Winnenden

Winnender Premieren-Publikum und Comedian Frl. Wommy Wonder: Heiter trotz Wolkenbruchs

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Frl. Wommy Wonder tritt bei den Kulturwochen der Sportfreunde Höfen-Baach erstmals nach Monaten der Zwangspause auf. © Benjamin Büttner

Humor rostet nicht – das zeigte der Auftritt von Frl. Wommy Wonder und Sabine Schief, der in Schwaikheim beheimateten Kabarettistin und einstigen Hälfte des Duos „i-dipfele“. Die Eröffnung der Kulturwochen der Sportfreunde Höfen-Baach war für die beiden der erste fast normale Auftritt seit Monaten.

Sie müsse erst mal wieder reinkommen ins „Timing“ mit den Texten, erzählt Sabine Schief vor Showbeginn. Während sie ihre Zettel durchgeht, zwängt sich Travestie-Comedian Frl. Wommy Wonder in sein Korsett und lässt wissen, dass er sich wieder ans Stöckeln auf hohen Absätzen gewöhnen müsse. Viel Beinarbeit bleibt ihm aber in Höfen erspart: Das Publikum darf er wegen Corona-Regeln nicht einbeziehen, er kann nicht wie sonst durch die Reihen watscheln. Funktioniert hat es trotzdem, die kulturhungrigen Zuschauer wirken beseelt, dass sie endlich wieder lachen können. 17 Danke-Mails habe er am Tag nach dem Auftritt im Mailposteingang gehabt. „Das war Balsam für die geschundene Seele“, schreibt Frl. Wommy Wonder am Samstag auf Nachfrage der Reporterin.

Beide sagen, sie hätten seit der zweiten Oktoberhälfte 2020 keinen Auftritt mehr gehabt. „Ich habe ab und zu aus dem Fenster heraus gespielt von meiner Wohnung aus, auch Autokino gemacht, ganz ohne wirst du ja noch depressiv“, sagt der Künstler Michael Panzer. Auf der Höfener Bühne klingt das später so: „Es ist so viel schöner, in lachende Gesichter zu schauen als auf Autoscheiben.“

Süffisanter Schlagabtausch fällt einem Wolkenbruch zum Opfer

Auch für Sabine Schief war am 20. Oktober Schluss. Die Liaison Wommy und Sabine Schief sei eine Premiere und gar nicht so geplant gewesen. Doch Schief war unsicher, ob sie aus dem Stand einen Abend allein füllen könnte. Aus Freundschaft sagte Michael Panzer zu. Die jetzt gezeigte Kombination aus Solo-Nummern und gemeinsamen Szenen werde getragen von einem „gemeinsamen Sinn für schrägen Humor“. Den brauchen sie auch fürs Finanzielle, die Künstler erhalten nur einen Anteil vom Kartenverkauf als Gage, so ist es mit den Sportfreunden im Voraus vereinbart.

Dann fällt ein süffisanter Schlagabtausch auch noch einem Wolkenbruch zum Opfer, und im gemeinsamen Lied haben sich die Stimmbänder von Wommy ein bisserl verritten und landen in der falschen Tonart. Doch das Publikum ist wunderbar gut drauf und trägt alles mit. Als besonderes Bonbon singt Wommy das selbst geschriebene Lied „Nicht systemrelevant“, dessen ernste, tiefer gehende Strophen von Zwischenapplaus begleitet werden. Und eigentlich kommt sogar der Regen dramaturgisch perfekt, nach der Pause machen die beiden mit kleinen Improvisationen weiter.

Publikum froh: Endlich wieder spontan verabreden

Wie sich an den vergnügten Reaktionen der Zuschauer ablesen lässt, verlernt man das Lachen in der Pandemie nicht. Alles wirkt glücklich, entspannt, zufrieden. Julia (38) und Katharina (35) meinen, sie hatten lange keine „Freizeit im Sinne von ‚du kannst mal wieder was unternehmen’“ mehr. Seit September gab es für die zwei jungen Mamas ausschließlich Family-Time. „Das war gut und sehr schön, aber ich weiß manchmal schon gar nicht mehr, wie die Zeit rumgegangen ist, ohne mal rauszukönnen.“ Die Zeit der niedrigen Inzidenzen wollen sie daher nutzen - „so oft und gut es eben geht“. Wommy Wonder war Julias Idee. „Sie hat ihn schon in Stuttgart gesehen und mir vorgeschwärmt“, erzählt Katharina, die demnächst von Hegnach nach Winnenden zieht - „dann können wir uns noch spontaner verabreden, dann gibt’s hoffentlich noch mehr solche Abende“, sagt sie.

Zuschauer Jürgen und Sabine Bader sind Fans von Sabine Schief: „Sie passt in keine Schublade, das macht sie so gut.“

Marion Bednorz und Renate Süß aus Birkmannsweiler und Hertmannsweiler finden es „an der Zeit, mal wieder unter Menschen zu kommen“. Von den Monaten ohne Kultur hätten sie die Nase voll. „Ich habe richtigen Nachholbedarf und möchte mal wieder lachen“, sagt Marion Bednorz. „Das Lebensgefühl war auf null, man ist ausgehungert, außerdem wollen wir die Künstler auch unterstützen, sie brauchen es ja auch.“

Künstler beseelt, er fühlt sich gern gefeiert von einem kleinen Publikum

Am Tag nach dem Kulturwochenauftakt fällt Michael Panzers Fazit sehr positiv aus: „Ich fand das Engagement der Veranstalter bewundernswert. Was die in kurzer Zeit aus reinem Idealismus aus dem Boden gestampft haben, verdient jeden Respekt. Und ehrlich gesagt ist es mir lieber, es sind 80 Interessierte da, die uns so feiern wie am Freitagabend, so dass beide Seiten glückselig nach Hause gehen, als dass 300 kommen, die sich nur berieseln lassen.“

Auch Sabine Schief sieht den kurzen Anlauf von knapp zwei Wochen „werbemäßig sportlich. Dafür war es sehr gut besucht“. Das Sommerwetter sei zudem bisher kein Garant für volle Open Airs. „Aber in Anbetracht der Katastrophe, die sich gerade in NRW und in der Eifel abspielt, ist dies kein Wort der Klage wert. Für mich war es ein toller Abend, super organisiert mit einem äußerst gut gelaunten und zugewandten Publikum. Sogar mit Regenpause noch fröhlich, keiner ist gegangen.“

Sabine Schief hat in all den Monaten das Publikum gefehlt. „Mir ist bewusst geworden, wie viel ich von den Leuten zurückbekomme.“ Während Corona habe sie sich um den Beruf beraubt gefühlt, und damit sei auch ihre Energie weggebrochen, um überhaupt kreativ sein zu können. „Der Künstler lebt davon, dass ein Publikum da ist und mitbekommt, was passiert.“ Sie habe die Zeit genutzt für eine Fortbildung zur Trauerrednerin.

Humor rostet nicht – das zeigte der Auftritt von Frl. Wommy Wonder und Sabine Schief, der in Schwaikheim beheimateten Kabarettistin und einstigen Hälfte des Duos „i-dipfele“. Die Eröffnung der Kulturwochen der Sportfreunde Höfen-Baach war für die beiden der erste fast normale Auftritt seit Monaten.

Sie müsse erst mal wieder reinkommen ins „Timing“ mit den Texten, erzählt Sabine Schief vor Showbeginn. Während sie ihre Zettel durchgeht, zwängt sich Travestie-Comedian Frl. Wommy Wonder

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