Winterbach

Anstöße für ein anderes Einkaufsverhalten: Bürgergruppe holt Fair-Trade-Titel nach Winterbach

Fair-Trade-Gemeinde
Barbara Berger, Telse Engelken und Elke Stiller (von links) mit Fair-Trade-Stand auf dem Winterbacher Wochenmarkt, der dort einmal im Monat steht: Sie sind Teil der Gruppe, die sich darum gekümmert hat, dass sich Winterbach jetzt Fair-Trade-Gemeinde nennen darf. © ALEXANDRA PALMIZI

Deutschlandweit sind es fast 750 Städte und Gemeinden, im Rems-Murr-Kreis war bisher nur Schorndorf dabei. Jetzt trägt auch Winterbach ein „Fairtrade“-Siegel. Eine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern hat sich dafür eingesetzt und sich mit Unterstützung der Gemeinde an der Kampagne „Fairtrade-Towns“ beteiligt. Voraussetzung dafür waren unter anderem Aktionen und Infoveranstaltungen zum Beispiel an der Lehenbachschule und die Beteiligung von örtlichen Händlern und Gastronomen. Am Thema fairer Handel ist die Gruppe aber nicht erst seit gestern dran. Und Elke Stiller sagt: „Unsere Arbeit geht jetzt weiter. Wir wollen erreichen, dass die Menschen in Winterbach ihr Einkaufsverhalten ändern und überprüfen.“

Aufklärungs- und Informationsarbeit spielt eine wichtige Rolle

Voraussetzung dafür, dass sich Winterbach jetzt als Fair-Trade-Gemeinde bezeichnen darf, ist auch der Anspruch, Aufklärungsarbeit zu machen und Informationen zum Thema weiterzutragen im Ort. Diesen Anspruch haben sie in Winterbach unter anderem umgesetzt durch eine Veranstaltung mit dem Repair-Café zum Lieferkettengesetz oder durch eine Aktionswoche an der Lehenbachschule, während derer sich Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen Aspekten fairen Handels befasst haben.

Fairer Handel, das heißt, zum Beispiel, dass die Produzenten einer Ware einen gerechten und auskömmlichen Preis dafür bekommen, dass also Händler, Konsumenten und Produzenten fair miteinander umgehen. Es kann dabei um die Kaffeebauern in Südamerika oder um die T-Shirt-Näherinnen in Bangladesch gehen, aber natürlich genauso um den schwäbischen Milchbauern.

Es geht auch um die Produktionsbedingungen, also zum Beispiel die Garantie, dass die Menschen also zum Beispiel in der Fabrik oder auf den Feldern, keinen Gesundheitsgefahren ausgesetzt sind. Und es gibt eine ökologische Komponente, dass kein Raubbau an der Natur betrieben und die Umwelt nicht verschmutzt wird.

Fair-Trade-Siegel sogar beim Discounter

Fair-Trade-Siegel begegnen einem als Verbraucher mittlerweile beim Einkaufen fast überall, sogar in den Regalen der Discounter wie Penny, Aldi oder Lidl. Das am weitesten verbreitete Siegel mit einem schwarzen Männchen in einem blau und grün gefärbten Kreis prangt auch auf den Plakaten der Kampagne „Fairtrade-Towns“. Dahinter steckt der Verein Transfair, der auch die Kampagne organisiert. Das Siegel definiere einen Mindeststandard, auf den man sich als Verbraucher auch verlassen könne, sagt Elke Stiller von der Fairtrade-Steuerungsgruppe.

Damit Winterbach den Stempel Fairtrade-Gemeinde bekommen hat, musste zum Beispiel eine bestimmte Anzahl Händler und Gastronomen aus dem Ort mit ins Boot, die mindestens zwei Fairtrade-Produkte in ihrem Sortiment oder Zutaten haben. Bei den Supermärkten oder Lebensmittelhändlern wie Abramzik oder Frischemarkt Kefer sei das kein Problem gewesen, die hätten mehr als zwei faire Produkte in den Regalen, sagt Elke Stiller.

Bei den Gastronomen allerdings gestaltete sich die Suche nach Unterstützung für die Kampagne schwieriger. „Unser Glück war, dass sie im Pflegeheim der Awo jeden Tag frisch kochen.“ Die Küche dort verwende regionale Produkte und auch fair gehandelte aus anderen Ländern wie Reis, Zucker oder Gewürze. Außerdem ist noch die VfL-Vereinsgaststätte „Zum Stelio“ dabei. Alle, die mitmachen, dürfen sich selbst mit dem Faitrade-Town-Siegel schmücken.

Warum es so schwierig war, Gastronomen zu finden, die mitmachen, verstehe sie nicht ganz, sagt Barbara Berger von der Steuerungsgruppe. Bei zwei nötigen Produkten im Sortiment sei die Hürde nicht groß. Zucker, Tee, Kekse, vieles sei möglich. Vielleicht liege es daran, dass die Gastronomie gerade so gebeutelt durch die Corona-Krise sei. „Steter Tropfen höhlt den Stein“, meint Bürgermeister Sven Müller. Weitere Unterstützer könnten jederzeit noch dazustoßen. Die Steuerungsgruppe um Elke Stiller und Barbara Berger freut sich zudem über Winterbacher Bürger, die sich für das Thema fairer Handel engagieren wollen – auch junge Menschen, betont Berger.

Vereine und Kirchengemeinden sind mit im Boot

Schon mit im Boot, auch das ein Kriterium für die Vergabe des Titels der Fair-Trade-Gemeinde, sind auch Vereine und die Kirchengemeinden. Beide Gemeinden seien gerade ohnehin dabei, das Ziel zu erreichen, faire Kirchengemeinde zu werden. Die Gemeinde Winterbach selbst ist natürlich auch dabei, musste aber wenig tun. Nötig war lediglich ein Gemeinderatsbeschluss, dass das Projekt unterstützt wird. Außerdem schenkt die Gemeinde im Rathaus fair gehandelten Kaffee aus. Der Rat hat dazu noch vor Jahren schon beschlossen, dass auf den Friedhöfen sichergestellt sein muss, dass keine in Kinderarbeit hergestellten Grabsteine dort aufgestellt werden.

„Wir alle zusammen möchten erreichen, dass wir verstärkt über unseren eigenen Konsum, unser Handeln nachdenken“, sagt Barbara Berger. „Werden dadurch Umwelt und Natur geschädigt? Wird irgendwo auf der Welt Menschen Schaden zugefügt? Was können wir als Einzelne ändern?“ Dazu meint sie auch „Wenn ich an alle die wunderbaren Kinder überall auf der Welt denke, wenn ich an unser aller eigene Kinder und Enkelkinder denke, dann finde ich, dass keine Anstrengung je zu groß sein kann.“

Spendenaktion: Impfstoff für arme Länder

Um die faire Verteilung eines knappen Gutes geht es bei einer Spendenaktion, die die Winterbacher Agenda-Gruppe unterstützt. Das Hilfswerk Unicef sammelt Geld unter dem Stichwort „Nothilfe Coronavirus“, um Impfstoffe für Menschen in den ärmsten Ländern der Welt zu organisieren. Spendendosen stehen in Winterbach in den Apotheken, in manchen Arztpraxen, beim Modehaus Raithle und in den Kirchen. Mehr Infos unter www.unicef.de/covax.

Kontakt zur Winterbacher Agendagruppe oder zur Steuerungsgruppe, die sich um das Thema Fair Trade bemüht, gibt es per Mail an: agenda@winterbach.de oder fairegemeinde@winterbach.de.

Deutschlandweit sind es fast 750 Städte und Gemeinden, im Rems-Murr-Kreis war bisher nur Schorndorf dabei. Jetzt trägt auch Winterbach ein „Fairtrade“-Siegel. Eine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern hat sich dafür eingesetzt und sich mit Unterstützung der Gemeinde an der Kampagne „Fairtrade-Towns“ beteiligt. Voraussetzung dafür waren unter anderem Aktionen und Infoveranstaltungen zum Beispiel an der Lehenbachschule und die Beteiligung von örtlichen Händlern und Gastronomen. Am Thema fairer

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