Winnenden

Zickzackmuster in der Kurve als Zeichen für Halteverbot - warum macht die Stadt das?

Markierung
Neues Zickzackmuster vom Pfützen-Sträßchen Ob dem Stäffele bis ums Eck in den Fliederweg hinein. Es bekräftigt das für die Kurve ohnehin geltende Halteverbot. © Gerd Kachelrieß

Es ist ein fast schon vertrautes Bild in Wohngebieten, die mit breiten Straßen ausgestattet sind. Da stellen die Anwohner und ihre Besucher ihre Autos eben nicht nur auf dem privaten Stellplatz oder in der Garage ab. Manche haben das nicht oder nutzen den Raum als erweiterten Keller oder zusätzliche Abstellkammer. Dann bleibt das Gefährt eben gleich am Straßenrand stehen. Ist erlaubt.

Doch offenbar reichen die Ränder nicht immer aus, weil Familien mehrere Fahrzeuge besitzen, sie aber nicht immer bewegen, weshalb sie die meiste Zeit des Tages „Stehzeuge“ sind. Interessant also, wo dafür Stellplätze „gefunden“ werden. Zum Beispiel auf der Kreuzung Schiller- und Stöckachstraße mit dem Mörikeweg.

Ungewöhnlich breite Kreuzung – da wird bei manchen das Fahrschulwissen ausgeblendet

Die Straßenverkehrsordnung ist da eindeutig und sagt: Das ist nicht erlaubt. Doch sie ist ein Papierwerk, das nicht zu diesen Autofahrern sprechen kann, wenn sie nonchalant in den Kurven anhalten, den Motor ausmachen und die Handbremse ziehen. Irgendwann vor der Führerscheinprüfung haben sie mal was von fünf Meter Abstand zu Einmündungen und Kurven gelernt, in denen Halteverbot herrscht. Aber muss man sich daran erinnern, wo die Straßen hier doch so schön breit angelegt sind?

Die Stadt hat dort vor Jahren grüne Kreise auf die Straße malen lassen, um zu verdeutlichen, dass dies eine Kreuzung ist. Doch solange ein Durchkommen für Rettungswagen, Lieferwagen, Müllautos ist, kommen die Falschparker ab und an mit einem Strafzettel davon und sagen sich womöglich noch: Das ist billiger, als einen Stellplatz zu mieten.

Fliederwegkurve durchgehend markiert - "nicht schön", sagt ein Anwohner

Oder macht die Stadt nun ernst und lässt alle Bereiche, in denen nicht geparkt werden darf, markieren? Im Wohngebiet Pfützen fragt sich das Anwohner und Zeitungsleser Gerd Kachelrieß angesichts des weißen Zickzackmusters entlang eines Gartenmäuerles in der Kurve zwischen Ob dem Stäffele und Fliederweg. „Manchmal ist es wirklich notwendig, wenn die Anwohner immer wieder ihre Fahrzeuge so unvernünftig in der Kurve abstellen, dass das Müllfahrzeug und andere größere Lieferwagen nicht mehr durchkommen“, schreibt er uns über jahrelange Beobachtungen. „Nun hat die Stadt gehandelt, dabei aber gewaltig übertrieben. Es gleicht einem Schildbürgerstreich, wenn eine Parkverbotszone auch dort auf die Straße gemalt wird, wo sowieso noch gar nie einer geparkt hat und auch gar nicht parken kann. Die weißen Streifen wurden über den Kurvenbereich hinaus quasi mitten auf die Fahrbahn gemalt. Schön aussehen tut so was auch nicht“, meint unser Leser.

In der Straße Ob dem Stäffele haben Streu- und Müllfahrzeuge enorme Probleme

Die Stadtverwaltung hat dafür allerdings eine Erklärung und betont, dass die Markierung in der Kurve eine Ausnahme darstellt. Eigentlich werden nur Straßenränder mit Zickzackmuster versehen, um ein bestehendes Halteverbot auszudehnen. Im Fall Ob dem Stäffele hätten fünf Linien dort ausgereicht, wo gegenüber das Motorrad abgestellt ist.

Weil hier immer wieder Autos standen, hatten die Entsorgungsunternehmen und der Winterdienst große Probleme, durchzukommen, schreibt Pressesprecherin Emely Rehberger auf Nachfrage unserer Zeitung. Der städtische Bauhof meldete also die Stelle ans Ordnungsamt, der Vollzugsdienst bestätigte die Dringlichkeit, und bei der regelmäßigen Verkehrsbesprechung des Ordnungsamts mit der Polizei und dem Bauamt war der Fall klar. Drei Meter müssen markiert werden.

Doch dann überlegten sich die Zuständigen Folgendes: „Da sonst eventuell verstanden werden würde, dass dort, wo nicht markiert ist, geparkt werden könnte, wurde in der Verkehrsbesprechung festgelegt, den gesamten, auch den Fünf-Meter-Bereich, zu markieren.“

Beobachtung bei der Markthalle: SUV auf dem Muster geparkt

Die Stadt hat das also weder aus Versehen machen lassen, noch weil sie es schön findet. Solche „Grenzmarkierungen zur Verlängerung eines bestehenden Halt- oder Parkverbots“, wie das im Behördendeutsch heißt, werden immer im Einzelfall geprüft und nur dort auf die Straße gepinselt, wo der „Eingriff in den öffentlichen Verkehrsraum auch wirklich notwendig ist“, so Rehberger. „Es wird auch nicht jede einzelne Anordnung sofort umgesetzt, sondern der beauftragte Markierer lässt ein paar Markierungen zusammenkommen und setzt diese dann gesammelt um.“

Eine Beobachtung zeigt allerdings, dass manche Zeitgenossen sich nicht einmal von der Straßenmalerei abschrecken lassen. Sie können sich einfach nicht vorstellen, dass hier triftige Gründe vorgelegen haben, um die Zacken auf die Straße zu malen. Seit dem Jahr 2019 ist ein Stück der Seegartenstraße zwischen Einmündung zum Stadtfriedhof und der Wiesenstraße markiert. Unter anderem sicherlich, weil hier ein Radweg auf die Straße geleitet wird und man eine bessere Übersicht erhalten wollte. Als würden die Linien „Stellplatz für SUVs“ bedeuten, hat der Fahrer sein Gefährt dort abgestellt und ist nur mal schnell einkaufen oder essen gegangen.

Es ist ein fast schon vertrautes Bild in Wohngebieten, die mit breiten Straßen ausgestattet sind. Da stellen die Anwohner und ihre Besucher ihre Autos eben nicht nur auf dem privaten Stellplatz oder in der Garage ab. Manche haben das nicht oder nutzen den Raum als erweiterten Keller oder zusätzliche Abstellkammer. Dann bleibt das Gefährt eben gleich am Straßenrand stehen. Ist erlaubt.

Doch offenbar reichen die Ränder nicht immer aus, weil Familien mehrere Fahrzeuge besitzen, sie aber

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