Winterbach

Daniel Stimac ist Landesfotomeister

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Daniel Stimac mit zwei der Bilder, für die er bei der Landesfotomeisterschaft Punkte einheimste und am Ende den Titel davontrug: Rechts die Hochgeschwindigkeitsaufnahme eines zerplatzenden und mit Wasser gefüllten Luftballons, den er wie einen Schal um ein Modell geschlungen hat. © Habermann / ZVW
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Das Bild gehört zu den Fotos von Daniel Stimac, die bei der Landesfotomeisterschaft prämiert wurden. © Leonie Kuhn
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Das Bild gehört zu den Fotos von Daniel Stimac, die bei der Landesfotomeisterschaft prämiert wurden. © Leonie Kuhn
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Das Bild gehört zu den Fotos von Daniel Stimac, die bei der Landesfotomeisterschaft prämiert wurden. © Leonie Kuhn
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Das Bild gehört zu den Fotos von Daniel Stimac, die bei der Landesfotomeisterschaft prämiert wurden. © Leonie Kuhn
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Das Bild gehört zu den Fotos von Daniel Stimac, die bei der Landesfotomeisterschaft prämiert wurden. © Leonie Kuhn
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Das Bild gehört zu den Fotos von Daniel Stimac, die bei der Landesfotomeisterschaft prämiert wurden. © Leonie Kuhn
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Das Bild gehört zu den Fotos von Daniel Stimac, die bei der Landesfotomeisterschaft prämiert wurden. © Leonie Kuhn

Winterbach. So ein Model muss schon viel aushalten: Für eine Fotoserie hat Daniel Stimac einer jungen Frau immer wieder einen mit kaltem Wasser gefüllten Luftballon auf den Kopf geschmissen. Doch es hat sich gelohnt: Die Hochgeschwindigkeitsaufnahmen wurden jetzt vom Deutschen Verband für Fotografie ausgezeichnet und bescherten Daniel Stimac den Titel „Landesfotomeister“.

Auf den Bildern ist das Model, Alena Mayer, umkränzt von einem neonfarbenen Regen aus Wassertropfen. Auf manchen Fotos schlingt sich ein Schal aus Wasser um ihren Hals, auf anderen scheint sie einen wässrig-transparenten Hut zu tragen. Was aussieht, als wäre es mit Computertechnik entstanden, ist ein Foto, auf dem tatsächlich alles echt ist: Das arme Model wurde dafür wirklich ziemlich nass. „Die hat einige Luftballons über den Kopf gekriegt“, sagt Daniel Stimac. Zweieinhalb Stunden lang hat er Alena Mayer mit Wasserbomben bombardiert oder die um sie geschlungenen Ballons zerstochen.

Es geht um Sekundenbruchteile

Highspeedfotografie nennt sich das, was Daniel Stimac macht, zu Deutsch: Hochgeschwindigkeitsfotografie. Das heißt, es geht beim Auslösen von Blitz und Kamera um Sekundenbruchteile. Wie hat Stimac diese Fotos mit Wasserhut und Wasserschal hinbekommen? So schnell wie möglich auf den Auslöser zu drücken, das reicht da jedenfalls nicht. Man braucht Fantasie, Tüftlergeist und Grundkenntnisse in Elektrotechnik. Daniel Stimac hat eine Elektronikerlehre gemacht und technische Informatik studiert. „Ich habe mir so eine Anlage gebaut“, sagt der 43-Jährige und zeigt einen kleinen Kasten in der Form einer flachen Verperbox. Mit dem Gerät kann er präzise einstellen, wann der Blitz auslösen soll. Das Signal dazu kommt im Fall der Wasserbilder über Drähte in den Luftballons selbst.

Für die Wasserhüte zum Beispiel trug Alena Mayer Drähte auf dem Kopf, die zusammen mit einem anderen, im Luftballon steckenden Draht den Kontakt auslösten, als sie den Ballon durchstachen. Vorher schon hatte Daniel Stimac in der Badewanne experimentiert, um die richtige Auslösezeit für den Blitz zu ermitteln, damit der Ballon gerade geplatzt, aber das Wasser die Form noch nicht verloren beziehungsweise genau die eines Hutes über dem Modelkopf angenommen hatte.

Vom ersten Lehrlingsgeld als Elektroniker eine Kamera gekauft

Es steckt schon einiges an Tüftelei in den Fotos des Winterbachers. Der Weg sei auch das Ziel, sagt er. Heißt: Nicht nur das Ergebnis bringt ihm Freude, sondern auch die Tüftelarbeit, um es möglich zu machen. Dabei ist das Ganze ein Hobby für ihn, sein Geld verdient er als Systementwickler. Doch eine künstlerische Ader hatte er wohl schon immer in sich. Schon in Kindheit und Jugend malte er gerne und entdeckte auch früh die Liebe zur Fotografie. Von seinem ersten Geld, das er als 16-jähriger Elektroniker-Lehrling in der Tasche hatte, kaufte er sich eine Spiegelreflexkamera. Während des Studiums schlief das Hobby etwas ein, doch danach packte es ihn wieder.

In Winterbach lebt der gebürtige Balinger mit Frau, Sohn und Tochter seit 2001. „Durch den Job und die Familie komme ich eher abends zum Fotografieren“, sagt er. Deswegen mache er auch so viel mit Blitztechnik. Das kleine Schaltgerät, das auch für die Wasserballon-Fotos zum Einsatz kam, hat er sich ursprünglich für ein Shooting mit den Trampolinspringern des VfL Winterbach gebaut. Beim VfL ist er selbst in der Fußballabteilung aktiv in der Jugendarbeit und macht die Bilder für das Stadionheft der Winterbacher Kicker.

300 Fotografen reichten mehr als 1000 Bilder ein

Jetzt also baden-württembergischer Landesfotomeister. Der Deutsche Verband für Fotografie verleiht diesen Titel. 300 Fotografen haben sich darum in diesem Jahr mit mehr als 1000 Bildern beworben. Daniel Stimac nahm das zweite Mal nach 2014 teil. Damals holte er keinen Erfolg, durfte aber mit einem Foto aufs Titelbild des Katalogs zur Meisterschaft. Jetzt überzeugten gleich mehrere Bilder von ihm die Jury. Neben dem Wasserbomben-Model zum Beispiel eine Schüssel, die im Moment des Aufschlags auf einen Tisch mit einer im Schwung überschwappenden roten Flüssigkeit abgelichtet ist. Auch hier kam der selbstgebaute Schaltkasten zum Einsatz. Allerdings ausgelöst über ein Mikrofon, das den Aufprall der Schüssel auf der Tischplatte registrierte.

Jetzt erst hat Daniel Stimac an einem Projekt gebastelt, für das das Familienauto zum Einsatz kommt. Die Kamera hat er mit einem aus dem Mast eines Surfbretts bestehenden Arm darangehängt. Damit lässt er den Eindruck entstehen, als würde das Auto mit großer Geschwindigkeit dahinrasen, obwohl es sich nur sehr langsam bewegt. Den Kamera-Arm hat er dann hinterher rausretuschiert. Generell lege er aber Wert darauf, dass er möglichst wenig mit Bildbearbeitungsprogrammen an den Fotos machen muss. „Ich versuche, das perfekte Bild aus der Kamera zu bekommen“, sagt er.

Fotomeisterschaften

Alle insgesamt sehr sehenswerten, bei den Landesfotomeisterschaften prämierten Bilder gibt es zu sehen auf www.dvf-baden-wuerttemberg.de.