Winterbach

51-Jähriger wagt Neustart in seinem Traumberuf in Winterbach

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Bodo Meyer schätzt den Kontakt mit den Kunden. „Sie haben ihn wegen seines Alters nicht als Auszubildenden wahrgenommen“, berichtet Chefin Roswitha Koch. © ZVW/Gabriel Habermann

Winterbach. Der „Salon Rosi“ in der Nähe des Bahnhofs wird dieses Jahr 25 Jahre alt. Die Inhaber, Roswitha und Friedrich „Fuzzy“ Koch, haben in dieser Zeit schon einige Lehrlinge ausgebildet. Doch dass sie Bodo Meyer eine Chance gegeben haben, das war nicht selbstverständlich. Er hatte, bevor er in dem Salon eine Stelle fand, zuvor 100 Bewerbungen geschrieben – und wurde zu keinem einzigen Gespräch eingeladen.

Auch als er im „Salon Rosi“ anrief, fragte ihn Roswitha Koch erst einmal, ob er eine Stelle für seine Tochter suche. „Nein, schon für mich“, antwortete der Mann, der damals noch in Neckarwestheim im Landkreis Heilbronn lebte. „Da mussten wir erst einmal umdenken“, erzählt Roswitha Koch. Sie hat schon am Telefon gehört, dass er etwas älter klang. Aber zum Gespräch eingeladen haben sie und ihr Mann den zu diesem Zeitpunkt 48-Jährigen trotzdem. Das ging dann ganze zwei Stunden und hatte zur Folge, dass Bodo Meyer zum Probearbeiten vorbeikommen durfte.

Vom Azubi zum Inhaber: Große Pläne für den 51-Jährigen

„Ich habe damals im Gespräch gemerkt, dass er unbedingt Friseur werden will“, sagt Friedrich Koch. „Mich hat das als Ausbilder gereizt, zu sehen, ob ich einem älteren Herrn das Schneiden beibringen kann.“ Geht man nach der Abschlussprüfung, die Bodo Meyer vor kurzem mit einem sehr guten Ergebnis bestanden hat, war das Unterfangen erfolgreich. Der Inhaber hat große Pläne für seinen jetzt ausgelernten Auszubildenden. „Das Endziel ist, dass er in ein paar Jahren den Laden übernimmt“, sagt er.

"In der Schule war es immer mein Traum, Friseur zu werden"

„Bis dahin gehen ja noch ein paar Jahre dahin“, kommentiert Bodo Meyer die Pläne. Er kann sich aber gut vorstellen, den Betrieb zu übernehmen. Führungserfahrung hat er schon. Bevor er seine Lehre beim „Salon Rosi“ begann, war er der Inhaber einer Baufirma. Weil er an seine körperlichen Grenzen stieß, beschloss er zunächst, ganz aufzuhören. Dann fragte ihn aber seine Tochter, was denn früher sein Traumberuf gewesen sei.

„In der Schule war es immer mein Traum, Friseur zu werden“, weiß Bodo Meyer noch heute. „Dann mach das doch einfach“, schlug seine Tochter vor. Mit 48 Jahren wollte er eigentlich keine Lehre mehr anfangen, aber schließlich einigte er sich mit ihr trotzdem darauf, Bewerbungen abzuschicken.

Als alle 100 erfolglos waren, schlug er als letzten Versuch ein Branchenverzeichnis auf. Zwei Seiten telefonierte er durch, ohne eine Einladung zu bekommen, bevor er bei der allerletzten Nummer - „kein Witz“, so Bodo Meyer - im „Salon Rosi“ landete. Auch nach dem Probearbeiten konnte er sich noch vorstellen, die Lehre in Winterbach anzufangen.

Die erste Ausbildung machte er zum Gas- und Wasserinstallateur

„Es war schwer“, sagt er über seine Anfangszeit. „Vor allem in der Schule.“ Knapp 30 Jahre war es her, seitdem er das letzte Mal die Schulbank drückte. Im Vergleich zu den anderen Auszubildenden sei er sehr alt gewesen.

Bei seiner ersten Ausbildung lernte er das Handwerk des Gas- und Wasserinstallateurs. „Heute wird aber viel mehr gefordert“, findet Bodo Meyer. Er ist wohl einer der wenigen Menschen, die einen direkten Vergleich ziehen können.

„Ich dachte, Friseur, das lernst du halt mal schnell“, sagt er. Heute weiß er: „Das war Quatsch.“ Nach ein paar Monaten sei er kurz davor gewesen, alles hinzuwerfen. Zu dem Zeitpunkt war er frustriert, merkte, dass es mit der Motorik nicht so klappte wie gewünscht, und arbeitete neben der Ausbildung zusätzlich abends, um sein Gehalt aufzustocken. „Aber alle hatten Geduld“, so Bodo Meyer. Seine Kollegen, aber besonders auch die Kundinnen und Kunden. Die schätzen ihn sowieso. „Er kommt unglaublich gut bei den Kunden an“, berichtet Chef Friedrich Koch.

Festanstellung im "Salon Rosi"

Bodo Meyer entschloss sich letzten Endes dazu, die Ausbildung zu beenden. Er übte viel – und nach und nach funktionierte es doch mit der Motorik. Auch die anderen Lehrlinge in der Schule merkten, dass man mit ihm Spaß haben kann. Heute ist er froh, dass er dabei geblieben ist. „Es hat sich gelohnt“, sagt er. „Und es macht mir immer noch Spaß.“

Am liebsten arbeitet Bodo Meyer mit Farbe, kreiert außergewöhnliche Frisuren und solche, „die mit der Zeit gehen“. „Nichts Monotones“, betont er.

Monoton wird wohl auch seine Zukunft nicht werden. Im „Salon Rosi“ ist er inzwischen fest angestellt, seit eineinhalb Jahren wohnt er sogar in Winterbach. „Mir gefällt es hier gut“, sagt Bodo Meyer. Als Nächstes wolle er den Meister machen.

Und vielleicht begrüßt er ja wirklich in ein paar Jahren die Kundinnen und Kunden des Salons als dessen Inhaber.


Kaum Lehrlinge

„Wir kriegen keinen Nachwuchs mehr“, berichtet Friedrich Koch, Inhaber des „Salon Rosi“. „Früher hatten wir immer einen Stapel an Bewerbungen, heute kommt nichts mehr.“

„Das ist wie überall im Handwerk einfach weniger geworden“, bestätigt Roswitha Koch. „Ich glaube, die Hauptprobleme sind die Arbeitszeiten und die Bezahlung.“ Besonders in den letzten fünf Jahren seien die Bewerberzahlen eingebrochen.