Winnenden

Winnenderin wird Deutsche Vizemeisterin im Beachvolleyball

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Beachvolleyball: Finale der deutschen Meisterschaften am 2. September in Timmendorfer Strand (Schleswig-Holstein). Tatjana Zautys (rechts) spielt gegen Julia Sude (l) . © Daniel Reinhardt/dpa
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Tatjana Zautys im Gespräch mit unserer Zeitung im Winnender Café Glückskind: Ob sie noch weiter macht nach diesem grandiosen zweiten Platz in der deutschen Meisterschaft im Beachvolleyball? „Besser kann es nicht werden“, sagt sie, deshalb sollte man eigentlich aufhören. Aber: Wer weiß? © Schmitzer / ZVW

Winnenden. Den überregionalen Zeitungen ist Tatjana Zautys nur ein paar Zeilen wert. Aber für Winnenden ist die 37-jährige Beachvolleyballerin eine Sensation. Deutsche Vizemeisterin wurde sie im Turnier am Timmendorfer Strand. Sie brachte eine Medaille mit nach Birkmannsweiler, in der das eingraviert ist.

Für die Sportwelt und für die Sportlerin selbst war dies eine unfassbare Überraschung. Sie und ihre Partnerin Melanie Gernert sind im Turnier an den Großen des Beachvolleyballs vorbeigezogen, haben die amtierenden Europameister besiegt, wurden erst im Endspiel aufgehalten und standen dann auf dem Podest am Timmendorfer Strand.

1000 Kilometer hin und zurück

Zwei gelangten ganz nach vorne, die in keinem Kader mehr Mitglied sind, denen kein Bundestrainer Dampf macht, die eigentlich nur noch aus Spaß am Sport mitmachten und die es in diesem Jahr zeitweise sehr schwer hatten. „Wir sind einmal 1000 Kilometer zu einem Turnier gefahren, haben zweimal verloren, und sind dann wieder 1000 Kilometer zurückgefahren.

Das war’s dann“, erzählt Tatjana Zautys. Solche Tiefschläge stecken die beiden weg durch ihre Lockerheit. Sie müssen nicht immer gewinnen. Einen achten Platz hatten sie sich erhofft in der deutschen Meisterschaft.

„Begriffen haben wir's erst, als wir die Glückwünsche beantworteten“

Aber es lief unglaublich gut von Spiel zu Spiel. Immer mehr Whatsapp-Glückwünsche gingen ein. Schließlich standen sie tatsächlich auf dem Podest. „Es war ein krasser Moment. Ich hab nicht mehr gerechnet, dass ich in meinem Leben noch mal so weit komme.“

2016 war sie zusammen mit ihrer Partnerin auf den vierten Platz in den deutschen Meisterschaften gelangt und sagte dann: „Besser geht es nicht. Wir sollten aufhören.“ Die Partnerin überredete sie zum Weitermachen, und dann kam dieser Meisterschaftserfolg.

„Ich musste immer wieder auf die Medaille gucken, weil ich es nicht glauben konnte. Aber da ist tatsächlich „Deutsche Vizemeister“ eingraviert. Richtig begriffen haben wir’s erst, als wir die ganzen Whatsapps, E-Mails und Facebook-Glückwünsche beantworteten.“

Im Sommer trainiert sie einmal pro Woche im Wunnebad

Und das bei diesem sparsamen Training: Einmal die Woche trainiert sie in Stuttgart im Olympiastützpunkt und einmal im Wunnebad Winnenden zusammen mit den Kumpels ihres Bruders, Hobbyvolleyballern, die sich unter dem Dach der SV Winnenden und dem Namen Krutzkamboo zusammengetan haben.

Sie kann sich wochenlang nicht synchronisieren mit ihrer Volleypartnerin in Berlin, und dennoch spielen die beiden im Turnier dann harmonisch. Die Spielerinnen haben sich selbst gefunden, wurden nicht von einem Bundestrainer ausgewählt und zusammengestellt.

Ist das der Grund für den Erfolg? Eher nicht. Zu Zautys Profizeiten hatten sie ja auch schon im Duo Beachvolleyballturniere bestritten, waren aber nie so erfolgreich wie jetzt. Es liegt eher an ihrer Lockerheit. „Dadurch, dass wir so mega-entspannt sind, geht vieles wie selbstverständlich. Wir machen einander keine Vorwürfe, wenn etwas schiefgeht.“

Eine Spitzensportlerin ohne Kader und Bundestrainer

Trotzdem ist es überraschend dass der Erfolg erst eintritt, seitdem Tatjana Zautys weniger trainiert. „Es ist fast unfair gegenüber den anderen, den jungen Mädchen, die in den Kraftraum gehen, jeden Tag trainieren und vom Trainer gelenkt und angefeuert werden.“

Aus diesem System der Kader und Profitrainer ist Zautys vor drei Jahren ausgestiegen. Elf Jahre lang war sie Profi-Volleyballerin in Bundesligavereinen. Es war harte Arbeit, aber sie hat damit Geld verdient, nicht maßlos viel, aber so viel, wie man bekommt, wenn man einen guten Job hat.

Rückkehr an den Ort ihrer Kindheit

„Man muss doch viel entbehren für diesen Leistungssport“ sagt sie. Sie suchte einen Job irgendwo im Marketing, in einer Firma. Es war gar nicht so einfach, weil die meisten Chefs die Berufssporterfahrung nicht als Berufserfahrung akzeptierten. Schließlich fand sie eine Stelle bei einer kleinen Firma in Schwaikheim und damit kam sie an den Ort ihrer Kindheit zurück.

In Schwaikheim ist Tatjana Zautys aufgewachsen, als sie neun Jahre alt war, zog die Familie nach Birkmannsweiler um. Sie besuchte die Geschwister-Scholl-Realschule, später das Wirtschaftsgymnasium in Backnang und machte immer Sport, erst Kinderturnen, dann Leichtathletik mit dem Schwerpunkt Hochsprung in der SG Schorndorf.

Erst mit 21 Jahren, im Sportstudium, kam sie zum Volleyball, ging in einen Verein bei Heidelberg, war gleich auffallend gut und wurde vom SV Sinsheim in die Bundesligamannschaft übernommen.

Weil sie in Stuttgart geboren ist und weil sie von 2008 bis 2010 als Profi bei Allianz Volley Stuttgart spielte, nennen Wikipedia und viele Zeitungen Stuttgart als ihren Heimatort. Aber in der Tabelle der deutschen Meisterschaft steht eindeutig „Tatjana Zautys, Winnenden“.


Profikarriere

  • Ursprünglich war Tatjana Zautys Leichtathletin. Mit Volleyball fing sie während ihres Studiums 2001 an, und zwar in der TSG Heidelberg-Rohrbach.
  • Weitere Stationen ihrer Profikarriere: 2002 bis 2004: SV Sinsheim.
  • 2004 bis 2006: Bayer 04 Leverkusen.
  • 2006 bis 2008: USC Münster.
  • 2008 bis 2010: Allianz Volley Stuttgart.
  • 2010 bis 2011: Rote Raben Vilsbiburg.
  • 2011–2014: Smart Allianz Stuttgart.
  • 2014 hat sie sich vom Profisport verabschiedet und trainiert im Wunnebad mit SV-Winnenden-Krutzkamboo.