Winterbach

Ökologie als Wirtschaftsfaktor: Nachhaltigkeit bei Geldanlagen immer wichtiger

Investmentfonds
Bankvorstand Gerhard Burr (links) und Vermögensbetreuer Timo Weller: „Eine Anlage auf dem Sparbuch ist auch nicht ohne Risiko.“ © ALEXANDRA PALMIZI

Wer im Moment sein Geld einfach auf dem Spar- oder Girokonto liegenlässt, der akzeptiert, dass es dort schleichend weniger wird. Die Teuerung, die Inflation, sie frisst die Kaufkraft auf. Die Winterbacher Bank rät deswegen unbedingt dazu, Geldanlagen wie Aktienfonds ins Auge zu fassen. Zunehmend gibt es dabei auch Angebote, die als nachhaltig zertifiziert sind, das heißt, in denen die enthaltenen Unternehmen auf Umwelt- oder Sozialstandards abgeprüft sind. Teilweise seien solche nachhaltigen Fonds sogar schon finanziell die bessere Entscheidung gegenüber nicht-nachhaltigen, sagt Vermögensbetreuer Timo Weller. Denn: Ob ein Unternehmen in eine Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen investiert, wird immer mehr zum knallharten Wirtschaftsfaktor.

Energiesparen als betriebswirtschaftliche Notwendigkeit

Die Entwicklung steuere darauf zu, dass ein Unternehmer Fremdkapital von Investoren oder Banken nur noch schwer oder zu sehr ungünstigen Konditionen bekomme, „wenn er das Thema Nachhaltigkeit links liegenlässt“, sagt Timo Weller. Der Anstieg der Energiekosten sorge dafür, dass es längst nicht mehr nur um den guten Willen, etwas gegen den Klimawandel zu tun, gehe, sondern um ganz betriebswirtschaftlich und unternehmerisch notwendige Entscheidungen, sagt Gerhard Burr, Vorstand der Winterbacher Bank. Das heißt: unabhängiger zu werden von der Preisentwicklung bei Strom und Gas und Sicherheit in Bezug auf möglicher Ausfälle der Versorgung zu bekommen.

„Wenn wir Unternehmen finanzieren, fragen wir heutzutage schon: Wie seid ihr aufgestellt in Sachen Nachhaltigkeit?“, sagt Burr. „Da geht es auch um das Vermeiden von Kreditrisiken.“ Bestandskunden versuche man in Entwicklungsprozessen zu begleiten: "Wenn wir eine Ertüchtigung einer Werkhalle finanzieren, lassen wir schon in die Beratungen einfließen, dass wir empfehlen, dass man eine PV-Anlage aufs Dach baut.“ Wobei das inzwischen schon von den Kunden selbst komme: „Die Motivation ist deutlich erhöht durch die gestiegenen Energiekosten.“

Der Transformationsprozess habe sogar ganz klassische Ölfirmen erfasst, sagt Gerhard Burr. Er wisse zum Beispiel, dass das französische Unternehmen Total Energies, das auch hier in der Region einige Tankstellen hat, sehr viel in erneuerbare Energien investiere. Das Beispiel zeige, dass es einen „fließenden Übergang“ gebe, der eine Schwarz-Weiß-Auswahl von Unternehmen für einen nach Nachhaltigkeitskriterien zusammengestellten Fonds gar nicht so einfach mache. Da müsse man dann im Einzelfall entscheiden, ob man trotzdem sein Geld investieren wolle.

„Die Spielregeln werden von den Kunden definiert“

Insgesamt ist die Beratung und Auswahl für die richtige Anlage-Strategie eine sehr individuelle Geschichte. Wie läuft so ein Beratungsgespräch bei der Bank ab? „Die Spielregeln werden von den Kunden definiert“, sagt Bankberater Timo Weller. „Wir hören zu, was ihnen wichtig ist, damit sie dann das bekommen, was sie suchen.“ Und ein Trend sei dabei ganz klar erkennbar: Immer mehr Kunden seien nachhaltige, ökologisch, ethisch und sozial gute Anlagemöglichkeiten wichtig. Die Zeiten, in denen lediglich das magische Dreieck aus Sicherheit, Rendite und Liquidität gezählt habe, seien vorbei.

Zur Bewertung von Unternehmen in der Zusammenstellung zum Beispiel für Fonds gibt es klar festgelegte Kriterien. Partner der genossenschaftlich organisierten Winterbacher Bank ist in diesem Bereich die DZ-Bank. Diese übernehme die Beurteilung von Unternehmen nach den Nachhaltigkeitskriterien, für die das Kürzel ESG stehe, sagt Gerhard Burr. Dahinter verbergen sich die Begriffe „Environmental“ (Umwelt), „Social“ (Soziales) und „Governance“ (Unternehmensführung).

Daraus entstehen dann verschiedene Klassen von Fonds mit verschiedenen Graden der Nachhaltigkeit. So gebe es Fonds, in denen zum Beispiel Energiekonzerne, die noch mit fossilen Energieträgern arbeiten, ausgeschlossen seien. In anderen sei ein Mix möglich. Es gebe dabei durchaus nachhaltige Fonds, die sich aus Rendite-Gesichtspunkten keinesfalls hinter konventionellen Angeboten verstecken müssten, sagt Weller.

Bei „wirkungsbezogenen Investitionen“ sei das Angebot „noch relativ überschaubar", sagt der Berater. Damit meint er zum Beispiel gezielte Investitionen des angelegten Geldes in Forschung und Entwicklung im Bereich Klimaschutz. Und es gibt zum Beispiel Fonds, zu denen Hilfsorganisationen wie „Brot für die Welt“ gehören.

Aktienfonds sind eine langfristige Anlagemöglichkeit

Wer sein Geld in Aktienfonds anlege, müsse auf jeden Fall langfristig denken, betont Gerhard Burr. Das sei nichts für Menschen, die schon wissen, dass sie ihr Geld schnell wieder brauchen, also auf Liquidität angewiesen seien. Bei Aktienfonds müsse man, je nach gewählter Risikoklasse, durchaus auch mal mit kurzfristigen Kursverlusten kalkulieren – die sich aber langfristig wieder ausgleichen würden. Man investiere sein Geld in Substanz, betont Burr.

Überhaupt das Stichwort Risiko: Es werde in Deutschland bei Geldanlagen zu einseitig über mögliche Risiken geredet, findet er. „Eine Anlage auf dem Sparbuch ist auch nicht ohne Risiko.“ Wer bei einer Inflationsrate von zehn Prozent, wie sie derzeit Sachlage ist, am Jahresbeginn 10.000 Euro auf dem Konto habe, der habe am Jahresende, selbst wenn sich der Kontostand gar nicht verändert habe, real nur noch 9000 Euro - weil die Kaufkraft gesunken ist, er sich mit seinem Geld also weniger kaufen kann.

„Das ist sicher dieses Jahr“, sagt Timo Weller. „Daran kommen wir nicht vorbei.“ Wer aber nur die 10.000 Euro auf seinem Konto sehe, der erkenne das vielleicht gar nicht. „Das führt psychologisch in die Irre“, sagt Gerhard Burr. Es gehe beim Geldanlegen deswegen darum, den Kaufkraftverlust auszugleichen.

„Die jungen Menschen lernen dabei auch das Sparen“

Der Vorstand der Winterbacher Bank hält das Thema Geldanlage deswegen insbesondere für junge Menschen für ein enorm wichtiges, bei dem es in der Wissensvermittlung großen Nachholbedarf gebe. In Schule und Ausbildung komme es praktisch nicht vor. „Ich kann das jedem jungen Menschen nur empfehlen“, sagt Burr. Schon ab 25 Euro monatlich könne man einsteigen und sich so über die Jahre einen Grundstock aufbauen, der einem später bei Familiengründung oder Hauskauf helfen könne. Nebeneffekt: „Die jungen Menschen lernen dabei auch das Sparen.“

Wer im Moment sein Geld einfach auf dem Spar- oder Girokonto liegenlässt, der akzeptiert, dass es dort schleichend weniger wird. Die Teuerung, die Inflation, sie frisst die Kaufkraft auf. Die Winterbacher Bank rät deswegen unbedingt dazu, Geldanlagen wie Aktienfonds ins Auge zu fassen. Zunehmend gibt es dabei auch Angebote, die als nachhaltig zertifiziert sind, das heißt, in denen die enthaltenen Unternehmen auf Umwelt- oder Sozialstandards abgeprüft sind. Teilweise seien solche nachhaltigen

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper