Winterbach

Bürgermeister Müller und seine Pläne

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Amtseinführung
„Nach bestem Wissen und Gewissen“: Sven Müller legt den Eid ab, der stellvertretende Bürgermeister Rudi Rörich sprach ihm die Formel vor. © Büttner/ ZVW
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Eine Winterbacher Spezialität: Sven Müller (Zweiter von rechts) bekommt vom Zeremonienmeister, dem stellvertretenden Bürgermeister Rudi Rörich, den Ratstrunk überreicht. Zwei junge Musikerinnen des Musikvereins Trachtenkapelle in der Winterbacher Tracht und die stellvertretende Bürgermeisterin Heidi Vogel-Krüger assistieren. © Büttner/ZVW
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Ernster Blick auf die Herausforderungen, die ihn erwarten: Sven Müller bei seiner Antrittsrede. © Büttner/ ZVW
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Gut gelaunt: Müllers Amtsvorgänger Albrecht Ulrich, einer von drei in der Halle anwesenden Winterbacher Bürgermeistern a.D., mit Gattin Carmen © Büttner/ZVW
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Mit dem Neuzugang „immer auf einem Aufstiegsplatz“: Der Remshaldener Bürgermeister Stefan Breiter, als Hauptamtsleiter Müllers früherer Chef, begab sich bildlich in die Welt des Fußballs. © Büttner/ZVW
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Will den Gemeinderat wie eine Mühle im Takt klappern hören: Landrat Richard Sigel nahm Müllers Namen wörtlich. © Büttner/ZVW

Winterbach. Es war ein herzlicher Empfang für den neuen Bürgermeister. Die Stühle in der Lehenbachhalle reichten nicht aus, um allen Platz zu bieten, die bei Sven Müllers Amtseinsetzung in Winterbach dabei sein wollten. Der Neue zeigte sich erfreut – und warf dann einen sehr nüchternen Blick voraus mit einigen klaren Linien, wie er die Gemeinde führen will, und der Ankündigung von „schwierigen Entscheidungen“.

Video: Der neue Chef im Winterbacher Rathaus Sven Müller

Rudi Rörich, der stellvertretende Bürgermeister und BWV-Gemeinderat, hatte am Ende das Gefühl, dass er dem Ton der Veranstaltung noch eine positive Wendung hinzufügen musste. „Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem schönen Beruf!“, rief er Sven Müller vom Rednerpult aus zu, als er den offiziellen Teil der Veranstaltung schloss. Viele seiner Vorredner, so stellte Rörich fest, hätten nämlich vor allem über die Probleme gesprochen und darüber, wie schwierig es ist, Bürgermeister zu sein. Dabei sei es doch vor allem: ein schöner Beruf.

Dem würde Sven Müller bestimmt nicht widersprechen. Am 3. Juli wurde er mit fast 80 Prozent der Stimmen gewählt. „Voller Zuversicht und Freude“ trete er nun sein Amt an, sagte der 40-Jährige in seiner Antrittsrede. Obwohl er angab, die Arbeit an eben dieser Rede habe ihm „Schweißperlen auf die Stirn getrieben“: Bloß kein Fauxpas vor so vielen bedeutenden Gästen, Bürgermeisterkollegen, Landrat und Landtagsabgeordneten!

Gartenarbeiten und harte Böden

Er hat sich natürlich nicht blamiert. Sven Müller zeigte wie im Wahlkampf, dass er gut vorbereitet ist und nichts dem Zufall überlässt. Seine Rede war wohlformuliert, er las sie flüssig vom Blatt ab. Er fand darin warme Dankesworte für seine Wähler und seine Unterstützer, vor allem seine Familie. Aber er sparte sich große, gefühlige oder blumige Ausschweifungen und kam recht schnell und nüchtern zur Sache.

Zuvor trat eine ganze Reihe von Grußwortrednern auf. Mehrere griffen dabei zu Bildern, um den Beruf des Bürgermeisters zu beschreiben. Landrat Richard Sigel sprach in Anlehnung an Müllers Namen von der „kommunalpolitischen Mühle“ und wünschte, dass sie „rund läuft“ und „im Gemeinderat alles im Takt klappert“.

Die Personalratsvorsitzende Birgit Sengenberger erinnerte sich, dass Müller im Wahlkampf erzählt hatte, dass er sich in seiner Freizeit gerne seinem Garten widmet, und sah dabei eine Analogie zu seinem Amt: „Mancher Boden muss hart bearbeitet werden.“

Und Müllers Ex-Chef, der Remshaldener Bürgermeister Stefan Breiter, bediente sich beim Fußball: „Ich bin überzeugt, dass die Gemeinde Winterbach mit Sven Müller viele Tore schießen wird.“ Außerdem werde die Gemeinde, was ja eben so wichtig ist, auch wenige Gegentore bekommen und „immer auf einem Aufstiegsplatz“ sein.

„In der glücklichen Lage, ein sehr gut bestelltes Haus zu übernehmen“

Müller selbst hatte auch ein Bild parat. Er sah sich „in der glücklichen Lage, ein sehr gut bestelltes Haus zu übernehmen“, das seine Amtsvorgänger aufgebaut und weiterentwickelt hätten. „Ich verspreche Ihnen, dass ich alles dafür tun werde, ebenfalls ein guter Hausherr für Winterbach zu sein.“

Natürlich wusste er, was auf ihn zukommt, und dass das Winterbacher Haus zwar gut in Schuss ist, die Haushaltskasse dafür aber ziemlich leergefegt. „So schlimm wird’s scho net sei“, habe er im Vorfeld gedacht. Jedoch: „Leider hat mich der Kämmerer heute Morgen bei der Bestandsaufnahme eines Besseren belehrt.“ Bei der Haushaltskonsolidierung stünden „schwierige Entscheidungen ins Haus“, kündigte der neue Hausherr an.

Trotzdem hat sich Sven Müller einige ehrgeizige Ziele für seine ersten 100 Tage im Amt gesetzt. Vier „Schwerpunktthemen“ nannte er in seiner Antrittsrede (siehe „Müllers Ziele“). Darunter sind zwei Punkte, die den Aufbau von Personal im Rathaus mit sich bringen – ein Thema, an dem sich sein Vorgänger Albrecht Ulrich im Gemeinderat die Zähne ausgebissen hat. Müller bezeichnete seine Zielsetzungen selbst als „ambitioniertes Programm“. Dabei wisse er allerdings um eine „schlagkräftige Truppe“ im Rathaus. Und er „hoffe auf einen Gemeinderat, der meiner persönlichen Handschrift ebenso wohlgesonnen ist“.

Langer Applaus für den neuen Bürgermeister

Wichtig sei ihm, so Müller, „dass die zukünftigen Entscheidungen in den Winterbacher Gremien auf einem größtmöglichen Konsens basieren und nicht von Konfrontation bestimmt werden“. Damit sprach Müller nicht nur das Verhältnis von Gemeinderat und Verwaltung an, sondern auch das zu den Bürgern: „Demokratie, zumal auf der kommunalen Ebene, lebt nun einmal davon, dass möglichst viele Bürgerinnen und Bürger hinter den Entscheidungen der Verantwortungsträger stehen.“ Das will Müller durch „Überzeugungsarbeit, Transparenz und Unvoreingenommenheit auf allen Seiten“ erreichen.

Bei seiner Amtseinsetzung zumindest schlug dem neuen Bürgermeister großes Wohlwollen entgegen, er bekam langanhaltenden Applaus. Ein Winterbacher Bürger meinte hinterher, das sei eine gute Veranstaltung gewesen. „Ich zumindest habe mich wohlgefühlt.“ Wenn die Winterbacher das einmal über die Zeit mit Müller als Rathauschef sagen, dann wäre das wohl das größte Kompliment.

Müllers Ziele für die ersten 100 Tage:

  • Bürgerbeteiligung: „Mein Anspruch ist es, die Einwohnerschaft projektbezogen stärker einzubinden. Mit dem Ziel, dadurch der Politikverdrossenheit entgegenzuwirken und mehr Transparenz herzustellen.“ Sven Müller denkt aktuell zum Beispiel an die Gartenschau. Und er hat die Frage im Blick, „wie wir Jugendliche zukünftig bei Planung und Vorhaben beteiligen, wenn es um deren Interessen geht“.
  • Flüchtlinge: Bisher hätten die Betreuung und Integration der Flüchtlinge vor allem die Ehrenamtlichen des Arbeitskreises „Ankommen“ gestemmt, so Müller. Das soll sich ändern: „Das Ehrenamt kann diese Herkulesaufgaben auf Dauer nicht alleine leisten.“ Deswegen will er schnell die Stelle besetzen, die zu zwei Dritteln durch einen bereits bewilligten Landeszuschuss für drei Jahre finanziert wäre. Außerdem will er sein Wahlkampfversprechen einlösen und einen „Runden Tisch Integration“ ins Leben rufen.
  • Sozialer Wohnungsbau: Dieses Thema sieht Müller für die Flüchtlingsintegration als wichtig an, aber auch für alle Menschen „mit keinem oder geringem Einkommen“. Schon in den nächsten Wochen will er im Gemeinderat das Vorgehen bei diesem Thema klären. Winterbach allein könne aufgrund seiner Größe und seiner Finanzlage nicht viel machen. Für eine Zusammenarbeit kämen Stiftungen, Wohnungsbaugesellschaften oder Privatinvestoren infrage. „Vielleicht gibt es aber auch Interesse umliegender Kommunen, eine interkommunale Wohnungsbaugesellschaft zu diesem Zweck zu gründen.“
  • Schulsozialarbeit: Dieses Thema kam im Wahlkampf durch die Frage einer Schülerin der Lehenbachschule auf, die von Müller wissen wollte, ob er sich für die Schulsozialarbeit an der Grundschule einsetzen will. Ja, will er – das war schon damals Müllers Antwort, die er jetzt bekräftigte. Auch hier will er Zuschüsse des Landes nutzen, um die Personalkosten in Grenzen zu halten.