Winnenden

Winnender Wein- und Kulturverein feiert bei Kärcher: Prominenz und Trollinger-Lob

Wein- und Kulturverein
Fachsimpelten im Auditorium Kärcher über Wein: Remstal-Tourismus-Chef Werner Bader, Wengerter Jürgen Ellwanger, Sommelière Natalie Lumpp, Kärcher-Geschäftsführer Hartmut Jenner, die frühere Deutsche Weinkönigin Carolin Klöckner und Wengerter Michael Maier. © Alexandra Palmizi

Ist der Trollinger lediglich ein „Reparaturwein“? Ein Vesperwein gegen den Durst wie früher? Mitnichten. Er hat, wie überhaupt der Württemberger und damit auch der Winnender Wein, kräftig aufgeholt und muss sich, inzwischen mit ausreichend geschmacklicher Persönlichkeit ausgestattet, nicht länger belächeln lassen. So befanden es Weinexperten beim Festakt zum 25-jährigen Bestehen des Winnender Wein- und Kulturvereins.

Weintrinker: "Intelligent und sexy"

„Weintrinker sehen gut aus, sind intelligent, sexy und gesund.“ Dieses von WWKV-Vorsitzendem Willi Hackel und Gründungsmitglied Hans Ilg eingestreute Zitat des britischen Weinkritikers Hugh Johnson hören die 252 Gäste an voll besetzten Tischen natürlich gern. Sie sitzen gerade im Kärcher-Auditorium vor einem ausgetrunkenen Sektglas und vor einem noch leeren Weinglas, das sich im Laufe des Abends mehrmals mit exklusiven Vereinsweinen füllen wird (der Trollinger indes, über den an diesem Abend noch viel gesprochen werden wird, ist nicht darunter).

Ähnlich weinlaunig und vergnüglich müssen wohl am 2. August auch die 13 von Hackel zitierten „Weinzähne“ beim gewiss nicht ersten Schoppen des Abends im ehemaligen „Rössle“ zusammengesessen sein, die zur glorreichen Erkenntnis gelangten, dass die Tropfen von Haselstein, Himmelreich und Hanweiler Rebhängen mehr Beachtung verdient haben. Ihre Idee – ein Verein muss her – fand sogleich volle Zustimmung. Franz Dschida habe zur nächstbesten Serviette gegriffen und darauf die Namen der Anwesenden gekritzelt, die auf Anhieb 100 D-Mark auf den Tisch gelegt hätten. Das Geld hätten sie in die Obhut des damaligen Bankers Hans Ilg gegeben, bis zur offiziellen Vereinsgründung am 7. August 1997. Mit ihr wurde für den Winnender Weinbau ein neues Kapitel aufgeschlagen, das Ilg auf gut Schwäbisch würdigte: „Leut’, ihr hend was na’bracht“.

Begleitet von schmunzeligen, schmissigen und süffisanten Grußworten und Anekdoten standen beim Jubiläum – logo – Winnender Erzeugnisse im Mittelpunkt, als deren Botschafter sich der WWKV betätigt.

Den Weinbau und die Weinkultur zu fördern ist das Ziel

Dem in der Gründungssatzung verankerten Ziel, den „Winnender Weinbau und die Weinkultur“ zu fördern, sei man ein erhebliches Stück nähergekommen. Der „silberne“ Geburtstag wurde entsprechend glanzvoll gefeiert: Bei Spezialitäten-Weinen des WWKV, im gebührenden Ambiente des Kärcher-Auditoriums, moderiert von der bekannten Sommelière Natalie Lumpp, wurde erinnert an Weinproben, Präsentationen, Vorträge, Feste, die regelmäßig umrahmt von Prominenz aus Politik, Sport und TV waren. Winnender Weinlagen und ihre Erzeugnisse wurden zudem durch die jährlichen Weintage und das Großereignis Heimattage 2019 beflügelt.

Die eigene vinologische Fortbildung blieb für WWKV-Mitglieder nicht auf der Strecke: Auf regelmäßigen Wanderungen in der näheren Umgebung und bei jährlichen Weinreisen „erschlotzten“ sie sich weitere Weinbauregionen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Allein in der Champagne hätten sie über 90 verschiedene Champagner probiert. „Es gab viel Freude und strahlende Augen“, blickt Ilg zurück.

Die Beobachtung beschreibt auch gut den Jubiläumsabend. Natalie Lumpp brachte unter dem Titel „Die Entwicklung des Weinbaus vom Trollingerländle zur Weltspitze“ die Weinexperten Werner Bader, Geschäftsführer von Remstal-Tourismus, die Winzer Jürgen Ellwanger und Michael Maier, den Hausherrn und Kärcher-Geschäftsführer Hartmut Jenner sowie die 70. deutsche Weinkönigin 2018/2019 Carolin Klöckner ins Gespräch. Der Württemberger Wein, insbesondere der Trollinger, habe kein Qualitätsproblem: Er hatte ein Selbstwertproblem, da hiesige Winzergenerationen ihr Licht unter den Scheffel gestellt hätten.

Im Weinbau vollzieht sich ein Generationenwechsel

Das ändert sich, seit sich im Weinbau ein Generationenwechsel vollzieht und Jungwinzer den Weinen allgemein, und auch der schwäbischen Leib- und Magen-Rebsorte Trolli mit neuen Konzepten zu mehr Qualität und Ansehen verhelfen. Einer von ihnen ist der Schwaikheimer Winzer und Kellermeister Michael Maier. „Trollinger wird immer noch gern getrunken, auch vom jungen und mittelalten Publikum“, sagt er. „Wenn man ihm dieselbe Aufmerksamkeit widmet wie anderen Weinen, kommt was Gutes dabei heraus.“ Er sei im Austausch mit Winzerkollegen, seine Generation zeige eine „andere Art von Trollinger“, mit Charakter und Profil.

Trollinger gelte vielen immer noch als Spaßmacher, nach dem Krieg sei es ein Getränk gegen den Durst gewesen. Frisch, würzig, strukturreicher, mit raffinierter Säure könne der Tropfen inzwischen aber bei Genießern punkten. Auch Winzerkollege Jürgen Ellwanger aus Winterbach nimmt den Trollinger in Schutz: „Ein Wein, bei dem ich aus einem Liter zwei machen kann, er schmeckt immer.“ Heiterkeit im Saal auch auf die Definition von Natalie Lumpp, die ihn augenzwinkernd als „Reparaturwein“ bezeichnet: „Davon trinkst du eine Flasche und es geht dir anderntags gut.“

Trollinger-Pionier Jürgen Ellwanger hat gezeigt, dass es auch anders geht

Doch Jürgen Ellwanger habe gezeigt, dass es auch anders geht. Er gelte als Pionier, der getüftelt habe, um Trollinger und Barrique zusammenzuführen, lässt Natalie Lumpp wissen. Im Rückblick eine weitsichtige, vorausschauende Entscheidung, sich beim Ausbau international aufzustellen. Letztlich spiele dem Württemberger Wein neben einer veränderten Kultur in Keller und Weinbergen auch die veränderte Haltung der Konsumenten gut in die Karten. Weintrinken müsse heute Spaß machen, befindet Werner Bader. Statt Quantität zählten die Qualität und ein Trend zu Naturweinen. Die beiden Wein-Power Frauen attestierten den regionalen Weinen einen „Qualitätsschub“. Sie seien „absolute Spitzenklasse“, auch international.

Für Kärcher-Chef Hartmut Jenner sei der Württemberger Wein gerade nach Reisen rund um den Globus „ein Stück Heimat“.

Ist der Trollinger lediglich ein „Reparaturwein“? Ein Vesperwein gegen den Durst wie früher? Mitnichten. Er hat, wie überhaupt der Württemberger und damit auch der Winnender Wein, kräftig aufgeholt und muss sich, inzwischen mit ausreichend geschmacklicher Persönlichkeit ausgestattet, nicht länger belächeln lassen. So befanden es Weinexperten beim Festakt zum 25-jährigen Bestehen des Winnender Wein- und Kulturvereins.

Weintrinker: "Intelligent und sexy"

„Weintrinker sehen gut

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