Winterbach

Chaotische Reisesaison 2022: Zwei Experten geben Tipps für entspannten Urlaub

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Dirk Mölter vom Winterbacher Reisebüro und Ute Marx vom Reisebüro Knauss in Schorndorf. © Kleeb

Endlose Schlangen an der Flughafen-Security, verlorene Koffer, die nie wieder auftauchen, Streik und viel, viel zu wenig Personal – so in etwa sahen die Schlagzeilen der vergangenen Monate zum Thema Reisen aus. Aber ist die Lage wirklich so schlimm, wie oft dargestellt? Auf was Reisende aktuell achten sollten, erklären Dirk Mölter vom Winterbacher Reisebüro und Ute Marx vom Reisebüro Knauss in Schorndorf stellvertretend für „Best-Reisen“, einen Verbund unabhängiger Reisebüros, dem auch im Remstal einige Reiseanbieter angehören.

„Die Leute sind total verunsichert“, erzählt Ute Marx aus ihrem Alltag. Teilweise würden sie sogar Reisen stornieren, weil sie keine Lust auf das Chaos haben, das in den Medien beschrieben wird. „Sie sind reisehungrig, nehmen aber auch nicht alles, sondern haben klare Vorstellungen“, sagt sie. Zu diesen Vorstellungen gehören weder Streiks noch Flug-Annullierungen.

Kundschaft kommt nach schlechten Internet-Erfahrungen ins Reisebüro

Ein Gutes hat die aktuelle Situation allerdings für die Reisebüros, die während der Corona-Pandemie stark gelitten haben: Sowohl Ute Marx als auch Dirk Mölter berichten, dass sie viele Neukunden haben, die, statt im Internet zu buchen,  lieber in die Reisebüros kommen, damit sie einen kompetenten Ansprechpartner haben, wenn etwas schiefläuft. Manche, weil sie während Corona schlechte Erfahrungen machten, ihr Geld für stornierte Reisen nicht zurückbekamen. „Man kann eindeutig sagen, dass wir das Geld wesentlicher zügiger zurückbekommen haben“, ist sich Ute Marx sicher.

Trotzdem: Auf dem Niveau von 2019, einem, wie Dirk Mölter betont, wirklich fantastischen Reisejahr, sind die Buchungen in den Reisebüros noch lange nicht. Und auch die Umsetzungsquote, also die Zahl der nach Beratungen im Reisebüro tatsächlich dort ausgeführten Buchungen, sei nicht so wie gewohnt, berichtet Ute Marx. Teilweise sei daran sicher auch die Inflation schuld, viele Leute müssen sich bei gestiegenen Preisen und einer unsicheren Aussicht auf den Winter zweimal überlegen, ob sie wirklich in den Urlaub gehen.

Stuttgarter Flughafen besser aufgestellt

Wer es sich doch noch leisten kann, den erwartet laut Ute Marx und Dirk Mölter, die bei dieser Aussage auch auf ihre eigene Reiseerfahrung zurückgreifen können, nicht unbedingt das Chaos, das viele befürchten. „Es ist in Stuttgart nicht so wie in Köln/Bonn oder Frankfurt“, ist Ute Marx zum Beispiel überzeugt. Der lokale Flughafen sei deutlich besser aufgestellt. Dirk Mölter beruhigt zudem: Weil die Reisebüros untereinander vernetzt sind, bekommen sie auch mit, wie die Lage anderorts aktuell tatsächlich aussieht. „Es ist vielleicht morgens mal geschwind viel los am Flughafen, aber das ist auch nicht immer so“, sagt Dirk Mölter.

Und was ist mit den vielen verlorenen Koffern, von denen berichtet wird? Ute Marx hat nicht den Eindruck, dass die Koffer ihrer Kundschaft im Moment öfter verloren gehen, sagt aber: „Wenn doch, dann warten sie länger auf sie.“ Dirk Mölter bestätigt das. Aktuell habe er Kunden, die schon seit vier Wochen auf ihren verloren gegangenen Koffer warten. Allgemein sei es ratsam, immer Kleidung und Badartikel für einen Tag ins Handgepäck zu packen und Koffer gemischt zu packen, wenn man zu zweit oder in der Gruppe verreist, so dass, wenn doch mal ein Koffer verloren geht, alle Reisenden noch Kleidung dabeihaben.

Dirk Mölter: „Unsere Branche kommt nicht zur Ruhe.“

Trotz der Meldungen der vergangenen Wochen sind beide Reiseexperten aber überzeugt: Es hat zwar gedauert, bis die Situation sich wieder eingespielt hat, aber bis auf den Lufthansa-Streik vor kurzem herrscht aktuell das ganz normale Sommerferien-Urlaubschaos. Was aber nicht bedeutet, dass die Reisebranche nicht insgesamt gebeutelt wäre.

„Unsere Branche kommt nicht zur Ruhe“, sagt Dirk Mölter. Gefühlt komme jeden Tag etwas Neues hinzu: Corona, Krieg, Streiks, Personalmangel. „Die Leute stehen in den Startlöchern und haben Lust aufs Reisen“, weiß er. Diese Probleme haben dem unbeschwerten Urlaub in den vergangenen Monaten und Jahren aber allzu oft einen Strich durch die Rechnung gemacht. Zudem fliegen noch nicht alle Flugzeuge wieder, es herrscht Personalmangel und einige Hotels haben die Pandemie nicht überlebt. All das treibt die Preise für Reiselustige nach oben. Und obwohl viele Ziele wieder angeflogen werden können, spielt auch Corona immer noch eine Rolle.

Hoher Aufwand für Reisebüros

„Wir brauchen aktuell das Doppelte an Zeit für Buchungen“, sagt Dirk Mölter. Regelmäßig müssen die Reiseexperten recherchieren, wie die Corona-Einreiseregeln in den einzelnen Ländern aussehen, und vor allem aufpassen, wie sie sich vom Zeitpunkt der Buchung bis zum Abflug der Kundinnen und Kunden verändern. Es komme zum Beispiel durchaus vor, dass ungeimpfte Kundinnen und Kunden eine Reise in ein Land buchen, in dem kein Impfnachweis erforderlich ist, die Regeln dann bis zum Abflug aber wieder geändert würden. Dann nehmen Dirk Mölter oder Ute Marx den Telefonhörer in die Hand, informieren ihre Kundschaft und suchen nach Alternativen.

Ebenso vorkommen kann es natürlich, dass Kundinnen und Kunden kurz vor dem Reiseantritt an Corona oder anderweitig erkranken und nicht fliegen können, Flüge annulliert werden oder Menschen auf einmal feststellen, dass ihr Reisepass während der Corona-Pandemie abgelaufen ist.

Lieber eine Flex-Option dazubuchen

Ute Marx und Dirk Mölter sind zwar stets bemüht, Flüge umzubuchen und über Reiseregeln aufzuklären, raten generell aber dazu, am besten pauschal und mit Flex-Option zu buchen. Das kostet zwar etwas mehr, dafür könne man aber kurzfristiger ohne Grund den Urlaub noch absagen und bekomme sein Geld zurück, auch ohne einen triftigen Grund zu haben. Und auch wenn ein Flug storniert werden sollte, müssen sich Anbieter von Pauschalreisen darum kümmern, wie ihre Kundinnen und Kunden trotzdem ins Hotel kommen – bucht man Flug und Hotel getrennt, dann muss man das Hotel unter Umständen auch zahlen, wenn man überhaupt nicht mehr anreisen kann.

Ute Marx: „Die Preise ändern sich schnell. Praktisch stündlich.“

Die Buchungen für den Herbst und Winter, so der Eindruck von Ute Marx und Dirk Mölter, werden bei ihnen aktuell noch zurückhaltend getätigt. Das führen die Reiseexperten auf die aktuell schwierige Inflationslage zurück. „Wenn man den doppelten Preis fürs Gas zahlt, kann ich das verstehen“, sagt Ute Marx. Dirk Mölter nennt das Beispiel von jungen Familien, die ein Haus (um)bauen und schwer an Handwerker und Materialien kommen, sich mit immer höheren Preisen konfrontiert sehen. Wer aber in den Urlaub fahren will, der sollte so früh wie möglich buchen.

Die Preise ändern sich schnell“, sagt Ute Marx. „Praktisch stündlich.“ Sie geht davon aus, dass die Preise fürs Reisen in den nächsten zwei Jahren weiter steigen werden. „Je voller ein Flugzeug, desto höher ist der Preis“, merkt Dirk Mölter zudem an. Spät buchen rentiere sich also zumeist nicht. So schnell buchen, wie bekannt ist, wann man verreisen möchte, ist also die Devise der beiden. Gerne auch jetzt schon für die Pfingstferien 2023, meint Dirk Mölter. Mit Flex-Option, so dass der Urlaub noch storniert werden kann, wenn etwas dazwischenkomme.

Endlose Schlangen an der Flughafen-Security, verlorene Koffer, die nie wieder auftauchen, Streik und viel, viel zu wenig Personal – so in etwa sahen die Schlagzeilen der vergangenen Monate zum Thema Reisen aus. Aber ist die Lage wirklich so schlimm, wie oft dargestellt? Auf was Reisende aktuell achten sollten, erklären Dirk Mölter vom Winterbacher Reisebüro und Ute Marx vom Reisebüro Knauss in Schorndorf stellvertretend für „Best-Reisen“, einen Verbund unabhängiger Reisebüros, dem auch im

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