Winnenden

Zwist zwischen Landratsamt und dem Winnender Hans-Martin Hirt: 5000 Euro Zwangsgeld wegen Artemisia

Artemisia Annua
Hans-Martin Hirt und die Pflanze Artemisia annua anamed. © Benjamin Büttner

Das Landratsamt Waiblingen hat am 8. März vom Konto der Artemisia-Verkaufsfirma Teemana 5000 Euro Zwangsgeld abgezogen. Die sind schon weg, wie Dr. Hans-Martin Hirt in einer E-Mail an unsere Zeitung berichtet. Verbraucherschutz-Dezernent Gerd Holzwarth bestätigt den Einzug des Geldes. Das Zwangsgeld wird verlangt, weil Teemana verbotenerweise Artemisiatee verkauft.

5000 Euro sind ein Schlag ins Kontor von Teemana und vom Verein Anamed, der Menschen in armen Ländern den Zugang zu Heilkräutern verschaffen will, die Wirkstoffe gegen Malaria-Erreger enthalten und denen allgemein eine immunstärkende Wirkung zugeschrieben wird. Heilkräuter, von denen aber ganz sicher ist, dass Menschen in Afrika, die niemals das Geld aufbringen für die Anti-Malariatabletten der Pharma-Industrie, das Heilkraut selbst anbauen und einen Tee draus machen können.

Der Winnender Apotheker Dr. Hirt verzweifelt am Verkaufsverbot in Coronazeiten: „Die Welt spielt verrückt“, schreibt er in seiner Mail, „Teemana hat ein Rezept, um Tausende von Menschen zum Teil vor dem Corona-Ersticken zu bewahren.“ Die Frage ist aber: Ist das nachgewiesen? Es gibt Einzelberichte von angeblich erfolgreich Behandelten, aber das sind keine klinischen Studien. Die wollte das Max-Planck-Institut Potsdam zusammen mit anderen Forschern in den USA und Mexiko betreiben, hat aber bislang keine habhaften Ergebnisse verkündet.

Wie geht es weiter?

Dr. Hirt fühlt sich bestraft. Ist das Verbraucherschutz, wenn der Verkauf einer Heilpflanze mit Zwangsgeld belegt wird? „Ja sind wir denn alle verrückt geworden?“, fragt er.

Überraschend kamen die 5000 Euro Zwangsgeld allerdings nicht. Das Landratsamt hatte sie schon lange angedroht für den Fall, dass der Verkauf des Tees nicht eingestellt wird. In einem Eilverfahren vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart und in zweiter Instanz vor dem VGH Mannheim wollte Hirt das Zwangsgeld verhindern und den Verkauf des Artemisia-Tees unbehelligt weiterführen dürfen. Doch das Ergebnis dieses Eilverfahrens war hart und klar: Weil das Heilkraut auf einer Liste von neuen Lebensmitteln (Novel Food) steht, die noch nicht zum Verkauf in der Europäischen Union zugelassen sind, darf es nicht verkauft werden. Die Behörde, die dieses Verbot durchsetzen muss, ist das Landratsamt. Ein paar Wochen nach dem Urteil wartete der Verbraucherschutzdezernent ab, dann setzte er das um, wozu er sich durch das Urteil verpflichtet fühlt: ein Verkaufsverbot für Artemisia Annua.

Demnächst 10 000 Euro weg?

Wie kriegt man die Firma Teemana dazu, den Tee nicht mehr zu verkaufen? Der übliche Weg ist ein Zwangsgeld: Wer weiterhin verkauft, muss zahlen. Und wenn das erste Zwangsgeld nicht wirkt, kommt das zweite. Als Nächstes will das Landratsamt 10 000 Euro einziehen.

Wie es dann weitergeht, ist noch in der Schwebe, aber seit der Gerichtsentscheidung ist die Linie des Landratsamts klar und hart: Der Tee - selbst wenn man ihn zum „Rohstoff“ umetikettiert und selbst wenn Hirt noch in einem Hauptverfahren vor dem Verwaltungsgericht klagt - darf während des Hauptverfahrens nicht verkauft werden.

Aber: Gartenpflänzchen sind ja noch eine Möglichkeit. Vielleicht kommen Dr. Hirt und seine Artemisiafreunde damit weiter. Anamed bietet auch dieses Jahr wieder A-3-(Artemisia annua anamed)-Pflanzen und damit besäte Töpfchen an, und zwar nur an den unten genannten Samstag-Terminen von 11 bis 12 Uhr in Winnenden, am Fenster des Vereins Paulinenstraße 23, zum „Mitlaufenlassen“, das heißt, ohne dass sich Gesprächsgruppen bilden dürfen. Pflänzchen und besäte Töpfchen gibt es (außer bei frostigem Wetter) am 3. und 17. April, 1. und 15. Mai. Im letzten Jahr wurden laut Dr. Hirt rund 7000 Euro aus dieser Aktion für ein Katastrophenprojekt in Mosambik verwendet.

Das Landratsamt Waiblingen hat am 8. März vom Konto der Artemisia-Verkaufsfirma Teemana 5000 Euro Zwangsgeld abgezogen. Die sind schon weg, wie Dr. Hans-Martin Hirt in einer E-Mail an unsere Zeitung berichtet. Verbraucherschutz-Dezernent Gerd Holzwarth bestätigt den Einzug des Geldes. Das Zwangsgeld wird verlangt, weil Teemana verbotenerweise Artemisiatee verkauft.

5000 Euro sind ein Schlag ins Kontor von Teemana und vom Verein Anamed, der Menschen in armen Ländern den Zugang zu

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