Winnenden

Winnender Marktleute wehren sich gegen die Maskenpflicht

Maskenpflicht Wochenmarkt
Die Maskenpflicht gilt in Winnenden seit 23. April auf dem Wochenmarkt. Dagegen wehren sich nun Verkäufer/-innen. © ALEXANDRA PALMIZI

Die Mitarbeiter an Marktständen auf dem Winnender Wochenmarkt beantragen bei Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth und dem Ordnungsamt, die Maskenpflicht für Verkäufer/-innen wieder abzuschaffen – „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“. Am Freitag wurde das Schreiben von Gärtnermeister Armin Schröder aus Leutenbach an die Stadt geschickt mit der Bitte, den Inhalt auch den Gemeinderäten bekannt zu machen. Laut Schröder haben alle Verkäufer/-innen den Brief unterschrieben bis auf zwei Gemüsehändlerinnen, offenbar auch Stadträtin Marie-Christine Sammet, die einen Crêpes-Stand betreibt.

Eins der Argumente für die Abschaffung der Pflicht: Im Freien besteht wenig Gefahr 

Die Argumente dazu lauten: Es bestehe in Baden-Württemberg keine Maskenpflicht auf Wochenmärkten für Verkaufspersonal und Kunden. Die Ansteckungsgefahr im Freien sei weitaus geringer, auch sei Distanz zu den Kunden durch die tiefen Warenauslagen gegeben. Schutzmasken seien für die Träger/-innen über die gesamte Marktzeit von 7 bis 13 Uhr eine massive Belastung von Lunge und Kreislauf, vor allem bei den nun ansteigenden Temperaturen. Weiter habe man festgestellt, dass Kundengespräche äußerst anstrengend seien, gehörlose Kunden können einen durch fehlendes Lippenablesen nicht verstehen. Schließlich seien die Infektionszahlen auf einem sehr niedrigen Niveau.

26 Marktleute haben den Antrag unterschrieben

Der Antrag ist richtigerweise bei der Stadt eingegangen, schreibt Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth. Das Land hat nur die Maskenpflicht in Geschäften und beim ÖPNV erlassen. Für den Markt sind Kommunen zuständig und hier Verwaltungen, nicht die Gemeinderäte. Mit dem Ältestenrat dieses Gremiums wird der OB Holzwarth dennoch nächste Woche erneut über das Thema sprechen. Holzwarth macht den Marktleuten aber wenig Hoffnung: „Die Empfehlung der Verwaltung wird sein, die Maskenpflicht auf dem Wochenmarkt auch für das Verkaufspersonal noch so lange beizubehalten, wie es diese Pflicht im Handel und im ÖPNV auch gibt.“

Rems-Murr: In allen Großen Kreisstädten gilt die Maskenpflicht für den Markt

Genau darauf haben sich bereits am Dienstag, 19. Mai, die Oberbürgermeister im Rems-Murr-Kreis geeinigt. Die Maskenpflicht gilt in Fellbach, Schorndorf, Waiblingen und Winnenden auf den Wochenmärkten. In Backnang gilt von Anfang an ein Maskengebot, das laut Frank Nopper 90 Prozent samt Händler einhalten.

Holzwarth sieht eine gewisse Logik hinter den Regelungen: Mit den Masken sollen sich alle Marktbeteiligten gegenseitig schützen. „Nur ganz oder gar nicht ist es sinnvoll und findet auch die notwendige Akzeptanz, auch bei Kunden und Verkaufspersonal in Geschäften“, so Holzwarth. Letztere müssen es ebenfalls aushalten, mit Maske zu arbeiten. Ein wichtiger Punkt sei, dass nicht in jeder Stadt auf Märkten Masken getragen werden müssen. „Aber nur dort, wo die örtlichen Verhältnisse es zulassen, dass die Abstände zwischen Kunden untereinander und zu den Händlern ausreichend sind.“

Alternative für große Abstände verworfen, ohne Händler dazu zu befragen

In Winnenden sei aber, wie auf den meisten Wochenmärkten im Kreis, der notwendige Abstand durch die Stellung der Marktstände zueinander in der Regel nicht gegeben. „Schon bei durchschnittlicher Frequenz fehlen an vielen Stellen die notwendigen Abstände. Bei guter Frequenz ist es dann richtig kritisch.“ Ändern ließe sich das in Winnenden dadurch, dass die Stände nur noch auf einer Seite auf der ganzen Marktstraße entlang verteilt stehen. Holzwarth vermutet, dass viele Händler die Umorganisation und den Verlust ihres Stammplatzes nicht wünschen. Die Verwaltung hat daher für die Maskenpflicht entschieden.

Zum Stichwort „niedrige Infektionszahlen“ sagt Holzwarth: „Die epidemiologische Beurteilung zur Erforderlichkeit einer Maskenpflicht, wenn Mindestabstände nicht möglich sind, ist beim Land richtig verortet – und nicht bei lokalen Entscheidern oder den Händlern selbst.“

Zur angeführten Belastung von Kreislauf und Lunge verweist Holzwarth auf Ausnahmen: „Personen, die aus gesundheitlichen Gründen, also mit ärztlicher Bestätigung, keine Masken tragen sollten, können eine generelle Befreiung von der Maskenpflicht erhalten. Das ist in der Allgemeinverfügung bereits so geregelt.“