Winterbach

Beim neuen Trimm-dich-Pfad in Winterbach lassen sich Körper und Geist auf Frequenz bringen

TrimmDich02
„Hoch das Bein“ fürs Balancetraining - Bürgermeister Sven Müller findet zur Contenance. © Ralph Steinemann Pressefoto

Das liebliche Lehenbachtal ist bei Alt und Jung beliebt. Künftig macht ein Trimm-dich-Pfad den geschotterten Waldweg entlang des sich schlängelnden Bachlaufs noch attraktiver für Spaziergänger, Jogger, Walker und Radfahrer. Und er könnte die durch Corona eh schon gestiegene Lust, sich draußen an der frischen Luft zu bewegen, zusätzlich anheizen.

Als Sven Müller den Trimm-dich-Pfad taufte

Das Startband geht an der ersten von sechs Stationen entzwei: Rund 150 Meter vom Waldrand aus bachaufwärts, gut eingefügt in die Natur, dort zur Linken verfolgen einige versammelte Sportsfreunde und Freizeitsportler, wie Bürgermeister Sven Müller und Jugendreferent Christoph „Bolle“ Reith das symbolische Band durchtrennen. Sie sind grad fertig, machen sich auf Baumstümpfen für die erste Übung parat, da haut es durch die hohen Baumkronen schwere Tropfen hinab.

Diese „Taufe“ des Trimm-dich-Pfads erschwert die ohnehin fordernden Stehversuche auf einem äußerst kippeligen Untergrund: Die dem Balanciergerät „Rola Bola“ nachempfundene Konstruktion aus Brett und Stamm ist nicht nur eine Herausforderung für die Contenance, sondern auch extrem rutschig.

Einige Kinder machen gleich mit

Da rutschen die Turnschuhsohlen beider Kontrahenten ab, die sich aber bei Wechselsprüngen auf Holzstämmen an Station zwei umso leichter tun: Ein Bein ist dabei immer am Boden oder sie überspringen einen Stamm, was auch im inzwischen abklingenden Regen gut machbar ist. Einige Kinder machen auch gleich fleißig mit, ziehen die Mamas und Papas mit, einige Kinder entdecken auch sogleich eine flache Stelle am Bach und spielen am Wasser.

In die Natur eingefügt und gebaut mit dem, was die Natur bietet

Dass der Trimm-dich-Pfad schön eingefügt ist in die Natur, ist eine Besonderheit. Die zweite: Das „Trimmen“ hat eine nicht rein körperliche Bedeutung. „Bolle“ stellt eine Parallele her zwischen dem „Trimmen“ als körperliche „Leistungssteigerung durch beständiges Üben“ und dem Glauben. Im technischen Umfeld stehe „trimmen“ für eine „Neujustierung“, den Vorgang der „Neuausrichtung“ von Geräten wie etwa dem Radio.

„Man schaut, ob man noch auf Frequenz ist“, so der Jugendreferent. Im sportlichen Kontext zeigten sich nur bei regelmäßiger Aktivität Erfolge: Man fühlt sich fitter, die Kondition ist besser, man ist weniger verspannt. Beim Glauben sei es ebenso, man entscheide sich nicht nur einmal für den Glauben, sondern richte ihn „immer wieder neu aus“.

Anderthalb Kilometer lange Strecke für die Muskeln

Von Kopf bis Fuß lassen sich auf der 1,6 Kilometer langen Strecke diverse Muskelpartien neu einrenken. Einmal schön durchbewegt, erfahren sie eine neue Kräftigung: Die Bauchmuskulatur und Rückenmuskeln kriegen was zu tun, man übt sich im Weitsprung und Ausfallschritt, hebt und senkt Äste hinter dem Rücken, vollführt an Baumstümpfen Hocksprünge und Rückwärts-Liegestützen, sogenannte „Baumstamm-Dips“.

Bis auf einige Fahrradreifen zum Durchdribbeln bestehen die Geräte aus dem nahe liegenden und nahe wachsenden Naturmaterial Holz. Der CVJM hatte sein erstes Fitnesstraining schon beim Bau, denn jeder Stamm ist handgeschält. Nichts sei vom Sägewerk vorgesägt geliefert worden, bestätigt Kerstin Schubert, die Zweite CVJM-Vorsitzende auf Nachfrage. „Wir haben die Stämme mit Räppeleisen geschält.“

Idee im März, Entscheidung im April, jetzt schon umgesetzt

Sportlich war auch das Tempo von der Idee bis zur Einweihung des „ersten Winterbacher Trimm-dich-Pfads“, der nach Aufkommen der Trimm-dich-Bewegung in den 1970er Jahren nun auch in Winterbach angelangt sei, wie Bürgermeister Müller verschmitzt anmerkt. Im März habe der CVJM seine Idee der Gemeinde unterbreitet, kurz darauf habe es die erste Begehung gegeben, Ende April dann der Beschluss des Gemeinderats, daraufhin wurde Holz bewegt.

Das CVJM-Waldsportplatzgelände sei vorübergehend eine Holzverladestation gewesen, hier wurde verschoben, geschleppt, geschält, gesägt. Zwei Bau-Samstage haben die jeweils 30 Helfer nach Auskunft von Kerstin Schubert in die Stationen gesteckt, unterstützt von örtlichen Handwerkern und Firmen, die mit Großgeräten und Baggern diverse Erdarbeiten übernommen haben, Flächen freigeräumt haben, Hackschnitzel zum Auffüllen geliefert und transportiert haben.

Selbst gebaute Holzhantelscheiben

Die CVJMler haben sich die Einrichtung und Möblierung der Stationen vorgenommen: Da sind Erdbohrer eineinhalb Meter tief hinabgesaust, um den Trimm-dich-Geräten zu einem sicheren Stand im Erdreich zu verhelfen. Selbst gebaut sind auch die Holzhantelscheiben zum Gewichtheben, an denen Bürgermeister Müller und „Bolle“ in bester Gewichthebermanier ordentlich „pumpen“. Nebenbei bleibt ausreichend Puste, um auf die immer wieder humorvollen Rufe der Zuschauer zu reagieren, die erwartungsgemäß jedes „Schwächeln“ des Schultes kommentieren.

„Hoch das Bein“, ruft’s zur präsentierten Standwaage. Während die beiden Testkandidaten fleißig und flapsig flachsend den Parcours einmal durchsporteln und als Abschluss an der Dehn-Station die geschundene Muskulatur wieder schmieren und entschleunigen, lohnt ein Blick auf die Schilder: Alle Übungen sind selbsterklärend. Die Piktogramme, wie die Körperhaltung und Position auszusehen haben, hat eine Grafikerin entworfen. Jede der mit anatomischem Sachverstand von Physiotherapeutin Elke Sommer zusammengestellten Sportaufgaben ist einem Symbol des CVJM zugeteilt.

Der Muskelkater des Bürgermeisters hält sich zum Glück in Grenzen

Schaf, Kreuz, Krone, Diamant und Salzstreuer sind jeweils mit einem erläuternden Text versehen und sollen Denkbewegungen im Geist in Gang setzen, die zur körperlichen Mobilisation passen. Das „Trimmen“ von Körper und Geist: Zu Wechselhopsern, Baumsprüngen und oberschenkelforderndem Hocksitzen liefert ein Schaf den geistlichen Impuls: „Es geht um das Glücksgefühl, dass man von Gott geliebt wird“, erklärt Kerstin Schubert. Wenn Schafe glücklich sind, dann hüpfen sie und gehen vor Freude „in die Luft“. Die Übungen für die Armmuckis denkt der CVJM im Kreuzsymbol weiter: Das Kreuz stehe für Jesus, der für uns gestorben ist. Um das Kreuz zu tragen, brauche es starke Muskeln und Schultern.

Den benötigten Bizeps hat offenbar Bürgermeister Sven Müller, der im Nachgang zur Einweihung per Mail mit augenzwinkerndem Smiley schrieb: „Zum Glück hält sich der Muskelkater in Grenzen. Hätte ich an jeder Station noch Wiederholungen durchgeführt, sähe es definitiv anders aus.“ Sein Lob geht an das ehrenamtliche Engagement. Der CVJM habe ein „tolles niederschwelliges Angebot“ installiert, um sich etwas bewegen und sportlich betätigen zu können“ – und das mit sportlichem Zeitplan von nur vier Monaten.

Das liebliche Lehenbachtal ist bei Alt und Jung beliebt. Künftig macht ein Trimm-dich-Pfad den geschotterten Waldweg entlang des sich schlängelnden Bachlaufs noch attraktiver für Spaziergänger, Jogger, Walker und Radfahrer. Und er könnte die durch Corona eh schon gestiegene Lust, sich draußen an der frischen Luft zu bewegen, zusätzlich anheizen.

Als Sven Müller den Trimm-dich-Pfad taufte

Das Startband geht an der ersten von sechs Stationen entzwei: Rund 150 Meter vom Waldrand

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper