Winnenden

Wohin mit ausrangierten Münzen? In Winnenden nehmen Händler und Firmen Spenden für die Stiftung Stadtkirche an

Altwährung
Rebecca und Carmine Jacovino mit der Spendensau der Stiftung Stadtkirche. Sie war alsbald voll mit Altwährung, also behalf sich die Feinkosthändlerin mit einem Eimerchen. Die beiden Flaschen dazwischen stellen zwei „private Münzsammlungen“ dar. © Stiftung Stadtkirche

Die Stiftung Stadtkirche ist mit einer originellen Sammelaktion zum positiven Stadtgespräch geworden: Endlich kann man das Urlaubssammelsurium aus britischen Pfund, Schweizer Franken und US-Dollar auf einen Rutsch abstoßen. Und auch die aus Nostalgie aufbewahrten D-Mark-Stücke können einem guten Zweck zugeführt werden. Rebecca Jacovino war die Erste, die für die Stiftung Stadtkirche Altwährungen aus aller Welt annahm. Nach 14 Tagen war nicht nur das große Schweinderl voll, sondern auch ein kleiner Eimer. Zwei Flaschen, in denen Leute die ihnen im Geldbeutel lästigen Kupfermünzen gesammelt hatten, übergab die Feinkosthändlerin ebenfalls an Bernd Hellerich von der Stiftung. „Die sind natürlich toll“, sagt er, „denn der Kupferpreis ist auf dem Höchststand. Das Edelmetall ist viel mehr wert, als es ein Pfennig war.“

Doch was passiert mit dem ausgemusterten Geld? Lässt es sich schnell in Euro verwandeln, kommt die Stiftung damit merklich ihrem Ziel näher, 500 000 Euro für den Erhalt der Stadtkirche und ihre Verwandlung in ein Kultur- und Begegnungszentrum zu sammeln?

Bernd Hellerich war lange im Vertrieb und im Marketing einer Bank und sieht hier einen klassischen Fall von unbezahlbarem Mehrwert: „Die Aktion hat eine hervorragende Außenwirkung, die Leute werden auf uns aufmerksam, kaufen dann vielleicht auch unsere Stiftungsprodukte oder spenden uns Geld von einer Geburtstagsfeier.“ Dazu kommt ein tolles Solidaritätsgefühl auf. „Wir stellen das Sparschwein im Wechsel bei Einzelhändlern und Firmen auf. Die Händler erzählen uns, dass dadurch ganz neue Kunden in den Laden kamen und auch etwas kauften.“ Firmen wie Messer-Giesser baten um ein Zweit-Schwein, damit die Aktion für die Mitarbeiter länger laufen kann, bei Daniela Feit im Hörgeräteladen steht das dritte, sie wollte ebenfalls mitsammeln. Und obwohl das Schweinderl inzwischen bei Krämer-Bau, Bäcker Maurer und Küchen-Negele war und nun in der Markthalle bei Metzger Häfele steht, landen immer noch Münzsammlungen bei Rebecca, die sie weiterhin annimmt und weitergibt.

„Der enge Kreis hat sich schon einmal zum Sortieren getroffen, es hat so Spaß gemacht, dass wir ganz die Zeit vergessen haben“, berichtet Hellerich. Nach fünf Stunden hatten sie alle Währungen nach Ländern sortiert. Direkt einzahlen konnten sie 250 Euro, ja, auch die dürfen Leute spenden. „Wie viel der Rest der 20 Kilogramm ausmacht, ist sehr schwer zu sagen“, Bernd Hellerich schätzt mal grob 1000 Euro, aber nun kommt ja der schwierigste Part des ganzen Unterfangens. „Wir tauschen uns im engsten Kreis aus, wer fährt in eins unserer Währungsländer in Urlaub? Dem geben wir das Päckchen mit.“ Ist die Fremdwährung noch gültig, kauft man sich dafür im Urlaubsland etwas und spendet der Stiftung den Betrag in Euro. Und wenn die Münzen und Scheine dort auch nicht mehr gelten?

Bernd Hellerich war vergangene Woche auf Radreise bis nach Ungarn. In den Satteltaschen hatte er Forint aus der Spendensau. „Meine Frau und ich haben die Zentralbankfiliale in Sopron nahe dem Neusiedler See aufgesucht. Die Mitarbeiter haben erst mal die marderalten Scheine aussortiert und nach einigem Hin und Her einen gültigen Schein herausgerückt.“ Die Banker sagten was von geringen Beträgen und Gebühren, Bernd Hellerich erzählte von der Stiftung und dem guten Zweck, Happy End.

In Winnenden fungiert Bernd Hellerich mittlerweile auch als Kurier, holt die Spenden bei den Leuten zu Hause ab. „Sie sind froh, dass ihre Nachkommen damit keinen Ärger haben oder es einfach in den Müll werfen. Außerdem ergeben sich immer nette Gespräche.“ Etliche Reichsmark verließen so die dunklen Schrankecken, sogar Münzen aus der österreichisch-ungarischen Monarchie. Das Team katalogisiert solche Münzen, denn sie könnten einen Sammlerwert haben, der wie das Albrecht-Dürer-Fünfmarkstück seinen Materialwert um ein Vielfaches übersteigt. „Irgendwann bieten wir sie verschiedenen Münzhändlern an und versuchen, den besten Preis zu erzielen“, so Hellerich. Genauso geht das Team vor, wenn es um die Materialverwertung von Gold, Silber oder Kupfer geht, da machen die Scheideanstalten Angebote.

Ein bisschen was wird tatsächlich in den Müll wandern, das bleibt nicht aus, sagt Bernd Hellerich, Aufwand hin, Herzblut her. Aber vorher, das ist versprochen, wird alles versucht. „Leicht ist es in wirtschaftlich stabilen Ländern, die nehmen ihre alte Währung eher zurück.“ Nachschauen kann man das auf der Internetseite der Europäischen Zentralbank, die Frist für Münzen ist meist um viele Jahre kürzer als für Banknoten. Für das Geld aus dem Kongo sieht Hellerich im Moment wenig Chancen, dass es der Stiftung dient. Doch halb so wild: „Ich hätte nicht gedacht, dass die Aktion so einschlägt.“

Die Stiftung Stadtkirche ist mit einer originellen Sammelaktion zum positiven Stadtgespräch geworden: Endlich kann man das Urlaubssammelsurium aus britischen Pfund, Schweizer Franken und US-Dollar auf einen Rutsch abstoßen. Und auch die aus Nostalgie aufbewahrten D-Mark-Stücke können einem guten Zweck zugeführt werden. Rebecca Jacovino war die Erste, die für die Stiftung Stadtkirche Altwährungen aus aller Welt annahm. Nach 14 Tagen war nicht nur das große Schweinderl voll, sondern auch ein

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