Winnenden

Wird aus der Ludwigsburger Straße eine „unechte“ Einbahnstraße?

ludwigsburger strasse
Alles dabei: Parkplatzsuche für Kunden der Geschäfte und Anwohner, Durchgangsverkehr, Lieferverkehr und dazwischen Fußgänger. © Büttner / ZVW

Aus der seit vielen Jahren verkehrsgeplagten Ludwigsburger Straße eine „unechte“ Einbahnstraße machen, probehalber, befristet, die Auswirkungen beobachten, am besten verbunden mit einem Lkw-Durchfahrtsverbot (Ausnahme Lieferverkehr für die Betriebe dort) und möglicherweise einem verkehrsberuhigten Bereich im alten Ortskern: Mit diesem Vorschlag will die Gemeinde in eine Bürgerversammlung gehen. Je nachdem, was dort rauskommt, soll der Gemeinderat anschließend entscheiden.

Wolfgang Schröder vom Ludwigsburger Büro BS Ingenieure stellte in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats zunächst die Zahlen, Ergebnisse und Schlussfolgerungen der beiden Verkehrserhebungen vor, dazu, auf der Grundlage eines Simulationsmodells, die Auswirkungen verschiedener verkehrsrechtlicher Maßnahmen auf die an die Ludwigsburger Straße angrenzenden Bereiche und Straßen.

Geprüft wurden die infrage kommenden Einbahnstraßenregelungen, die Optionen einer „unechten“ Einbahnstraße, eines verkehrsberuhigten Bereichs, eines verkehrsberuhigten Geschäftsbereichs (mit Tempolimit 20 Stundenkilometer) und verschiedene Kombinationen dieser Alternativen.

Stehe die Ludwigsburger Straße als kürzeste und direkte Verbindung aus Richtung Remseck in die Ortsmitte nicht mehr zur Verfügung, seien Verlagerungen zu erwarten, keineswegs nur hin zur Haupt-, Schul- und unteren Bahnhofstraße, sondern auch in den Bereich nördlich der Ludwigsburger Straße und in den alten Ortskern, also das Dreieck zwischen Ludwigsburger Straße, Schulstraße und unterer Bahnhofstraße, allesamt Straßen, die für ein solches Verkehrsaufkommen gar nicht ausgelegt seien, so das Büro.

Planer: Kelterstraße bekommt doppelt so viel Verkehr wie bisher

Eine unechte Einbahnstraße am westlichen Beginn der Ludwigsburger Straße (Knotenpunkt mit der Hauptstraße) zusammen mit der Einführung eines verkehrsberuhigten Bereichs in dem genannten Dreieck sei die „akzeptabelste“ Lösung, führe aber zu Ausweichverkehr über die Kelterstraße beziehungsweise zu einer Verdoppelung der Verkehrsbelastung dort, so die Prognose des Büros, das dies allerdings angesichts der bislang relativ niedrigen Belastung der Kelterstraße für akzeptabel hält.

Auch die ebenfalls laut Prognose dann stattfindende Verlagerung auf die Fahrtroute Hauptstraße - Schulstraße - untere Bahnhofstraße könne von diesen aufgenommen werden, so das Büro weiter. Es warnt aber, dass diese Verlagerungen gleichwohl „möglicherweise nicht erwünscht“ sein könnten und dass deswegen eine intensive Diskussion erforderlich sei, nicht zuletzt in einer Bürgerinformationsveranstaltung.

Eine solche intensive Diskussion fand denn auch statt, aber zunächst im Technischen Ausschuss des Gemeinderats, mit der einstimmigen Empfehlung, wegen der zu erwartenden Verkehrsverlagerung von verkehrsrechtlichen Maßnahmen in der Ludwigsburger Straße abzusehen, also auch von der unechten Einbahnstraße mit verkehrsberuhigtem Bereich.

Auch bei allen anderen Varianten sei der Preis als zu hoch angesehen worden, so Schröder im Gemeinderat. Die Empfehlung an diesen lautete deshalb, stattdessen auf gestalterische Maßnahmen zu setzen, im Zuge der Umsetzung des Sanierungsgebiets. Das Büro solle Vorschläge ausarbeiten, vorstellen und ebenfalls mögliche Auswirkungen prüfen.

Im Gemeinderat erntete diese Empfehlung, also vorerst nichts zu tun, allerdings heftigen Widerspruch. Das Büro habe den Auftrag, ein Gesamtverkehrskonzept für Schwaikheim zu erarbeiten, dessen Umsetzung werde doch sowieso zu Verkehrsverlagerungen führen, kritisierte Helmut Bähr, SPD. Nichts zu tun würde bedeuten, den Auftrag „für nichts“ vergeben zu haben. Er, Kirsten Adam-Schumm, Grüne, und Heiko Jung, SPD, mahnten an, auch den Vorschlag eines Durchfahrtsverbots für Lkw (Ausnahme Anlieferverkehr) in der Ludwigsburger Straße aufzunehmen, auch das werde die Anwohner dort entlasten.

Zweifel an den Prognosen für den Ausweichverkehr

Nach wie vor sei die unechte Einbahnstraße mit entsprechender Beschilderung und Verkehrsleitung über die Hauptstraße samt Richtungshinweis auf Winnenden über die Landesstraße die vielversprechendste Lösung, so Wolfgang Kölz, CDU.

Die Prognosezahlen für den Ausweichverkehr auf angrenzende Straßen seien zweifelhaft, so auch Fraktionskollege Dr. Wolfgang Rauscher. Anja Wenninger, SPD, forderte, dass auch am Knotenpunkt Hauptstraße/Schulstraße, also beim Rathaus, was passieren müsse, wenn Verkehr auf die Hauptstraße verlagert werde. Ingrid Boegler, Grüne, warnte allerdings, die Hauptstraße sei ja bislang schon doppelt so hoch belastet wie die Ludwigsburger Straße.

Angesichts des geballten Unmuts schwenkte Schröder um. Wenn die Meinung so einhellig und deutlich sei, dann solle man auch den Weg unechte Einbahnstraße mit Lkw-Durchfahrtsverbot probeweise gehen, samt entsprechender Beschilderung, was ja alles keinen großen Aufwand bedeute, samt „flankierenden Maßnahmen“, die Rauscher ebenfalls forderte.

„Aber ich kann versichern, wir haben uns unsere Empfehlung nicht leicht gemacht, das ist kein einfaches Thema“, so Schröder. Der Gemeinderat beschloss schließlich, dass es vor einer Entscheidung durch ihn eine Bürgerversammlung geben soll, bei der offen gesagt werden müsse, dass es zu Verkehrsverlagerungen kommen werde und dass möglicherweise auch Anwohner von Seitenstraßen betroffen sein werden, „dass also der Verkehr nicht einfach verschwindet“, so Bähr.


Einfahrt verboten

Unechte Einbahnstraße bedeutet, dass am westlichen Eingang der Ludwigsburger Straße ein „Einfahrt verboten“-Schild installiert würde (mit Zusatzschild Ausnahme für Radfahrer. In der Ludwigsburger Straße selbst wäre wie bislang Verkehr in beiden Fahrtrichtungen erlaubt. Aus ihr in die Hauptstraße beziehungsweise auf die Landesstraße in Richtung Remseck abbiegen, wäre nach wie vor erlaubt. Vom Kreisverkehr in der Ortsmitte her wäre die Ludwigsburger Straße nach wie vor in beide Richtungen befahrbar.

In der Ludwigsburger Straße verkehren an einem Werktag durchschnittlich 4500 bis 5500 Fahrzeuge. In der Hauptstraße sind es 8000 bis 9000, ebenso in der Schulstraße. 50 Prozent des Verkehrs in der Ludwigsburger Straße sei Durchgangsverkehr, so das Planungsbüro, das unter diesem allerdings jeden Verkehr verstehen, der durch die Ludwigsburger Straße durchfährt, darunter dürfte ein hoher Anteil eben auch von Schwaikheimern selbst stammen.

Die Ludwigsburger Straße hat nämlich verschiedene Nutzungen (Wohnen und Geschäfte), sie dient zugleich der Erschließung, der Verbindung und dem Aufenthalt, wobei es bislang mit der sogenannten Aufenthaltsqualität angesichts der anderen weit überwiegenden Funktionen nicht weit her ist, für welche sie aber in ihrem bisherigen Ausbaustand und Zustand, wiederum auch nicht ausgelegt ist.

Das Planungsbüro spricht von einer „komplexen“ Situation. Die langfristige Baustelle in ihr (wegen eines Hausbaus) habe auch nachweislich der Verkehrszählungen während ihr und danach gezeigt, dass Verengungen wirkungslos seien, nämlich den Verkehr nicht abschreckten und so reduzierten. Auch von Schwellen erwarten sich die Planer nichts. Die seien mittlerweile ohnehin nicht mehr üblich, gefragt und hätten in der Regel eher Beschwerden wegen zusätzlichem Lärm oder sogar Fahrzeugbeschädigungen zur Folge.