Winnenden

Winnender Unternehmen lässt Grabmale aus Stahl fertigen

Parlow
Alexander Parlow lässt Grabmale aus Stahl produzieren. Die Namen auf den Tafeln in seinem Garten in Höfen sind ausgedacht. © Benjamin Büttner

Wer Alexander Parlow in seinem Wohnhaus in Höfen besucht, könnte irritiert sein: Der 40-Jährige hat in seinem Garten Grabmale aufgestellt. Das hat einen guten Grund. Parlow hat ein Unternehmen gegründet, das Grabmale aus Stahl fertigen lässt und verkauft. Sein Wohnhaus ist gleichzeitig sein Büro, Kunden kommen dorthin, können sich sogleich ein Bild von den unterschiedlichen Möglichkeiten machen. „Dass das Wohnhaus gleichzeitig auch Anlaufstelle für die Kunden ist, ist Teil unseres Konzepts“, erzählt Parlow. Schließlich haben Menschen, die zu ihm kommen, einen schweren Verlust zu verkraften, leben in Trauer. Die Einblicke in Parlows private Zimmer sollen Nähe schaffen. Die Kunden sollen sich wohlfühlen, soweit dies möglich ist. „Hier saßen schon zwei Meter große Männer, die nicht mehr aufgehört haben zu weinen und so aufgelöst waren, dass sie nicht einmal ein Glas zum Trinken in ihren Händen halten konnten“, erzählt der gelernte Werbekaufmann. „Wenn die Menschen sehen, dass der Typ mit den Grabmalen bereit ist, sich zu öffnen, dann sind sie es auch eher.“

Mit dem beruflichen Erfolg steigt auch der Stress

Ursprünglich arbeitete der Winnender in einer Stuttgarter Werbe-Agentur als Projektleiter. Erfolgreich, vor allem für Automobilkonzerne. 2016 stieg er dort zum Geschäftsführer auf, hatte zu Spitzenzeiten deutlich mehr als 600 Mitarbeiter im ganzen Bundesgebiet verteilt. Doch mit dem Erfolg stieg auch der Stress. 2017 wird Parlow immer unruhiger, hat regelmäßig Nasenbluten, oft wird ihm schwarz vor Augen. „Ich bin zum Arzt. Der sagte mir, dass ich einen Herzinfarkt bekomme, wenn ich so weitermache.“ Für Parlow ein schwerer Schlag. Schließlich arbeitet er gerne, auch am Wochenende. Je mehr er über die Worte des Arztes nachdachte, desto mehr realisierte er allerdings auch, dass ihm seine Aufgaben nicht mehr so viel Spaß machen, wie es früher der Fall war.

Parlow fängt aus gesundheitlichen Gründen wieder bei null an

Er entschloss sich auszusteigen: Kaufte gemeinsam mit seiner Frau ein Haus in Höfen und begann es von Grund auf zu renovieren. Parallel überlegte er, wie er beruflich weitermachen sollte. Jahre zuvor hatte er einem Bekannten, dessen Unternehmen es schlecht ging, zu Grabmalen aus Stahl geraten. Doch der Bekannte wollte mit dem Tod beruflich nichts zu tun haben. An seine damalige Idee erinnerte sich Parlow und gründete Bollermann Grabmale. „Bollermann ist der Mädchenname meiner Frau“, erklärt er. Ihr ist er generell sehr dankbar. „Sie hat mich darin unterstützt, etwas Neues aufzubauen. Obwohl es uns finanziell sehr gut ging und ich wieder von null anfangen musste. Das ist nicht selbstverständlich. Sie ist die beste Frau, die es gibt“, sagt Parlow, der bei den Menschen einen gewissen Unmut über Situationen rund um Friedhöfe und Grabmale ausgemacht haben will. Das Thema sei häufig noch nicht im Jahr 2020 angekommen, sondern irgendwo hängengeblieben. Das will er ändern. Kunden können persönlich von ihm beraten werden. „Teilweise sind schon Menschen aus dem Saarland oder München gekommen“, sagt der 40-Jährige. Erst vor kurzem sei ein Großauftrag für einen Friedhof in Hamburg hereingekommen. Deutschlandweit hat Parlow Partner, die seine Grabmale anbieten. Das können Bestatter, Steinmetze oder Friedhofsgärtner sein. „Sie weisen die Menschen darauf hin, dass es auch noch eine Alternative zum klassischen Grabstein gibt“, sagt er.

Kunden können anonym im Internet bestellen

Wer nicht individuell beraten werden will, kann anonym im Internet bestellen. Dort ist ein Konfigurator zu finden. „Der Kunde sieht ganz genau, welcher Schritt wie viel kostet. Diese Transparenz gefällt der Konkurrenz nicht. Das haben mir auch schon einige ganz offen gesagt“, erzählt der 40-Jährige. Natürlich gebe es auch Menschen, die mit Grabmalen aus Stahl oder einem Konfigurator im Internet nichts anfangen können. Das gibt Parlow unumwunden zu. „Für sie gibt es ja noch immer die Steinmetze“, sagt er.

Parlows Kunden können sich entscheiden, ob das Grabmal eine Rostoptik haben soll. „Wer das nicht mag, kann aus 200 unterschiedlichen Farben wählen. In Bietigheim werden die Grabmale verzinkt, in Kernen pulverbeschichtet“, erzählt der Geschäftsführer.

Kunden kommen mit persönlichen Bildern des Verstorbenen

Jedes Grabmal werde individuell auf Kundenwünsche angepasst. Parlow veranschlag für den ersten Termin drei Stunden. „So lange brauchen wir in den wenigsten Fällen. Ich möchte in solch einer Situation allerdings zum Kunden nicht sagen: ‘Du musst gehen, der nächste Termin steht an´.“ Die gestalterischen Möglichkeiten seien quasi unerschöpflich. Von feinen Federn über Motorradfahrer oder das Konterfei des Verstorbenen sei alles möglich.

Kunden kommen oft mit persönlichen Fotos, Parlow versucht dies dann gemeinsam mit seinem Grafiker Nils Penning umzusetzen. Der Geschäftsführer zeigt ein paar Beispiele und tatsächlich: Die Stahlgrabmale sehen den Originalbildern verblüffend ähnlich.

Auf Wunsch werden sie noch mit Solarpanelen ausgestattet, sind nachts beleuchtet. „Wenn es windet, dann bewegen sie sich leicht, das gibt den Gräbern ein Stück weit etwas Lebendiges.“

Wer Alexander Parlow in seinem Wohnhaus in Höfen besucht, könnte irritiert sein: Der 40-Jährige hat in seinem Garten Grabmale aufgestellt. Das hat einen guten Grund. Parlow hat ein Unternehmen gegründet, das Grabmale aus Stahl fertigen lässt und verkauft. Sein Wohnhaus ist gleichzeitig sein Büro, Kunden kommen dorthin, können sich sogleich ein Bild von den unterschiedlichen Möglichkeiten machen. „Dass das Wohnhaus gleichzeitig auch Anlaufstelle für die Kunden ist, ist Teil unseres Konzepts“,

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