Winnenden

Wohnraum benötigt für Flüchtlinge - hat Winnenden genug Sozialwohnungen?

bezahlbarer Wohnraum
Das dritte Haus rechts nach dem rot angestrichenen Bäckerei-Weber-Haus ist von der Stadt schon fast voll belegt. © Benjamin Büttner

Wer eine Wohnung sucht, hat nicht gerade die Qual der Wahl. Viel Geduld und gute Kontakte sind gefragt, wenn man etwas finden will, das auch zum eigenen Geldbeutel passt.

Viel heftiger aber sieht die Lage für zwei Personengruppen aus, denn sie haben auf dem freien Wohnungsmarkt so gut wie gar keine Chance, selbst etwas zu ergattern: geflüchtete Menschen und schwierige Sozialfälle.

Doch sie bekommen immerhin Hilfe von Amts wegen. Wir fragten also bei der Stadt nach, die sich um diese beide Personengruppen kümmern muss: Wie ist die Lage und wie entwickelt sie sich voraussichtlich? Der Leiter des Amts für Grundstücksverkehr und Wirtschaftsförderung, Ralf Köder, und seine Amtsleiter-Kollegin Manuela Voith, zuständig für Integration, Soziales und Senioren, gaben die Antworten.

Etwa 60 Zimmer und zehn Wohnungen für Flüchtlinge gesucht

Das Jahr 2022 sorgt wieder für eine kleine Welle an Flüchtlingen, die die Stadt Winnenden neu unterbringen muss. Da sind zum einen rund 60 Einzelpersonen, die zurzeit im Asylbewerberwohnheim an der Albertviller Straße leben. Der Landkreis braucht ihre Betten und Zimmer wieder für die Erstunterbringung neu eingetroffener Menschen. Stand heute ist das im Sommer 2022 der Fall. „Der Kreis gehorcht auch nur der Not, den Letzten, in dem Fall die Stadt, beißen die Hunde“, sagt Ralf Köder.

Bebauung der Festwiese löst ein paar, aber nicht alle Probleme

Deshalb hat die Stadt beschlossen, die Festwiese in Birkmannsweiler mit Modulbauten zu bebauen. Ende dieses Jahres werden 35 Plätze zur Verfügung stehen. Das sind viele auf engem Raum, und die Nachbarschaft ist dem Ganzen gegenüber überaus kritisch eingestellt. So oder so ist die Festwiese natürlich auch nicht die Lösung aller Probleme.

Stadt als Zwischenmieter - Gemeinderat wollte das Modell nur für fünf Jahre

Denn es sind noch etwa acht Personen und Familien neu unterzubringen, deren Mietvertrag nicht verlängert wurde. „Die Stadt ist mit Zustimmung des Gemeinderats vor fünf Jahren als Zwischenmieter aufgetreten“, erläutert Köder. Bedingung war aber auch, dass der Zwischenmietvertrag maximal fünf Jahre dauern dürfe. Immerhin haben die Rathaus-Mitarbeiter damit doppelte Arbeit. Zwölf Mietverhältnisse sind auf die Weise zustande gekommen. „Zweimal hatten wir den Idealfall, dass Mieter und Vermieter inzwischen direkt miteinander den Vertrag gemacht haben. Ein paar Vermieter haben den Vertrag um ein, zwei Jahre verlängert. Bei manchen signalisierte der Vermieter, dass der Vertrag endet.“ Köder und sein Team hatten in der jüngsten Vergangenheit Glück, dass neue Wohnhäuser der Stadtbau fertig wurden und er einzelne Familien am Buchenhain oder demnächst an der Robert-Boehringer-Straße unterbringen kann. Auch das kleine Haus an der Palmerstraße ist schon fast belegt. „Die Leute kann man auf keinen Fall mehr in ein Wohnheim wie auf der Festwiese stecken“, das ist Köder klar.

Die Liste der Sozialfälle auf Wohnungssuche ist kürzer geworden

Die oben genannten Gebäude werden nicht komplett mit geflüchteten Menschen oder sozialen Härtefällen belegt, das ist eisernes Prinzip in Winnenden und der einzige Garant, wenn man so will, dass eine Hausgemeinschaft funktionieren kann. Es müssen zwar alle Bewohner einen Wohnberechtigungsschein haben, wodurch Jobcenter oder Sozialamt Unterstützung gewährleisten, aber die Menschen haben jeder einen anderen Hintergrund, eine andere berufliche Situation, sind Rentner oder langzeitarbeitslos, Geringverdiener oder chronisch krank. Das nennt die Stadt „gemischt soziales Wohnen“.

„Unsere Liste der dafür infrage kommenden Wohnungssuchenden ist ein bisschen kürzer geworden“, sagt Ralf Köder, im Vergleich zur Lage vor etwa fünf Jahren. Die Bemühungen der Stadtbau tragen, siehe oben, erste Früchte, aber auch das konsequente Nachhaken bei allen Interessenten ergab, dass noch einige „Karteileichen“ draufgestanden waren. „Wer eine Wohnung hat und sich nur etwas Besseres wünscht, der wird von uns natürlich auch nicht vorrangig bearbeitet“, sagt Köder. Es geht um echte Härtefälle, für die man sich zeitnah ins Zeug legt.

„Von unserem nächsten Projekt, dem Mehrfamilienhaus in der Körnle-Erweiterung, wird man in absehbarer Zeit etwas hören“, verspricht Ralf Köder. „Hier wird die Stadtbau 50 Wohnungen bauen, das ist ein ordentliches Projekt, mit dem wir auf dem Wohnungsmarkt punkten können.“

Wie wäre es mit Wohnraumberatung? „Das ist Wunschdenken“

Was sagt Ralf Köder zur Idee von „Wohnraumberatung“? Ist es möglich, die Witwe und die junge Familie zusammenzubringen, auf dass sie das große Haus gegen die kleine Wohnung tauschen? „Das halte ich für Wunschdenken“, sagt der Grundstücksfachmann. Er erinnert sich an die 90er Jahre, als Winnenden eine Prämie auslobte für Leerstands-Vermietung, Umzug oder Dachausbau. „Zwei nahmen das Geld für den Ausbau, die anderen Optionen wurden nie in Anspruch genommen.“ Heutzutage ist alles komplizierter geworden, und letztlich: „Wer lässt sich da schon reinreden?“

Kolleginnen im Sozialdienst leisten wichtige Arbeit

Viel besser und effektiver findet Ralf Köder die Arbeit seiner Kolleginnen im Sozialdienst. „Sie sprechen mit den Leuten, und wenn sie spüren, da kommt ein Problem mit der Miete auf, gucken sie, dass nichts passiert.“ Amtsleiterin Manuela Voith bestätigt, dass das Thema „Räumungsklage“ den Sozialdienst „immer wieder beschäftigt. Im Zuge der Betreuung und Beratung in unterschiedlichen Lebenslagen, gehört auch das Thema Schulden bezüglich ausstehender Wohnungsmiete, drohende Räumungsklage, Räumung, Wohnsitzlosigkeit und Veränderungswunsch des persönlichen Wohnraums zu den Themen“. Konkret 113-mal von 747 Beratungsgesprächen im Jahr.

Wer eine Wohnung sucht, hat nicht gerade die Qual der Wahl. Viel Geduld und gute Kontakte sind gefragt, wenn man etwas finden will, das auch zum eigenen Geldbeutel passt.

Viel heftiger aber sieht die Lage für zwei Personengruppen aus, denn sie haben auf dem freien Wohnungsmarkt so gut wie gar keine Chance, selbst etwas zu ergattern: geflüchtete Menschen und schwierige Sozialfälle.

Doch sie bekommen immerhin Hilfe von Amts wegen. Wir fragten also bei der Stadt nach, die sich um

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