Winnenden

Winnender Buchhändler Kreh und Osiander enttäuscht: Kein Stöbern, nur noch abholen

Buchhändler
Bei Osiander hat sich am Montagvormittag eine kleine Schlange gebildet. Ab Dienstag dürfen Kunden den Laden nicht mehr betreten. © ALEXANDRA PALMIZI

Wer sich am Samstag noch mit Lesestoff für die Ostertage eingedeckt hat, konnte das weitestgehend ohne Einschränkungen tun. Am Montag war auch für Buchhandlungen ein Termin (Click & Meet) nötig. Ab Dienstag gibt es Bücher nur noch auf Bestellung (Click & Collect). „Wir sind wahnsinnig enttäuscht“, erzählt Alisa Bub, Filialleiterin von Osiander in der Marktstraße, am Montagvormittag. Denn bis einschließlich Samstag zählten Buchhandlungen zu Läden des täglichen Bedarfs. Termine waren nicht nötig, ähnlich wie in Supermärkten. Nach einer Klage werden Buchhandlungen aber fortan nicht anders behandelt als Modeboutiquen oder Geschäfte für Haushaltswaren. „Das ist allerdings nur in Baden-Württemberg und in Nordrhein-Westfalen der Fall“, schildert die Filialleiterin, weshalb sie eine gewisse Ungerechtigkeit verspürt. Die Corona-Notbremse, die bei einer hohen Infektionszahl greift, trifft nun auch ihre Filiale.

Bei den Kunden stelle sie große Verunsicherung fest. „Wir bekommen ganz, ganz, ganz viele Nachfragen. Die Kunden verstehen nicht mehr, wie sie sich verhalten müssen. Ob sie in den Laden dürfen oder nicht. Dass sich das ständig ändert, ist sehr verwirrend“, meint Bub. Sie selbst habe bei der Stadt nachfragen müssen, was denn jetzt erlaubt sei und was nicht. Währenddessen kommt ein Kunde, umkurvt den Tisch, der am Eingang steht, und marschiert in den Laden. „Halt“, ruft Bub und erklärt dem Mann freundlich, dass er sich erst in eine Liste am Eingang eintragen und auf Einlass warten muss. „Oh je“, stöhnt er und legt das Buch wieder aus der Hand, das er sich bereits angeschaut hatte.

Dietrich Kreh setzt auf Lieferservice und das Online-Geschäft

Die Kunden seien sehr verständnisvoll, erzählt Bub. Ärger habe es in letzter Zeit keinen gegeben. Unter der Woche könne man fortan Bücher zwischen 10 und 16 Uhr nach Bestellung abholen. Am Samstag zwischen 10 und 14 Uhr. „Wir nehmen den Kundenwunsch auch direkt am Eingang auf und können das Buch, falls vorhanden, aus dem Lager holen“, erklärt Alisa Bub das Prozedere. Auch telefonisch könne bestellt werden. „Uns wird jetzt das Ostergeschäft fehlen“, bedauert die Osiander-Filialleiterin. Bücher werden oft spontan gekauft. „Auch das Cover und das Gefühl des Buchs, wenn es in den Händen liegt, ist für viele wichtig“, weiß Alisa Bub. Ähnlich wie der Osiander-Filialleiterin geht es auch Dietrich Kreh vom gleichnamigen Buchhandel am Viehmarktplatz. „Zum Glück habe ich schon vor der Pandemie einen Onlineshop aufgebaut. Das hilft uns jetzt natürlich extrem“, berichtet er. Verständnis hat er für die Entscheidung, dass auch Buchhändler jetzt nur noch auf Bestellung verkaufen dürfen, nicht. „Ich finde das unmöglich“, sagt er. Schließlich sei sein kleiner Buchhandel keine Virenschleuder. „Im Eingangsbereich haben wir immer alles offen. Wir haben ständig einen Luftaustausch. Auch im Laden öffnen wir regelmäßig die Fenster“, schildert der Buchhändler seine Schutzmaßnahmen. Zudem seien nie viele Menschen gleichzeitig vor Ort. Er habe Rückmeldungen von einigen Kunden bekommen, die das alles nicht mehr verstehen.

Ab Dienstag setzt Kreh hauptsächlich auf seinen Onlineshop. Aber auch vor Ort in der Buchhandlung sei jemand. „Wir können Aufträge am Eingang durch das Tor übergeben.“ Für alle anderen Bestellungen habe er einen Fahrer, der einmal am Tag ausliefert. „Winnenden, Leutenbach, Schwaikheim. Bis Burgstetten. Wer etwa von Waiblingen bestellt, bekommt eine portofreie Sendung“, so Kreh. Nicht verkaufen kann er dann allerdings kleinteilige Waren oder Glückwunsch- und Trauerkarten. „Diese in den Onlineshop einzubinden wäre extrem viel Arbeit.“ Schließlich müsse man jede Karte einzeln erfassen.

Wer sich am Samstag noch mit Lesestoff für die Ostertage eingedeckt hat, konnte das weitestgehend ohne Einschränkungen tun. Am Montag war auch für Buchhandlungen ein Termin (Click & Meet) nötig. Ab Dienstag gibt es Bücher nur noch auf Bestellung (Click & Collect). „Wir sind wahnsinnig enttäuscht“, erzählt Alisa Bub, Filialleiterin von Osiander in der Marktstraße, am Montagvormittag. Denn bis einschließlich Samstag zählten Buchhandlungen zu Läden des täglichen Bedarfs. Termine waren

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