Winnenden

Winnenden bekommt von seinen Radlern die Note 4 und landet weit unten in der Rangliste der Städte

Fahrradwegwinnenden
Baustelle in der Bahnhofstraße: Unvermeidliche Störung für Fahrradfahrer, aber für alle anderen auch. © Gaby Schneider

Die Stadt sackt ab in der Radlergunst. Note 4,1 bekam sie fürs letzte Jahr. Das ist weniger als ausreichend. Unter deutschlandweit 415 vergleichbaren Städten steht Winnenden auf Rang 280 in einer breit angelegten Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Repräsentativ ist sie nicht, dafür ist die Teilnehmerzahl zu gering, und beteiligt sind nur jene, die aktiv etwas äußern wollten. Aber das ist in allen Städten so, und deshalb sagt der Städtevergleich schon etwas aus: Unter den 66 vergleichbaren Städten aus Baden-Württemberg steht Winnenden auf Rang 52 – es kommt quasi auf den Felgen daher.

In der Klemme: Radler an Baustellensperren

Was ist los mit Winnenden? Der schwächste aller Schwachpunkte sind die öffentlichen Leihfahrräder. Die gibt’s hier gar nicht! Kein Mensch kann aus der S-Bahn rauskommen und am Bahnhof auf ein Leihfahrrad umsteigen. Dafür vergaben die Teilnehmer die Einzelnote 5,4, und Winnenden liegt damit um 0,6 Prozent unterm Durchschnitt. Schlecht geht es den Radlern an Baustellen. Wo immer sie nahe bei einem Radweg liegen, wird der gesperrt, und der Radler kann gucken, wo er bleibt – in der Regel muss er mit Autofahrern um einen Platz auf der Fahrbahn konkurrieren – Note 5,1, weit unterm Durchschnitt. Verwunderlich ist die schlechte Note gar nicht, denn Winnenden hat zurzeit viele Baustellen in der Innenstadt, die sich gar nicht anders einrichten lassen, als dass ein Radweg gesperrt wird. Das fängt oben an beim Viehmarktplatz, wo Lkw auf dem Radweg warteten, um zur Wohnungsbaustelle hinter Friseur Kroiss einzufahren. Weiter geht es mit dem Holzmarktplatz und weiter unten mit einem Haus direkt an der Palmerstraße. Wer von der Schorndorfer Straße Richtung Bahnhof radelt, der wird der Stadt hier einen Sechser geben, muss allerdings auch zugeben, dass die Benotete nichts dafür kann, weil sich die Baustellen in der Enge der Stadt nicht anders planen lassen.

Abgedrängt: Falschparker blockieren Radwege

Das drittgrößte Problem sind die Falschparker auf den Radwegen. Eine Landplage. Schon kurz nach der Polizei, beim Bäcker Maurer in der Schorndorfer Straße, muss der Radler den ersten Falschparkern ausweichen, oft ein Lieferwagen, der nicht mehr in die vorhandene Parkbucht passt und dann den Radweg blockiert. An der Wallstraße bei der Zeitung lassen Autofahrer gerne Beifahrer aussteigen und stellen ihr Auto dafür auf den Radweg. Ganz schlimm ist es unten bei der Biobäckerei Weber und dem Halal-Market. Kunden und Lieferanten beider Geschäfte und dazuhin Anwohner der Palmerstraße parken fast permanent den Radweg zu. Ausweichversuche des Radlers sind hochriskant, weil sich nebenan zwei Fahrbahnen zu einer verengen, was Autofahrer zu Rivalen werden lässt, die nur noch das andere Auto sehen und keine Zeit haben, sich mit einem ausweichenden Radler zu beschäftigen.

Schlechte Presse: Radler wünschen Positiv-Berichte

War’s das mit dem Radlergejammer? Noch lange nicht. Die Radler haben viel zu beklagen. Note 4 und schlechter vergeben sie an die lokalen Medienberichte über Radler, den Winterdienst, das Sicherheitsgefühl, die Fahrraddiebstahlsicherheit. Note 4,5 bekommen die Ampelschaltungen und die Breite der Radwege. Es ist also vieles im Argen, zumindest bei den 95 Teilnehmern der Befragung 2020.

Findet man überhaupt eine Einzelbewertung mit wenigstens einer Zwei vor dem Komma? Da könnte man lange suchen. 3,1 ist das höchste der Gefühle, und diese Note haben die Befragten für die Erreichbarkeit des Zentrums vergeben, was man als Winnender Alltagsradler durchaus nachvollziehen kann: Die Radwege von den Teilorten ins Stadtzentrum sind eins vom Besten, was Winnenden seinen Radlern gönnt: sicher, breit und auf weiten Strecken durch grüne Landschaft führend. Kleine Radwegweiser helfen Ortsunkundigen weiter – dafür gab’s die Note 3,2. Und die Fahrradmitnahme in Bussen und Bahnen kriegt die Note 3,3, womit auch sie zu den Stärken des Winnender Radverkehrs zählt, denn immerhin darf man außerhalb der Starknutzungszeiten das Rad in der S-Bahn mitnehmen, und in vielen Bussen darf es auch mit rein. Eine Buslinie hat sogar am Bus hintendran einen Fahrradträger für mehrere Räder. Man kann mit ihm hochfahren nach Buoch und dann runterrauschen. Ein Vergnügen.

Spaßfaktor: Gibt es eine Freude am Radeln?

Macht Radeln in Winnenden eher Spaß oder ist es eher Stress? Interessanterweise liegt Winnenden bei dieser Frage gar nicht ganz schlecht: Note 3,4 – genau gleich wie der Durchschnitt aller vergleichbaren Städte. Ins Auge fällt auch die Note für die noch gar nicht alten Fahrradständer in der Stadt: 3,8. Das ist keine große Zufriedenheit. Erinnert sich keiner mehr, wie es vor ein paar Jahren war? Für einen Alltagsradler sind diese Abstellbügel in der Stadt ein super Service: Man kann sein Fahrrad abstellen, ohne dass Felgen verbogen werden und ohne dass es auf andere Räder drauffällt. Sicher mit Kette anschließen kann man es auch noch – es war ein Riesenfortschritt für Radler in Winnenden, als diese Bügel aufgestellt waren. Die schlechte Note lässt sich vielleicht dadurch erklären, dass die schönen Fahrradständer an Sonnentagen oft alle belegt sind.

Und jetzt? Umfragedaten sind dem Oberbürgermeister bekannt

Die ADFC-Umfrage lässt Interpretationsspielraum. Oberbürgermeister Holzwarth hat die Befragungsergebnisse erhalten und sie gleich mit einer Kurzbewertung an Gemeinderäte und Amtsleiter weitergeschickt: „Unsere Bewertung von 2018 ist 2020 leider von 3,3 auf 4,1 gesunken ... Besonders negativ aufgefallen sind wenig zügiges Radfahren, wenige in Gegenrichtung von Einbahnstraßen geführte Radwege, Baustellenführungen für Radfahrer und fehlende öffentliche Mieträder. Besonders positiv gesehen werden die gute Oberfläche von Radwegen, die Werbung fürs Radfahren und die Fahrradmitnahmemöglichkeiten im ÖPNV.“

Die Stadt sackt ab in der Radlergunst. Note 4,1 bekam sie fürs letzte Jahr. Das ist weniger als ausreichend. Unter deutschlandweit 415 vergleichbaren Städten steht Winnenden auf Rang 280 in einer breit angelegten Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Repräsentativ ist sie nicht, dafür ist die Teilnehmerzahl zu gering, und beteiligt sind nur jene, die aktiv etwas äußern wollten. Aber das ist in allen Städten so, und deshalb sagt der Städtevergleich schon etwas aus: Unter den

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