Winterbach

Ärger wegen Eiscafé in der Winterbacher Ortsmitte: Gemeinde und Besitzer einigen sich

Eisdiele Ärger
Blick auf die Brunnengasse in Winterbach: Links im Bild, eingefasst von Pflanztöpfen, stand bisher ein einzelner Tisch des Eiscafés, jetzt will Alfred Isak nach einer Auseinandersetzung mit der Gemeinde doch noch weitere Tische aufstellen. © Benjamin Büttner

Die Eisdiele von Alfred Isak bringt seit etwas mehr als zwei Jahren viel Leben in die Winterbacher Ortsmitte. Als im Pandemie-Winter fast alles zu hatte, verkaufte er Waffeln und Punsch. Unsere Reporterin schrieb damals von einer „nach heiler Welt duftenden, beleuchteten Insel“. Doch diese heile Welt hat zuletzt Risse bekommen. Isak fühlte sich von der Gemeindeverwaltung existenzgefährdend gegängelt, jetzt hat er aber eingelenkt. Daneben schwelt noch ein unschöner Nachbarschaftsstreit.

Es ist ein etwas seltsames Bild, das sich in den vergangenen Tagen in der Winterbacher Brunnengasse am Platz mit dem namensgebenden Brunnen bot: Ein einzelner Café-Tisch stand dort, eingefasst von Kästen und Kübeln, in denen Olivenbäumchen, Rosen und andere Pflanzen wuchsen. An den Pflanzen hingen kleine Schilder: „Ich gehöre zum Eiscafé.“ Auf dem Tisch ein weiteres Schild: „Reserviert for the Boss“ – reserviert für den Chef. Der Chef, das ist Alfred Isak, der Betreiber von „Mein Lieblingseiscafé“. 2019 eröffnete er seine Eisdiele im sogenannten „Waschhäusle“, einem kleinen historischen Gebäude in der Gasse zwischen den kubischen Neubauten, die im Zuge des Umbaus der Ortsmitte vor ein paar Jahren entstanden sind.

Hinter dem „Waschhäusle“ in der Brunnengasse hätte Alfred Isak jetzt eigentlich gerne, wie schon in den Vorjahren, mehr Tische aufgestellt als den einen, damit seine Kunden ihr Eis gemütlich vor Ort essen können. Tatsächlich war er bereits zur Tat geschritten und hatte eine größere Fläche mit Pflanzkästen umstellt, auch den Brunnen hatte er darin mit eingeschlossen. Dann trat jedoch die Gemeindeverwaltung auf den Plan.

„Fakten geschaffen, ohne vorher einen Antrag zu stellen“

„Er hat eine Fläche beansprucht, die weit über das hinausging, was er an Sondernutzung bekommen hat“, sagt Bürgermeister. Sven Müller auf Anfrage unserer Zeitung. „Er hat Fakten geschaffen, ohne vorher mit uns zu sprechen oder einen Antrag zu stellen.“ Trotzdem wäre der größere Platz, den Isak beanspruchte, aus Sicht der Gemeinde sogar noch okay gewesen – hätte er nicht den Brunnen mit eingefasst, so Müller. Dieser müsse der Öffentlichkeit zugänglich sein. „Da spielen Kinder im Sommer und da gibt es Sitzgelegenheiten, dass man sich mit einem Eis, das man to go holt, hinsetzen kann“, sagt der Bürgermeister.

Auf das Entgegenkommen sei der Eisdielen-Besitzer jedoch nicht eingegangen, er habe sehr emotional reagiert und gesagt: Dann mache er eben gar nichts mehr. Alfred Isak redete zwischenzeitlich sogar davon, alles hinzuschmeißen und woanders hinzuziehen: „Wenn es so weitergeht, dann macht es mir keinen Spaß mehr hier.“

Neutrale Beobachter in Winterbach meinen jedoch, die Gemeinde müsse sich eigentlich gar nichts vorwerfen lassen. Bürgermeister Sven Müller sagt: Man sei Alfred Isak immer im Ermessensspielraum der Gemeindeverwaltung „zu 100 Prozent entgegengekommen“. Auch, als er zwischenzeitlich Obst und Gemüse verkauft habe, um über die Pandemie-Zeit zu kommen, sei man großzügig gewesen. Ihm sei auch viel daran gelegen, dass Isak mit seiner Eisdiele bleibe: „Er trägt viel dazu bei, dass die Brunnengasse so ein Kleinod ist, das sollte auf jeden Fall fortbestehen und überleben.“

An diesem Freitag haben sich die Gemeinde und Alfred Isak dann doch noch geeinigt, das heißt, er ist doch noch auf das Angebot der Gemeinde eingegangen. Bis zu 15 Tische werde er jetzt aufstellen, sagt er gegenüber unserer Zeitung, er müsse aber noch schauen, wie viele tatsächlich hinpassen.

„So etwas habe ich noch nicht erlebt“

Sven Müller vermutet, dass zwischenzeitlich die Emotionalität reingekommen ist, weil im Hintergrund etwas anderes schwelt. Der Eisdielenbesitzer und seine Nachbarin mit ihrem Blumenladen sind seit ein paar Wochen zerstritten. Woran sich dieser Nachbarschaftsstreit entzündet hat, dazu gibt es verschiedene Erklärungen, je nachdem, mit wem man spricht. Einiges liegt wohl im sehr persönlichen Bereich.

Andere Nachbarn haben schon versucht, zu vermitteln, bisher erfolglos. Alle sagen: Schade, dass es so böses Blut gab, weil Blumenladen und Eiscafé im Verbund für eine schöne Atmosphäre und Leben in der Brunnengasse sorgen. Heike Steinhaus, Mitglied im Winterbacher Bund der Selbstständigen, sagt: „So etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Normalerweise gebe es in Winterbach ein gutes Miteinander und einen großen Zusammenhalt. Der Blumenladen sei „der entzückendste Laden“ und die Besitzerin supernett, friedlich und freundlich. „Sie hat unser Ortsbild positiv beeinflusst.“

Aperitivo-Bar und Eisproduktion in der Brunnengasse geplant

Alfred Isak hat weitere Pläne in Winterbach: Im Erdgeschoss des Hauses Brunnengasse 5, das schon eine Weile leersteht, will er eine Aperitivo-Bar mit Feinkost-Verkauf und eigener Eisproduktion aufziehen. Die Räumlichkeiten hat er gemietet, der entsprechende Antrag auf Nutzungsänderung hat bereits den Bauausschuss des Gemeinderats passiert.

Die Eisdiele von Alfred Isak bringt seit etwas mehr als zwei Jahren viel Leben in die Winterbacher Ortsmitte. Als im Pandemie-Winter fast alles zu hatte, verkaufte er Waffeln und Punsch. Unsere Reporterin schrieb damals von einer „nach heiler Welt duftenden, beleuchteten Insel“. Doch diese heile Welt hat zuletzt Risse bekommen. Isak fühlte sich von der Gemeindeverwaltung existenzgefährdend gegängelt, jetzt hat er aber eingelenkt. Daneben schwelt noch ein unschöner

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