Winnenden

Wunnebad: Becken voller Trinkwasser

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Niklas Knapp mit dem mobilen Messgerät im Köfferchen: Damit ermittelt er den aktuellen Chlorwert im Übungsbecken des Wunnebads. © Habermann / ZVW
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In die händische Wasserprobe kommt ein Kontrastmittel. © Gabriel Habermann
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Sascha Seitz vor der Mess- und Regeltechnik, die das Badewasser kontrolliert. © Gabriel Habermann

Winnenden. Schätzfrage: Wie viel Liter Wunnebad-Wasser entweichen durchschnittlich pro Badegast aus dem Becken? „Das merken die Schwimmer oft gar nicht, aber das Wasser schwappt natürlich über den Rand, verdunstet auf der Haut oder wird geschluckt“, sagt Bäderleiter Sascha Seitz und verrät die unglaubliche Zahl: „Pro Badegast und Tag müssen wir 30 Liter Frischwasser zugeben!“

Zweieinhalb Sprudelkästen für ein bisschen Planschen – dass Schwimmen ein so durstiges Hobby ist, hätten sicher die wenigsten richtig geraten. Und, wohlgemerkt, das Duschen ist noch gar nicht in diesen Verbrauch eingerechnet. Es ist aber ausdrücklich erwünscht im Wunnebad, und zwar vor dem Schwimmen, daran erinnert seit einer Weile ein extra angebrachter Zettel die Badegäste. Würde man sich die Mühe machen und die Haus- und Badeordnung durchlesen, fände man darin ebenfalls den Hinweis auf die Anwendung von Seife und Wasser vor dem Sprung ins Becken. „Das hilft uns und der Umwelt, die Chemie so gering wie möglich dosieren zu können“, sagt Sascha Seitz.

Dreimal täglich werden Wasserproben genommen

Mit Chlor wird Badwasser desinfiziert, und dennoch muss es Trinkwasserqualität haben, wie der Bäderleiter weiter erläutert. „Die DIN 19 643 ist unsere Bibel, in der alle Regeln für die Wasserqualität festgeschrieben sind. In Deutschland haben wir das am besten kontrollierte Badewasser der Welt“, sagt Sascha Seitz. Viermal im Jahr fertigt das Institut Dr. Lörcher eine umfangreiche Analyse an. Mitte Januar erfolgte die jüngste Messung. Gefährliche Keime wie E.coli, Legionellen, Pseudomonas – null. „Auch das Trihalogenmethan, ein Nebenprodukt, vor dem sich manche fürchten – nicht nachweisbar“, freut sich Seitz über das gute Zeugnis. Es wundert ihn aber auch nicht, denn die Fachangestellten für Bäderbetriebe erheben dreimal täglich drei Werte von Wasserproben aus jedem Becken. Den pH-Wert, das freie Chlor und das gebundene Chlor, morgens vor Betriebsbeginn, mittags und abends. „Das machen wir händisch, um die Werte mit unserer Messtechnik abzugleichen, dann sehen wir, ob alles richtig funktioniert“, sagt der Teamleiter Technik, Robert Setzer.

Wenn pH-Wert nicht mehr stimmt: Hochchlorung und frisches Wasser

In die Wasserprobe kommt ein Kontrastmittel, das Fläschchen steckt Robert Setzer in ein Gerät, das Lichtstrahlen aussendet. „Die Trübung zeigt dem Gerät dann den Chlor- und den pH-Wert an.“ Stimmen sie mit dem auf den Displays im Technikraum überein, erfüllt die Anlage ihre Aufgabe: Sinkt der pH-Wert zum Beispiel unter 6,8 oder steigt er über 7,5, steuert die Anlage über Frischwassergabe und Chlor nach. Und was ist, wenn im Planschbecken ein Malheur passiert, die Schwimmwindel undicht ist? „Dann fischen wir die Hinterlassenschaft heraus, machen eine Hochchlorung und führen frisches Wasser zu.“ Sascha Seitz hat in seiner gesamten Karriere aber noch nie erlebt, dass ein Becken gesperrt werden musste, weil die Messwerte dramatisch hoch gewesen wären.

Noch einen Wert erhebt die Mess- und Regelanlage. Robert Setzer erläutert, was die Redox-Spannung aussagt: „Die unterchlorige Säure desinfiziert und reduziert die Schmutzteile im Wasser, dadurch entsteht Oxidation und elektrische Energie wird frei.“ Diese wird in Millivolt gemessen. „Ist sie hoch, ist die Reinigungsleistung gut.“

Gesundheitsamt macht unangemeldete Kontrollen

Außerdem müssen die Angestellten täglich die Filter spülen. Zur Sicherheit zeigt ein Manometer an, wann es nötig ist – wenn der Filter voller wird, steigt der Druck. „Die gesamte Anlage ist sehr zuverlässig“, sagt Robert Setzer. Aber der Staat vertraut dem Bäderpersonal und seiner Technik dennoch nicht blind. „Das Gesundheitsamt kommt sporadisch und unangemeldet und misst die Wasserqualität. Drei- oder viermal waren die Kontrolleure im vergangenen Jahr da“, berichtet der Technikchef. Seit 15 Jahren arbeitet er im Wunnebad: „Noch nie habe ich erlebt, dass irgendetwas war. Die würden einem sonst die Hölle heißmachen“, ist Robert Setzer sicher.


54 Millionen Liter

Für den Betrieb des Wunnebads werden 54,4 Millionen Liter Wasser im Jahr benötigt.

Das im Winter geöffnete 50-Meter-Becken im Freien wird durch die Abwärme des Eisparks beheizt. Zwischen 23 und 6 Uhr wird es abgedeckt, damit nicht zu viel Wärme verlorengeht.

Im vergangenen Jahr haben 350 000 Menschen das Wunnebad besucht.

Vor fünf Jahren wurde unter anderem die Chlordosierungsanlage erneuert. Dieses Jahr ist die Lüftungsanlage an der Reihe.