Winnenden

Winnender Bäckerei Pflumm schließt: Betrieb finanziell nicht mehr tragbar

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Die Bäckerei Pflumm an der Ecke Bahnhofstraße/Schmidgallstraße. © Schmitzer

Es ist ein Schock für die Kunden aus der Bahnhofsvorstadt, vom Bahnhof und aus Nellmersbach: Die schöne, kleine, handwerkliche Bäckerei Pflumm hat Knall auf Fall am Montag um 13 Uhr geschlossen. Hört man dem Inhaber Daniel Nestlinger zu, dann haben die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Schutzmaßnahmen die Bäckerei tief getroffen. Ganz schnell hat er mit seiner Mutter Beate Frank zusammen entschieden, dass ein Weiterbetrieb nicht mehr tragbar ist, und hat damit sein Lebensprojekt frühzeitig abgebrochen.

Am Montagmorgen haben Kunden noch nichts von der Schließung gewusst

Noch am Montagmorgen stand die Bäckerei in der Bahnhofstraße da, als wäre alles wie immer. Die Brezeln schmeckten so gut frisch, wie man’s gewohnt ist vom Bäcker Pflumm. Permanent war eine Kundin oder ein Kunde im Laden. Das Geschäft lief wie am Schnürle, und die beiden Verkäuferinnen Ute Pflumm und Claudia Rikker grüßten freundlich wie immer – nur die Brotregale waren nicht mehr ganz so voll wie sonst. Am Montagmorgen erst hatten die Verkäuferinnen vom Chef erfahren, dass dieser Montag der letzte Verkaufstag der Bäckerei ist. Ihren Kunden durften sie nichts sagen. Es sollte noch mal ein ganz normaler Verkaufsvormittag werden. Ein persönlicher Abschied von den Kunden war den Verkäuferinnen nicht möglich.

Das Haus Pflumm war seit Jahrzehnten eine Bäckerei an der Ecke. Man kann sich gar nichts anderes vorstellen an dieser Ecke. Als vor drei Jahren Bäcker Roland Pflumm und seine Frau Ute aufhörten, übergaben sie das Geschäft an den jungen Bäckermeister Daniel Nestlinger, der bei Back-Pflumm seine Ausbildung gemacht hatte. Mit viel Idealismus und Initiative ging der sein Projekt an, das er sich eigentlich zum Lebensprojekt machen wollte. Nach anderthalb Jahren hatte sich einiges eingespielt in der Bäckerei, aber es kam Corona und als Folge dessen kamen viele Einschränkungen. Die Kundenzahl im kleinen Laden war auf ein Minimum beschränkt. Die Verkaufszahlen gingen zurück. Aber der Optimismus des Betriebsinhabers hielt sich. Daniel Nestlinger eröffnete sogar noch eine Filiale in Nellmersbach. Es hätte gutgehen können, wenn Corona nicht so lange andauern würde.

Das Unternehmen ist zu jung, um die Corona-Krise zu bestehen

Die Pandemie traf den jungen Bäckermeister von drei Seiten. Erstens war sein Unternehmen gerade im Aufbau. Keinerlei Substanz hatte er ansammeln können bis zu dem Tag, als ihn die Einschränkungen trafen. Er konnte nicht wie etablierte Geschäfte von irgendwelcher Substanz zehren. Zweitens bekam er keine Corona-Hilfen. Die bekam eine Firma immer dann, wenn sie starke Umsatzrückgänge nachweisen konnten im Coronajahr im Vergleich zum Normaljahr. Daniel Nestlinger hatte aber gerade sein Filialnetz erweitert, hatte Nellmersbach dazugenommen und deshalb nicht die notwendigen Rückgänge. Annähernd die gleichen Umsätze hatte er dann, aber bei deutlich höheren Kosten.

Wenn nur noch zwei Kunden im Verkaufsraum erlaubt sind

Drittens traf die Personenzahlbegrenzung den Bäcker mit den sehr kleinen Verkaufsgeschäften enorm. Früh am Morgen drängten sich zu Vor-Corona-Zeiten die Leute manchmal im randvollen Kundenraum, genossen die Wärme und den Brötchenduft. Jetzt dürfen zum Beispiel am Bahnhof nur noch zwei Kunden gleichzeitig in die Filiale. Das ist schon eine schwere Einschränkung. Es kommt aber hinzu: Die Bahnhofskunden haben kein Dach mehr zum Unterstehen, und in diesem Sommer fiel der Regen an vielen Tagen. Da ging unglaublich viel mögliche Kundschaft am Bäckerladen vorbei einfach in die Unterführung ins Trockene. Die Leute hatten kein Frühstück und der Bäcker keinen Umsatz.

Nach langer Rechnerei steht fest: Es geht nicht mehr

Diese Kundenausfälle waren so heftig, dass Daniel Nestlinger und seine Mutter Beate Frank seit drei Monaten alles durchkalkulieren, was die Bäckerei macht und was ihr Ausgaben abverlangt. Aber auch nach einer langen Rechnerei kamen sie vor wenigen Tagen zu dem Schluss: Es geht nicht mehr. Diese schöne, kleine Bäckerei mit ihren netten, guten Kunden ist unter den gegebenen Umständen schlichtweg finanziell nicht tragbar. So endet ein konkreter Traum, so enden anderthalb Jahre des Aufbruchs und anderthalb Jahre des Hoffens und Bangens und des Umgangs mit den Anforderungen der Corona-Pandemie. Mitarbeiter und Inhaber müssen sich neue Arbeit suchen.

Es ist ein Schock für die Kunden aus der Bahnhofsvorstadt, vom Bahnhof und aus Nellmersbach: Die schöne, kleine, handwerkliche Bäckerei Pflumm hat Knall auf Fall am Montag um 13 Uhr geschlossen. Hört man dem Inhaber Daniel Nestlinger zu, dann haben die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Schutzmaßnahmen die Bäckerei tief getroffen. Ganz schnell hat er mit seiner Mutter Beate Frank zusammen entschieden, dass ein Weiterbetrieb nicht mehr tragbar ist, und hat damit sein Lebensprojekt

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