Winnenden

Zwei neue Kitas werden ökologisch gebaut und dennoch günstiger

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Blick auf einen Teil des Schelmenholzes und die Hanweiler Straße. Zwischen der Baumwiese und den Häusern entsteht die Kita Koppelesbach. © ZVW/Gabriel Habermann

Zwischen Vorplanung und Entwurfsplanung von zwei neuen Kindergärten hat das Stadtbauamt zusammen mit den beauftragten Architekturbüros insgesamt 1,6 Millionen Euro eingespart. Das war ganz im Sinne der Gemeinderäte der CDU, FWV und FDP, die eine Kostenreduktion von 15 Prozent im September verlangt hatten. Und auch ALi und SPD zeigten sich erfreut und versöhnt, weil die Abstriche im Baustandard (KFW 55 statt Energie-Plus) noch immer überraschend hohe Co2-Einsparungen übrig lassen. „Wir machen eine Hybridbauweise“, sagte Bauamtsleiter Klaus Hägele. Das bedeutet: Aus Stahlbeton sind wegen der Haltbarkeit nur absolut notwendige Bauteile wie die Bodenplatte oder eine Stützmauer, der Rest ist aus Holz konstruiert. ALi-Stadträtin Rahel Dangel zeigte sich begeistert, „das ist die Zukunft“, bei einem anderen Tagesordnungspunkt wünschte sie sich prompt, dass große Bauträger diesem Vorbild folgen und mit ihren Mehrfamilienhäusern weg vom CO2 zuhauf produzierenden Beton kommen.

Kinderhaus Koppelesbach kostet eine Million Euro weniger

Die neue viergruppige Ganztagseinrichtung mit der künftigen Adresse Hanweiler Straße 29 wird 12,9 Prozent billiger, aber mit 6,7 Millionen Euro noch immer einen stolzen Preis tragen. Ein Teil ist dem schlechten Untergrund geschuldet, der namensgebende Koppelesbach hatte früher viel mehr Platz zum Fließen, jetzt wird die Gründung teuer. Den Erdaushub aber, den verwendet die Stadt komplett vor Ort, spart sich die Abfahr- und Deponiekosten und erhöht den gesamten langgestreckten Bau um 80 Zentimeter. Gleichzeitig rückt sie ihn noch zwei Meter weiter weg von der Grundstücksgrenze. Beide Maßnahmen sparen eine lange Stützmauer ein. Das Kinderhaus steht also fünf Meter weg von der Grenze, was die Nachbarn an der deutlich höher gelegenen Straße Burgeräcker besänftigen dürfte. Sie haben über das eingeschossige Gebäude zudem weiterhin freie Sicht.

Das Dach der Kita hat zwei Formen, auf dem flachen Teil kann eine Fotovoltaikanlage gebaut werden, sie deckt knapp die Hälfte des Strombedarfs und amortisiert sich bereits nach rund neun Jahren. Stadtrat Christoph Mohr (ALi) hakte nach, warum sie nur 110 Quadratmeter und nicht das gesamte Flachdach belegt. „Das Gebäude ist in drei Brandabschnitte geteilt, und wir dürfen die Anlage nicht abschnittübergreifend bauen“, erklärte Klaus Hägele.

Strom brauchen wird die Luft-Wärme-Pumpe. Viel Geld gespart wird aber durch den Verzicht einer mechanischen Be- und Entlüftungsanlage. Die Technik und Leitungen dafür entfallen, das ganze Gebäude fällt dadurch kleiner aus.

Auf den Wege- und Stellplatzbau entfiel ursprünglich auch ein großer Posten, auch hier strich Klaus Hägele einiges mit dem Segen der Gemeinderäte. 14 statt 22 Stellplätze entlang der Wendeschleife, keine Linksabbiegespur auf der Hanweiler Straße und keine Anbindung des Radwegs an diese Straße. Auch die „Promenade“ Burgeräcker wird nicht großzügig an die Kita angebunden. Gleichwohl wird es von Burgeräcker und somit auch aus dem Wohngebiet Schelmenholz eine Verbindung für Radler und Fußgänger geben, 2,5 Meter breit, bis zu der Stelle, wo der neue Weg für die Küchenbelieferung des Kindergartens endet. „Die knapp 40 000 Euro sind gut angelegt“, fand Stadtrat Markus Siegloch (FWV) und mit ihm die große Mehrheit des Gremiums, die FDP stimmte mit Nein. Das ganze Vorhaben erhielt einen einstimmigen Segen, nur Robin Benz (FDP) enthielt sich.

Herfurth kritisiert lange Zeit, bis beide Kitas fertig sind: März 2024

Einziger Wermutstropfen für diese wie für die zweite geplante Kita ist die Zeit bis zur Eröffnung. Der Bauantrag soll zwar schon im Juni eingereicht werden, mit einer Genehmigung rechnet Hägele aber erst Ende des Jahres. Und dann, schreibt er, könne er erst im September 2022 die Bauleistungen vergeben. „15 Monate Bauzeit sind schon sportlich“, sagte er Stadtrat Andreas Herfurth (SPD), der hier befremdet nachhakte. „Ein bis drei Monate schneller kann man vielleicht erreichen“, so Hägele.

Für drei Gruppen wird die Stadt eine Kindertagesstätte im Neubaugebiet Adelsbach erstellen, sie befindet sich direkt neben der Grundschule Hungerberg und hat ihren Eingang zur gleichnamigen Straße. Sie wird an den Hang gebaut, so dass sich unter dem Erdgeschoss mit den Räumen für Kleinkinder, Personal und Essensversorgung das „Gartengeschoss“ befindet mit großen Räumen und Fenstern zum Freispielbereich hin.

Das Kinderhaus kostet nach den ganzen Einsparungen voraussichtlich 4,3 Millionen Euro, 12,5 Prozent unter der Schätzung in der Vorplanung. Auch hier leistet die Holzkonstruktion mit Cellulose (Wand) oder Holz (Boden) die erforderliche Dämmung im KFfW-55-Standard. „Im Vergleich mit konventionellen Baustoffen ergibt sich eine CO2-Einsparung von insgesamt 56 Tonen“, so Klaus Hägele. Und auch hier entfällt die mechanische Be- und Entlüftung und dazu noch ein halbes Geschoss, was die Baukosten um über 600 000 Euro reduziert. „Wir haben nun ein kompaktes zweistöckiges Gebäude in sehr nachhaltiger und ökologischer Bauweise“, so Hägele. Das Dach wird begrünt und bekommt technische Anlagen sowie eine Fotovoltaikanlage, die mit einer Fläche von 117 Quadratmetern 11 800 Kilowattstunden Strom erzeugen kann und somit 56 Prozent des Strombedarfs deckt. Ihre Baukosten sind voraussichtlich in 12,5 Jahren durch Stromersparnis abbezahlt.

Sehr zufrieden klang der Stadtbauamtsleiter Klaus Hägele, er lobte beide gelungenen Planungen (Koppelesbach: Büro Schleicher, Ragaller, Stuttgart; Adelsbach: Büro Bankwitz, Kirchheim unter Teck). Und auch Markus Siegloch zeigte sich zufrieden: „Das tut unserem Haushalt gut – und die Einsparungen sind nicht auf dem Rücken der Umwelt passiert“, das war ihm wichtig zu betonen.

Zwischen Vorplanung und Entwurfsplanung von zwei neuen Kindergärten hat das Stadtbauamt zusammen mit den beauftragten Architekturbüros insgesamt 1,6 Millionen Euro eingespart. Das war ganz im Sinne der Gemeinderäte der CDU, FWV und FDP, die eine Kostenreduktion von 15 Prozent im September verlangt hatten. Und auch ALi und SPD zeigten sich erfreut und versöhnt, weil die Abstriche im Baustandard (KFW 55 statt Energie-Plus) noch immer überraschend hohe Co2-Einsparungen übrig lassen. „Wir machen

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