Winterbach

Ärger und Verwirrung um Testpflicht vor dem Freibadbesuch - Was man dazu wissen muss

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Symbolfoto. © Gaby Schneider

Kommende Woche öffnen nicht nur die Biergärten und das Einkaufen wird einfacher. Viele Gemeinden wollen auch ihre Freibäder aufmachen. Für einen Besuch ist jedoch ein negativer Corona-Schnelltest aus einem Testzentrum nötig, sofern jemand nicht vollständig geimpft ist oder mit dem Coronavirus infiziert war. Darüber gibt es nun viel Unmut, vor allem bei Familien mit testpflichtigen Kindern – auch weil manche meinen, sie müssten für die Tests bezahlen. Das stimmt jedoch nicht.

Warum gibt es Verärgerung über Testpflicht vor dem Freibadbesuch?

An der Testpflicht gibt es derzeit kein Vorbeikommen, wenn man ins Freibad will, sofern man nicht bereits vollständig geimpft ist (14 Tage nach der zweiten Corona-Impfung) oder in den vergangenen sechs Monaten infiziert war (beides muss man beim Eintritt nachweisen). Nur Kinder unter sechs Jahren sind ausgenommen. Die Testpflicht ist in der Corona-Verordnung für den ersten Öffnungsschritt beim Absinken der Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Fälle unter einen Wert von 100 festgeschrieben. Und sie ist keine Besonderheit für die Freibäder, auch wer zum Beispiel in den Biergarten oder in einen Freizeitpark gehen will, muss nach derzeitigem Stand der Dinge ein negatives Testergebnis vorlegen.

Nur sorgt die Pflicht gerade bei den Freibädern für Verärgerung, weil der Besuch dort normalerweise ein unkompliziertes und spontanes Familienvergnügen ist. Nun müssen jedoch auch Kinder ab sechs Jahren vorher zum Schnelltest. Das stellt Familien vor einen großen Organisationsaufwand, zumal man meist auch vorher noch einen festen Tag und Zeitraum für den Badbesuch selbst buchen muss. Dazu kommentiert ein Facebook-Nutzer unter einem Artikel unserer Zeitung: „Ein einfacher Freibadbesuch wird zur logistischen Großveranstaltung.“

Achim Laidig, Hauptamtsleiter der Gemeinde Rudersberg bekommt im Rathaus gerade viele Anrufe von Leuten, die wissen wollen, wann das Freibad aufmacht und wie die Regeln sind. Dabei bekommt er mit: „Es gibt einen großen Unmut.“ Und Laidig kann das auch nachvollziehen: Es sei „durchaus fragwürdig“, dass im Freibad ein Schnelltest verlangt werde, obwohl man sich im Freien aufhalte, mit sehr begrenzten Besucherzahlen, dadurch gut einzuhaltenden großen Abständen und anderen Hygienemaßnahmen. Dabei könne man ja in den Supermarkt und ab Montag im Rems-Murr-Kreis auch in andere Läden ohne Test zum Einkaufen gehen.

Achim Laidig fürchtet, dass die Testpflicht gerade für Familien mit Kindern eine so große Hürde darstellt, dass die Bäder nicht so voll sein werden. Normalerweise plane man ja einen Freibadbesuch, der sehr wetterabhängig sei, nicht Tage im Voraus. Das ist jetzt aber nötig, um sicher und ohne Wartezeit einen Testtermin zu bekommen. Es sei zu hoffen, meint Laidig, dass der Gesetzgeber die Situation erkenne und die Testpflicht abschaffe.

Reicht ein Selbsttest, um ins Freibad zu kommen?

Kurze Antwort: Nein. Auf Facebook kommentiert ein Nutzer einen Artikel unserer Zeitung zu den Freibad-Öffnungen mit der Meinung in Bezug auf die Kinder ab sechs Jahren: „Die zwei Tests für die Schule jede Woche sollten doch eigentlich ausreichen.“ Dazu muss man allerdings wissen: An den Schulen kommen Selbsttests zum Einsatz. Für einen Besuch des Freibads und anderer Einrichtungen reicht so einer nicht.

Theoretisch wäre es höchstens möglich, dass die Gemeinden direkt vor Ort in den Freibädern Selbsttests anbieten, sagt Sigrid Dätsch-Lokies, die Inhaberin der beiden Winterbacher Apotheken und seit Monaten Betreiberin eines Testzentrums. „Bei den Friseuren geht das ja auch“, sagt sie. Manche hätten sich dazu extra schulen lassen und dürften nun ihre Kunden beim Selbsttest im Laden beaufsichtigen, der dann gleichwertig zu einem aus dem Testzentrum sei. Das sei für die Gemeinden aber natürlich ein finanzieller Aufwand und Personal brauche es dafür auch, räumt Dätsch-Lokies ein. Bisher ist ihr kein Freibad bekannt, das diesen Weg geht.

Wie viele Schnelltests im Testzentrum bekommt man kostenlos?

In der aktuellen Diskussion um die Öffnung der Freibäder kursiert auch die Information, es sei nur ein Schnelltest in der Woche pro Person kostenlos. Die weiteren würden 35 Euro kosten, behauptet zum Beispiel eine Facebook-Nutzerin in der Diskussion in der Gruppe „Winterbach im Remstal“. Diese Information ist falsch. Tatsächlich steht in der Verordnung dazu nur: Die Tests „können im Rahmen der Verfügbarkeit von Testkapazitäten mindestens einmal pro Woche in Anspruch genommen werden“. Eine Obergrenze ist also nicht definiert. Und da es kein zentrales System gibt, in dem alle Informationen zusammenlaufen, wird auch nicht dokumentiert, wer sich wann und wie oft testen lässt.

Sigrid Dätsch-Lokies hat einige Kunden, die regelmäßig, auch mehrmals die Woche kommen. „Zwei Tests in der Woche sind sicherlich okay“, so ihre Meinung zu einem verträglichen Maß. 100 bis 150 Tests führt ihr Team im Testzentrum derzeit täglich durch, besonders hoch ist der Zulauf freitags.

Wie wird in den Testzentren der Abstrich genommen?

Die Schnelltests, die in den offiziellen Testzentren verwendet werden, funktionieren vom Prinzip her gleich wie die Selbsttests, die jeder im Supermarkt oder in der Drogerie kaufen kann oder wie sie in Kitas und Schulen verteilt werden. Das, heißt, es sind Antigen-Schnelltests. Der Abstrich wird mit einem Teststäbchen entweder im Rachen oder in der Nase genommen.

Den Nasenabstrich mit dem langen Stäbchen, bei dem der Tester gefühlt am Gehirn kratzt, den viele vom Anfang der Pandemie kennen, müsse dabei keiner mehr fürchten, sagt die Winterbacher Apothekerin Ingrid Dätsch-Lokies. „Die meisten machen den Abstrich eher vorne in der Nase.“ In ihrem Testzentrum gehe man lieber ein kleines bisschen tiefer, weil dann die Aussagekraft des Ergebnisses besser sei. Bei Kindern oder wenn jemand es ausdrücklich nicht wolle, mache man einen „kurzen“ Abstrich.

Wie bucht man einen Termin für einen Schnelltest?

Dafür gibt es online ein zentrales Portal, auf das man zum Beispiel über die Adresse https://www.rems-murr-kreis.de/schnelltest-covid-19/termin-vereinbaren kommt. In den meisten Testzentren kann man aber auch telefonisch Termine buchen, wenn man mit der Online-Anmeldung nicht zurechtkommt. Neben den Corona-Tests mit Anmeldungen gibt es inzwischen auch immer mehr Möglichkeiten zu spontanen Tests. In Schorndorf etwa im Test-Bus auf dem Bantel-Parkplatz, beim Stadtbiergarten, bei dm und bei Marktkauf, Toom und ab Montag beim Sportpark Rems. Dort kann es dann aber zu Wartezeiten kommen.

Und wann öffnen nun die Freibäder?

Die meisten Freibäder wollen Anfang der kommenden Woche öffnen. Schon am Montag ist Saisoneröffnung in Rudersberg. Das Steinenberger Freibad zieht erst später nach. Das Ziegeleiseebad in Schorndorf will am Dienstag, 1. Juni, öffnen, Gleiches haben Urbach und Remshalden vor. Winterbach will am Mittwoch, 2. Juni, in die Saison starten – weil dort das Freibad die ganze Saison über wegen des Ausfalls eines Schwimmmeisters dienstags geschlossen bleibt. Wichtig: Mit Ausnahmen muss man das Ticket im Voraus online buchen. Dazu gibt es Infos auf den Internetseiten der Gemeinden und der Bäder.

Kommende Woche öffnen nicht nur die Biergärten und das Einkaufen wird einfacher. Viele Gemeinden wollen auch ihre Freibäder aufmachen. Für einen Besuch ist jedoch ein negativer Corona-Schnelltest aus einem Testzentrum nötig, sofern jemand nicht vollständig geimpft ist oder mit dem Coronavirus infiziert war. Darüber gibt es nun viel Unmut, vor allem bei Familien mit testpflichtigen Kindern – auch weil manche meinen, sie müssten für die Tests bezahlen. Das stimmt jedoch nicht.

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