Winterbach

Bäume durch Klimawandel im Überlebenskampf: Warum manchmal nur das Fällen bleibt

Waldschäden: Von oben herab trocknen die Buchen aus, da es zu wenig Regen seit ein paar Jahren gibt, die aktuelle Situation im W
Bei dem Baum sind die oberen Äste vertrocknet, ein Zeichen, dass der „Kampf ums Überleben begonnen hat“, sagt Harald Graß. © Benjamin Beytekin

Seit Jahren wächst im Wald die Not, weil es viel zu wenig regnet. Besonders die gute alte Buche, die Hauptbaumart hier in der Region, kommt mit der steigenden Hitze und dem fehlenden Wasser überhaupt nicht zurecht und stirbt. „Das ist ein schleichender Prozess“, sagt Förster Harald Graß. "Aber einer mit zunehmender Dynamik: Die Geschwindigkeit der Schädigung nimmt durch die extremen Trockenjahre zu." Dieses Jahr hätten viele Buchen im September ihre noch grünen Blätter abgeworfen. „Das ist eine Notreaktion. Der Baum will seine Verdunstungsoberfläche verringern, um sich vor dem Absterben zu retten, weil er einfach kein Wasser mehr hat, das er irgendwo im Boden noch saugen könnte.“

Ein geschädigter Baum erholt sich nicht mehr so einfach

Ein anderes Anzeichen seien im Wald Bäume, deren oberste Äste mitten im Sommer kahl und vertrocknet seien. Das seien Bäume, bei denen „der Kampf ums Überleben begonnen hat“, sagt Harald Graß. Die Schädigung sitze tief, davon erhole sich ein Baum nicht mehr so einfach.

Graß ist als Revierförster unter anderem für den Winterbacher Gemeindewald zuständig. Dort mussten zuletzt einige Bäume im Bereich des Lehenbachtals gefällt werden, weil sie solche Trockenäste im oberen Teil ihrer Kronen hatten. Diese Äste brächen dann auch leicht ab. Deswegen müsse man solche Bäume an kritischen Stellen wie an Spielplätzen oder viel begangenen Wegen im Wald rausnehmen. „Da müssen wir reagieren, das sind Verkehrssicherungsmaßnahmen“, sagt Graß. Zum Fällen der kompletten Bäume gebe es keine Alternative, so viele vertrocknete Äste könne man nicht alle einzeln absägen.

2022 sei man im Winterbacher Gemeindewald fast ausschließlich mit solchen Verkehrssicherungsmaßnahmen beschäftigt gewesen. Neben den Buchen seien dabei besonders die Eschen im Fokus, die durch eine Pilzkrankheit befallen seien - das sogenannte Eschentriebsterben. Andere Maßnahmen hätten deswegen zurückstehen müssen – und die eigentlich so wichtig wären, um den Wald für die weiteren Folgen des Klimawandels zu stabilisieren.

"Wir sprechen von Risikostreuung"

„Wir müssen eingreifen, um die Waldentwicklung in die richtige Richtung zu lenken“, sagt Harald Graß. Würde man ihn sich selbst überlassen, dann würden nämlich vor allem Buchen wachsen. Die Buche sei hier in der Region in ihrem optimalen Lebensraum, sie wachse auch schneller als andere Bäume, weil sie gut mit Schatten klarkomme, anders als zum Beispiel Eiche oder Kiefer, die Licht benötigen. Doch gerade Eiche oder Kiefer wollen die Förster mehr im Wald haben, weil sie besser mit Hitze und Trockenheit klarkommen. Es gehe darum, zu vermeiden, dass der Wald von einer einzigen Baumart dominiert werde. „Wir sprechen von Risikostreuung“, sagt Harald Graß.

Auf Neupflanzungen, so sei die Philosophie, verzichte man dabei weitgehend, sondern setze auf die Steuerung der Naturverjüngung, arbeite also mit den Bäumen, die ohnehin im Wald wachsen. Junge Buchen sägen die Förster dann eher mal um, um anderen Bäumen eine Chance zu geben. 2020 wurden im Winterbacher Gemeindewald allerdings zum Beispiel 100 Elsbeeren und 240 Douglasien neu gepflanzt. Diese sind, wie Harald Graß kürzlich im Gemeinderat berichtete, sehr gut angewachsen. „Ich bin erstaunt, wie gut vor allem die Douglasien angewachsen sind, trotz der extremen Trockenheit.“ Gegossen habe man kaum. „Das zeigt auch, dass die Douglasie eine Baumart ist, mit der wir in Zeiten des Klimawandels arbeiten müssen.“

Eins kann man aus Sicht von Harald Graß auf keinen Fall: nichts tun und warten, dass der Wald sich von selbst Veränderungen anpasst. Es sei richtig, dass es solche Veränderungen des Klimas schon immer gegeben habe. Sie seien aber sehr langsam über viele Hundert Jahre hinweg passiert. Jetzt passiere das alles in sehr kurzer Zeit. „Der Wald kann sich nicht in der Geschwindigkeit, mit der die Klimaerwärmung kommt, ausreichend anpassen“, macht der Förster deutlich.

Es gebe da auch noch viele Unbekannte, man könne sich zum Beispiel nicht sicher sein, ob die Baumarten aus dem Mittelmeerraum, die Hitze und Trockenheit gewohnt seien, in unserer Region überhaupt grundsätzlich zurechtkommen. Die Maßnahmen der Förster sind aber keine Bauchentscheidungen, sondern werden wissenschaftlich begleitet, betont Harald Graß. „Wir arbeiten mit der Forstlichen Forschungs- und Versuchsanstalt Baden-Württemberg zusammen.“

Seit Jahren wächst im Wald die Not, weil es viel zu wenig regnet. Besonders die gute alte Buche, die Hauptbaumart hier in der Region, kommt mit der steigenden Hitze und dem fehlenden Wasser überhaupt nicht zurecht und stirbt. „Das ist ein schleichender Prozess“, sagt Förster Harald Graß. "Aber einer mit zunehmender Dynamik: Die Geschwindigkeit der Schädigung nimmt durch die extremen Trockenjahre zu." Dieses Jahr hätten viele Buchen im September ihre noch grünen Blätter abgeworfen. „Das ist

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