Winnenden

Winnender Kosmetikerinnen bei der Berlin Fashion Week

1/2
1325476a-92c9-4e5a-ac5b-96280fb2b1c2.jpg_0
Starke Farben, breite Lidschatten – in Berlin wird Natali Zaher (links) so schminken wie hier in ihrem Winnender Studio. Susanne Gregorowitsch (Mitte) wird die Frisuren machen, die sie jetzt an Nadja Kuhlmann demonstriert. © Büttner/ZVW
2/2
White Pavor
Pinsel, Stifte, Farbpuder - das ganze Werkzeug muss mit nach Berlin. © Benjamin Büttner

Winnenden. Natali Zaher mag ihre Winnender Kundschaft, aber Anfang Juli arbeitet sie zwei Tage lang in Berlin bei der Fashion Week. Diesen Kick braucht sie. Sie wird zusammen mit ihrer Winnender Kollegin Susanne Gregorowitsch Models stylen mit starken, kunstvollen Farben, präzisen Linien und kühn großen Farbflächen.

Die Modewoche ist ein Tummeln in der Szene der Kreativen, ein Treffen mit den jungen Modemachern aus den Hackeschen Höfen in Berlin und manchen Modegrößen Europas, ein Training in den neuesten Trends des Make-up und im extrem schnellen Umsetzen der Vorgaben von jungen Modeschöpfern. Blitzlichtgewitter wird es geben, rauschende Partys und konzentrierte, verlässliche Arbeit. „Es ist sehr aufregend, ein Teil dieser Fashion Week zu sein. Es ist große Kino, und man arbeitet mit an einer Inszenierung.“ Für die 32-jährige Natali Zaher sind die Tage bei der Fashion Week auch eine Rückkehr an den Ort ihrer großen beruflichen Entwicklung, denn in Berlin, in diesem sprudelnden Kreativitätspool, hat sie bei einer renommierten Make-Up-Artist gearbeitet, hat für Filme und für Models das Make-up gemacht, ist damals zur Fashion Week gelangt und hält den Kontakt heute noch, auch wenn sie jetzt wieder in Winnenden lebt, auch wenn sie jetzt sagt, dass sie auf Dauer nicht in dieser Anonymität von Berlin leben und arbeiten wollte.

Der Modedesigner macht die genauen Stilvorgaben

In Berlin hat sie viel gelernt, und sie wird auch in den Julitagen wieder viel mitbringen von der Modewoche. Sie wird sich selbst wieder beweisen, was sie kann. Alle Models für eine Kollektion wird sie gleich gestalten – so, wie ihre Auftraggeber, meist junge Designer, es wollen. Romantisch, natürlich, mit fallenden Haaren und zurückhaltenden Farben – oder durchgestylt, farbstark, formbetont, kunstvoll. Zehn Minuten Zeit haben sie und Susanne Gregorowitsch. Die Friseurin steht hinter dem Model und gestaltet die Haare. Vor dem Model steht die Make-up-Artist und legt Farbe auf, zieht Augenbrauen nach, nimmt weißen Eye-Liner, um die Augen zu vergrößern. „Heidi Klum hat den fast immer“, erzählt sie.

Großzügig trägt Natali Zaher kräftigen violetten Lidschatten auf

In Winnenden zeigt sie am Gesicht ihrer Schwester Nadja Kuhlmann, wie sie in Berlin arbeiten wird: Feinste, in der kurzen Begegnung gar nicht sichtbare Unebenheiten in den Augenbrauen glättet sie, großzügig trägt sie violetten Lidschatten auf, gibt glänzenden Lipgloss auf die Lippen. Ein kraftvolles Make-up für eine Nacht in Berlin – für den Alltag zwischen Zipfelbach und Buchenbach allerdings nicht so gefragt. Nadja will nachher mit ihrem zweijährigen Sohn Henri zum Englischkurs – was würde bloß aus dem Kurs, wenn sie mit diesem Berliner Make-up ankäme?

Video: So schminken und frisieren Natali Zaher und Susanne Gregorowitsch Models auf der Fashion Week in Berlin.

In zehn Minuten kann Natali Zaher ein Gesicht anpassen an eine Modekollektion, kann zehn Gesichter in die gleiche Richtung gestalten, so dass nachher auf dem Laufsteg eine einheitliche Gruppe erscheint, deren Gesichter im Rampenlicht und aus der Ferne wirken. Sie freut sich ungemein auf diese Arbeit in Berlin.

Berlin ist eine Zeit lang schön – Winnenden ist Heimatstadt

Und es ist ihr zugleich recht, dass sie nur zwei Tage dort in der Glamourwelt weilt. Denn Winnenden wurde ihr wieder wichtig. Ihr Mann ist aus Berglen. Die Liebe gab ihr den Impuls, Berlin in Richtung Winnenden zu verlassen. Überhaupt hatte Winnenden eine starke Magnetkraft. Es war ihr Traum von Jugend an, einmal ein eigenes Kosmetikstudio zu eröffnen – in ihrer Heimatstadt Winnenden. Zu diesem Traum kam sie über einige Umwege, lernte zuerst Erzieherin und arbeitete im Kindergarten, reiste nach Australien, um zu erfahren, was sie eigentlich will, kam zurück nach Deutschland und lernte in München Kosmetikerin. In Berlin übte sie ihren geliebten Beruf aus – in seinen kreativsten Varianten. Schließlich sagte sie sich: Sie möchte dort leben und arbeiten, wo sie die Leute kennt, möchte Kunden kennenlernen, denen sie auch sonst wieder begegnet. Mit ihrer Kollegin, ihren und deren Eltern hat sie sich das Kosmetikstudio White Pavo am Kronenplatz eingerichtet. Zwei, drei Tage kann sie schon mal von hier weg sein, in Berlin. Aber dann will sie wieder für ihre Kundinnen da sein.

Fashion Week

Die Fashion Week Berlin beginnt nächste Woche am Dienstag, 3. Juli, und geht dann bis zum Wochenende, 7. Juli.

Junge deutsche Designer zeigen ihre neusten Kreationen. Extra Programmpunkte haben polnische Modeschöpfer innerhalb der Woche.

Ein eigener Programmpunkt ist Ethical Fashion, also ethisch einwandfreie (faire Arbeitsbedingungen) und ökologisch korrekte Mode – aber dies ist nur ein kleiner Punkt unter vielen anderen.

Es gibt Shows, Präsentationen und es gibt Sichtungstermine für Einkäufer aus dem Handel. Natürlich wird dort verrückteste Mode gezeigt, edle Haute Couture und Alta Moda, aber es geht auch um Straßenkleidung, urbane, zeitgenössische Mode.

Und es ist ein Defilee der Wichtigen und ganz Wichtigen aus der Branche. Viele junge Modestudenten und Modemacher träumen davon, einmal bei der Modewoche präsentieren zu dürfen. Die Berliner Morgenpost schreibt: „Die Designerin Marina Hoermanseder, die an der Esmod studierte, gründete 2013 ihr eigenes Label in Berlin, ein Jahr später war sie schon auf der Fashion Week. Auch William Fan, Absolvent der Kunsthochschule Weißensee, gelang dieser Sprung 2015, gleich nach Gründung seiner Marke.“