Winnenden

Winnenden: Wie bereitet sich der Bauhof auf den Winterdienst vor?

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Achim Steinbrecher im Unimog. Mit dem Joystick in der Mitte bedient er den Pflug. © Gaby Schneider

Der Spätherbst meint es bisher gut mit den Autofahrern: Es gab bisher keinen Frost, gerade mal ein, zwei Grad unter null, und wenn, dann regnete es nicht dazu. „Eisregen, das ist das Schlimmste“, sagt Achim Steinbrecher, stellvertretender Leiter des Bauhofs der Stadt. Doch sollte nachts oder in den frühen Morgenstunden das tückische Blitzeis entstehen: Der Bauhof ist gerüstet. „Seit Mitte Oktober, wie es Vorschrift ist“, sagt Bauhofleiter Sven Gleich. Die sechs unterschiedlich großen Streufahrzeuge sind gewartet, der Boden des nagelneuen Unimogs wurde sogar extra konserviert. Schneepflüge und Streusalzbottiche sind montiert, die Streuer justiert. Und die Streuboxen am Straßenrand sowie die hoch übers Gelände an der Wiesenstraße aufragenden Salzsilos sind bis oben gefüllt. Die zwei Speicher fassen je 90 Tonnen Salz.

Splitt kommt eher auf Fußwegen und Feldwegen zum Einsatz

Daneben steht noch ein kleineres Silo für Splitt, den der Bauhof aber seltener benutzt. „Er funktioniert eigentlich nur bei Eis. In sulzigen Schneematsch sinkt er ein und bringt wenig. Und: Du musst ihn am Ende des Winters aufkehren und als Sondermüll entsorgen“, sagt Sven Gleich. Auf Treppen oder Feldwegen kommt Splitt gleichwohl zum Einsatz, einfach, weil er länger liegen bleibt als die Sole.

Bauhof mischt Salz mit Wasser: Die Sole wirkt besser

Beim Besuch auf dem Bauhof herrscht, wie sie in den Nachrichten so schön sagen, „ruhiges Herbstwetter“. Kein Sturm, kein Schnee, zwar wenig Sonne, aber auch kaum Regen. „Unseren MAN-Lkw brauchen wir jetzt noch für andere Einsätze“, sagt Gleich, aber der Aufsatz mit dem Behälter fürs Feuchtsalz ist schon bereitgestellt. Das trockene Salz aus dem Silo wird im Bauhof kurz vor dem Abfüllen mit Wasser gemischt. Der Vorgang dauert 15 Minuten. „Das aufgelöste Salz, die 30-prozentige Sole, haftet einfach besser am Salzkorn“, erklärt Sven Gleich. Sein Kollege Achim Steinbrecher ergänzt, dass trockene Salzkörner irgendwohin fliegen würden, „mit der Sole hast du ein besseres Streubild“. Die beiden Männer gehen zwar nicht so weit, zu sagen, dass Sole umweltfreundlicher sei, weil Salz den Pflanzen grundsätzlich schade. Aber logischerweise braucht man durch die Sole insgesamt weniger Salz.

Die größten Fahrzeuge haben seit zehn Jahren ein Telematic-System an Bord, das die gestreute Menge misst und über Satellit die Strecke dokumentiert, auf der der Schneepflug unten ist. Die kleineren Fahrzeuge sind inzwischen auch mit Telematic ausgestattet. Nach der Tour liest der Fahrer die SD-Karte oder den USB-Stick am Computer im Bauhof aus. „Das ist eine rechtliche Frage. Wir können hiermit, wenn jemand behauptet, er hatte einen Unfall, weil nicht geräumt war, das Gegenteil beweisen“, erläutert Sven Gleich.

"Der Fahrer hat immer eine trockene Salzgosch"

Auf den Fahrer warten trotz hilfreicher Technik noch genug Aufgaben, und auf ihm lastet auch eine hohe Verantwortung. Die Bauhofleute müssen gucken, dass ihnen der mitgeführte Vorrat für die Tour möglichst ausreicht. Sonst müssen sie mittendrin abbrechen und zum Bauhofgelände zurück. Wertvolle Zeit im Kampf gegen glatte Straßen ginge verloren. „So eine Tour ist auch anstrengend“, beschreibt Sven Gleich weiter, dass die Kabinen ja nicht luftdicht sind, im Laufe von gut drei Stunden einer Tour ist die Luft salzgesättigt. „Der Fahrer hat einen trockenen Mund, eine Salzgosch“, sagt Gleich, „und du bist danach auch geistig erschöpft. Weil du immer schauen musst, dass du nirgends hängen bleibst.“

Nerven wie Drahtseile: Kinder hopfen vor den Pflug

Sobald der Berufsverkehr beginnt, ist höchste Konzentration gefragt, bestätigt Achim Steinbrecher, die Autofahrer drücken, schimpfen oder überholen. „Und Fußgänger springen um einen herum. Am schlimmsten ist, wenn dir Kinder vor den Pflug hopfen. Es scheint ihnen Spaß zu machen, ich weiß nicht, warum sie das tun.“ Dazu kommt, dass es im Winter morgens lange dunkel ist ... Mannomann, da braucht man ja Nerven wie Drahtseile.

Steile Strecken fährt Steinbrecher grundsätzlich rückwärts hoch

Eine Spezialfrage, von einem Leser aus Bürg gestellt, bespricht unsere Zeitung auch mit den Männern vom Bauhof: Wer übernimmt auf der Ausweichstrecke des 337-Kleinbusses während der Baustelle zwischen Höfen und Schulerhof den Winterdienst? „Wir nicht!“, sagt Sven Gleich. Auf der Kreisstraße und ihren Ausweichstrecken sei der Landkreis zuständig. Ganz richtig bemerkte der Leser, dass sie aus einigen engen, steilen und schattigen Abschnitten besteht. Zu eng für die Räumfahrzeuge der Kreis-Straßenmeisterei. Der Verantwortliche bemüht sich um eine Lösung, wir werden wieder berichten, wenn sie gefunden ist.

„Zu meiner Tour gehört auch der Mörikeweg, den fahre ich grundsätzlich rückwärts hoch“, sagt Achim Steinbrecher. Ganz langsam, so dass die Sole ihre Wirkung entfalten kann. „Wenn es sehr glatt ist, muss ich von Hand vorstreuen. Für diese Fälle habe ich immer ein Eimerle dabei“, sagt Steinbrecher. „Aber lieber warte ich, bevor ich mir das Fahrzeug verbiege.“ Einen Ausfall im Winterdienst wegen Reparatur, das gilt es auf jeden Fall zu vermeiden.

Der Spätherbst meint es bisher gut mit den Autofahrern: Es gab bisher keinen Frost, gerade mal ein, zwei Grad unter null, und wenn, dann regnete es nicht dazu. „Eisregen, das ist das Schlimmste“, sagt Achim Steinbrecher, stellvertretender Leiter des Bauhofs der Stadt. Doch sollte nachts oder in den frühen Morgenstunden das tückische Blitzeis entstehen: Der Bauhof ist gerüstet. „Seit Mitte Oktober, wie es Vorschrift ist“, sagt Bauhofleiter Sven Gleich. Die sechs

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