt sich der Stimme. Andreas Herfurth und Jens Bauder stimmten mit Nein. Auf Anfrage von Susanne Kiefer erfuhren die Räte gleich, dass im nächsten Jahr der Umbau beginnt und dass das Wunnebad die meiste Zeit während des Umbaus geöffnet bleiben soll. Es werde dann schwierig, wenn die Baugrube für das Kursbecken ausgehoben wird, aber dann könne vielleicht der Freibadbereich teilweise weitergenutzt werden. Die neuen Außenumkleiden werden gebaut, bevor die alten abgerissen werden, so dass immer eine Umkleide nutzbar wäre.

Ein Kraftakt in schwächlichen Zeiten: Die Stadtwerke werden das Wunnebad umbauen – im großen Stil. Über 24 Millionen Euro darf das Projekt kosten. Das ist eine Summe, bei der fast jedem im Sitzungssaal des Rathauses am Dienstagabend kurz noch mal der Atem stillstand. Schaffen das die Stadtwerke und die Stadt zusammen? Kann man diese Ausgabe in nie da gewesener Größe den Bürgern zumuten, ohne dass man sie befragt? Muss das Umbauprogramm so umfassend sein? Muss das Bad wirklich schöner und

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