Winnenden

ZVW-Wahlgespräch mit Hartmut Holzwarth

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© Benjamin Büttner
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ZVW-Wahlgespräch
Herbert Dobler bei seiner Frage. © Benjamin Büttner
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ZVW-Wahlgespräch
Ein Teil der Sax-Fraktion von Stacapo. © Benjamin Büttner
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Irene Erbe, Martin Bauer, Heinz Egner und Manfred Steiner stellten ihre Initiativen vor.

Winnenden. „Was wird aus der angekündigten Schulmensa?“ – „Ein Radler hat heute eine Frau mit Gehhilfen umgerissen. Bitte lassen Sie in der Fußgängerzone kontrollieren!“ – „Warum machen Sie für Stücklesbesitzer so enge Vorschriften?“ Interessante Fragen haben einige der rund 100 Gäste beim ZVW-Wahlgespräch Hartmut Holzwarth gestellt.

Das Einstiegsorchester der Stadtkapelle mit Namen Stacapo lockerte die Wortbeiträge auf – was den Instrumentanfängern und -wiedereinsteigern unter der Leitung von Jürgen Berger hervorragend gelungen ist. Mit einer originellen Liedauswahl und von Berger für die Musiker maßgeschneiderten Arrangements. Und das beim zweiten Auftritt des Ensembles überhaupt!

Auch dem Amtsinhaber und einzigen Kandidaten bei der Wahl am 21. Januar ist sein Auftritt gelungen. Er gab kompakte oder auch informative Antworten auf die Fragen der Bürger. Selbst wenn er, wie in vielen Fällen, keine sofortige Abhilfe für Probleme versprechen konnte.

Holzwarth verspricht: Schulmensa ist in acht Jahren in Betrieb

In der Mensa-Frage fürs Bildungszentrum II kann er nichts Greifbares präsentieren, aber er erläutert die nächsten Schritte: „Das Geld dafür ist eingeplant, aber wir brauchen zuerst einen Standort.“ Der Rasenplatz, den die Stadt für die Gemeinschaftsschule mit Mensa geopfert hätte, komme dafür nicht infrage. Zudem sei die Frage, wer die Essen liefert. „Bisher ist es das ZfP, aber wenn die Essenmenge steigt, müssen wir den Auftrag EU-weit ausschreiben.“ Würde danach das ZfP wieder den Zuschlag erhalten, fände sich vielleicht sogar eine Lösung, das Essen „nahe bei der Schule, aber auf ZfP-Gelände auszugeben“. Sollte das nicht gewünscht sein, werde die Mensa ein eigenes Gebäude erhalten. „In acht Jahren, wenn wieder OB-Wahl ist, wird sie in Betrieb sein“, versprach Holzwarth.

Emotional schilderte Angelika Bochnig im Saal auf Bitte von Moderator Martin Schmitzer ihre Erfahrung mit Radlern in der Fußgängerzone. „Ich als Rollstuhlfahrerin, die oft noch einen Enkel dabeihat, von dem man nicht weiß, wohin er in der nächsten Sekunde rennt, erlebe viele Rücksichtslose. Sie rauschen an Älteren vorbei, die gerade ein Schwätzchen halten. Eine Frau mit Gehstützen wurde heute umgerissen.“ Ihre Schilderungen mündeten in die Bitte, besser und öfter zu kontrollieren. Darauf machte der OB gar keine Hoffnung. „Mehr Personal einzustellen als unsere sechs Mitarbeiter im Gemeindevollzugsdienst, ist nicht geplant. Und sie haben bereits viele andere wichtige Aufgaben.“ Ab 1. April 2018 darf man nach Schließung der Geschäfte durch die Fußgängerzone radeln. „Und zwar nur im Schritttempo, das wissen auch viele Autofahrer nicht, die dort berechtigt unterwegs sind“, räumte er ein. Ihm ist wichtig, dass Radler, unter ihnen viele Schüler, die Marktstraße an drei Stellen jederzeit queren dürfen.

Stücklesbesitzer stören sich an engen Vorschriften

„Warum machen Sie Stücklesbesitzern so enge Vorschriften, das sind doch Nebensächlichkeiten“, hatte ein Leser unserer Zeitung seine Frage vorab in die Redaktion geschickt. Holzwarth sagte, die immer stärker zugestellten und „eingepferchten“ Grundstücke seien „ein Problem, das wuchert, davor kann und will ich mich nicht wegducken“. Auch sein Vorvorgänger Lebherz, der mit Blick auf den Waiblinger Berg wohnt, sagte ihm, es müsse etwas getan werden. „Und dann reicht es nicht, einen krassen Fall herauszupicken. Wenn wir nicht alle in einem Gebiet mit unseren Beseitigungsanordnungen gleich behandeln, unterliegen wir vor Gericht.“ Im Saal hakte Herbert Dobler nach und warf ihm einen schlechten Umgangsstil vor. „Man hat doch jahrelang zugeschaut.“ Hartmut Holzwarth blieb standhaft, argumentativ gestählt von runden Tischen: „Mir fehlt das Verständnis, wenn einer mit dem Betonmischer anrückt oder sagt, er brauche eine Toilette. Mein Vater pflegt noch immer Stückle und hat nicht einmal einen Grill darauf gebaut. Bei unseren Beanstandungen geht es um Hühnerfarmen, Boote, Wohnwagen, Autos – das ist doch keine Landschaftspflege!“ Jahrelang sei nichts passiert, weil der Baurechtsbehörde schlicht das Personal gefehlt habe.

Nach diesem Thema spielte Stacapo Gary Moores „Still got the Blues“, inhaltlich eine fast ironische Kombination, in der Ausführung mit E-Gitarre und sieben Saxofonen schön melancholisch gestaltet. Für einige Stücke tauschte Sonja Eisenreich ihr Sax mit dem Mikrofon und ließ Beeindruckendes hören – das flotte „Skinny Love“ mit einem extrem langen Schlusston, noch getoppt vom Jazz-Standard „Somewhere over the Rainbow“, bei dem die junge Sopranistin mit einem glasklaren, sauberen Höhenflug glänzte.


„Die wahrscheinlich kürzeste Wahlrede dieses Jahres“ kündigte Moderator Schmitzer zum Beginn des ZVW-Wahlgesprächs an. Kandidat Hartmut Holzwarth ließ sich dadurch aber keineswegs hetzen.

„Ich bringe zwölf Jahre Erfahrung als Bürgermeister von Creglingen und acht als Oberbürgermeister von Winnenden mit“, hob er an – „ich habe die Stadt gut kennengelernt und mache täglich neue Erfahrungen. Ich bin wirklich neugierig“, untermauerte er seine Lust auf weitere acht Jahre an der Spitze der Stadtverwaltung. Zusammen mit dem „eingespielten Team“ aus Amtsleitern und Dezernenten, dem „konstruktiven Gemeinderat“ und den „leistungsfähigen Stadtwerken“ werde die Stadt die Entwicklungen weiter als Genehmigungsbehörde begleiten, für sozialen Wohnungsbau sorgen und „ehrenamtliche Initiativen unterstützen“.

Vier durften ihre Projekte auf Einladung des Zeitungsverlags kurz vorstellen und sagen, wie konkret die Unterstützung bisher aussah. „Herr Holzwarth riet mir in einem Gespräch vor Jahren über die Zukunft der Stadtkirche zu einer Stiftung“, sagte Irene Erbe. Die evangelische Kirchengemeinderätin lobte zudem die von Holzwarth angestoßene Zusammenarbeit mit den verschiedensten Ämtern im Rathaus und dass er selbst Gründungsstifter sei.

500 000 Euro für den Umbau des Bürgerhauses nötig

Ebenfalls noch in den Kinderschuhen steckt die Initiative Gemeindescheuer Bürg. Martin Bauer berichtete, dass die Stadt „immer etwas bereitgestellt hat, wenn wir gefragt haben“. Bald sei die Scheuer ausgeräumt. „Wir werden wieder auf die Stadt zugehen, erst überlegen wir, ob wir einen Bürgerverein gründen“, sagte er zu Martin Schmitzers Frage der Geldbeschaffung für den Umbau.

Manfred Steiner erzählte als einer von drei Vorsitzenden des Vereins Bürgerhaus Altes Rathaus Breuningsweiler, dass sich Holzwarth 2016 mit allen drei Vereinen und 30 Leuten getroffen und beraten habe, wie es weitergeht. „Dass wir Mieter der Stadt werden und eine Nutzungsvereinbarung abschließen, klang anstrengend, wir mussten über einige Schatten springen“, sagte Steiner. Aber jetzt kommen alle mit der Situation klar. „Wir haben fürs Dorf den Bedarf nach einem größeren Saal für 70 Personen nachgewiesen und es hat sich eine Frauengruppe gegründet, die Schwung reinbringt.“ 500 000 Euro, schätzt Steiner, sind für den umfangreichen Umbau notwendig. „Wir wollen mit der Stadt einen Plan über mehrere Jahre aufstellen, das ist ein grenzwertiger Betrag fürs Ehrenamt.“

Dazu nahm Holzwarth direkt Stellung. „Dazu empfehle ich Ihnen, erstens weiter aktiv zu sein und zweitens nicht enttäuscht, wenn es doch etwas anderes wird, als Sie sich jetzt vorstellen.“ Er kündigte an, dass die Stadt „eine Gegenleistung fordert, wenn unten ein Saal entsteht. Dann wollen wir im ersten Stock Wohnraum für unsere ureigensten Zwecke schaffen.“ Sprich: um Sozialfälle oder von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen unterzubringen.

Sportvereine sollen gleich behandelt werden

Holzwarth nannte den Förderverein Alte Kelter, den Heinz Egner vorstellte, „den Klassiker, der auch einen Maßstab geliefert hat, wie die Stadt mit Initiativen umgeht“. Sie habe viele Möglichkeiten, zu helfen, und viele Beispiele zeigen, dass die Bürger durch eigenes Engagement vieles sehr viel schneller erreichen können. Egner hatte erzählt, dass der Verein mit 30 Leuten gestartet ist und den Umbau aber nur „scheibchenweise“ stemmen konnte. Lange gab es nur den Saal, der früher ein Getränkelager ohne Fenster war. Durch Mitgliedschaften und Veranstaltungen wurde Geld eingenommen, eine behindertengerechte Toilette konnte irgendwann gebaut werden. Der Bücherflohmarkt liefert weitere Einnahmen, zuletzt kam der Theatersaal dazu. „Die Hülle gehört der Stadt, fürs Innere sind wir zuständig“, so Egner. „Wir haben nicht viele Ansprüche gestellt und geguckt, dass wir alles selbst finanzieren.“ Das drängendste Problem derzeit sei der Nachwuchs, eine Verjüngung des Vorstands um Gudrun Obleser.

„Auch die Sportvereine wollen wir gleich behandeln“, sagte Hartmut Holzwarth zu Jens Bauder, der indirekt nach einem Kunstrasenplatz für Hertmannsweiler gefragt hatte: „Welche Sportstätten werden denn als nächste modernisiert?“ Holzwarth erwähnte den Leitplan dazu, der aktualisiert und fortgeschrieben werden muss. „Es ist noch nicht zu Ende diskutiert, dass jeder einen Kunstrasen bekommt, vielleicht fährt man damit um einiges besser“, sprach er die umfangreiche Pflege der Rasenplätze an. Aber: „Wir müssen vergleichbar vorgehen, ich kann den Kunstrasenplatz in Hertmannsweiler nicht vom Himmel fallen lassen, und in Höfen stemmten die Sportfreunde den Bau selbst mit einem Zuschuss der Stadt.“