Winterbach

Das Dorffest auf dem Gartenbänkle

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Kornelius und Ingeborg Burkhardt an ihrem lauschigen Plätzchen vor dem Haus: „Man hat einander wichtig genommen.“ © Leonie Kuhn

Winterbach. 15 Bänkle-Gastgeber sind schon dabei. Am Sonntag, 25. Juni, findet in Winterbach ein besonderes Dorffest statt. Jeder, der ein Bänkle oder eine vergleichbare Sitzgelegenheit vor dem Haus hat, kann zum Gastgeber werden. Für Ingeborg und Kornelius Burkhardt ist es ein Rückgriff in frühere Zeiten, als die Sitzbank vor dem Haus noch das soziale Netzwerk war und nicht irgendeine Plattform im Internet.

Video: Ingeborg und Kornelius Burkhardt stellen das Konzept vor.

Es ist ein gemütliches Plätzchen, das Ingeborg und Kornelius Burkhardt da vor der Haustür haben. Abgeschirmt zur Straße hin von Hecken und Sträuchern, die aber nicht so hoch gewachsen sind, dass man keinen Kontakt mehr zu den Passanten auf der anderen Seite aufnehmen könnte. Rosen ranken sich über einen Torbogen, ein Ahorn und ein Lebensbaum beschatten das Gartenbänkle. Bei einem Glas erfrischendem Apfelsaftschorle erklärt Ingeborg Burkhardt die Idee hinter ihrem Bänkles-Hock.

Sie sei auf dem Land aufgewachsen, erzählt sie, am Rande des Schwarzwalds, in Betzweiler bei Freudenstadt. Damals sei es so gewesen: „Man hat viel geschafft, aber am Abend ist man auf dem Bänkle vor dem Haus gehockt.“ Dann sei der Nachbar vorbeigekommen, man habe viel erzählt, gefragt und geschwätzt über dies und jenes, dazu holte man den eigenen Most aus dem Keller. „Man hat sich Zeit geschenkt und einander wichtig genommen.“

Der persönliche Kontakt ist unersetzbar

Das gebe es heute in dieser Form nicht mehr, meint Ingeborg Burkhardt, nicht mal auf dem Land. Das Leben hat sich geändert, aber auch, der Umgang. „Heute spricht man ja elektronisch miteinander“, sagt Kornelius Burkhardt. An der Kommunikation über das Internet, über soziale Netzwerke und Messenger, also Programme und Apps, über die man sich in Echtzeit Nachrichten in Wort, Bild und Ton schicken kann, finden die beiden an sich nichts Schlechtes. Sie nutzen die Möglichkeiten selbst, zum Beispiel, um mit ihren erwachsenen Kindern in Kontakt zu bleiben. Aber das sei anders, sagt Ingeborg Burkhardt: „Man hat ganz viel Kontakt, aber man sieht sich nicht mehr. Man geht nicht Auge in Auge miteinander um.“ Der persönliche Kontakt, der sei nicht ersetzbar durch moderne Kommunikationsmittel, das gelte auch für das gar nicht mehr so neuartige Telefon.

Die Idee ist simpel

Das soll sich mit dem Bänkles-Hock ändern. Die Idee dazu gab ihnen eine kleine Broschüre, die ihnen in die Hände fiel: „Bänkle-Hock. Ein Dorffest, das sitzt“, war der Titel. „Da haben wir gesagt, das wäre auch was für Winterbach.“

Die Idee ist simpel: Jeder, der möchte und eine Sitzgelegenheit vor dem Haus hat oder eine aufstellen kann – es muss kein Bänkle sein, man kann auch Stühle hinstellen –, wird beim Bänkles-Hock zum Gastgeber. Es entsteht ein Dorffest, das nicht auf einem einzelnen Platz und einigen Bierbänken stattfindet, sondern im ganzen Dorf. „Man kann ganz einfach einen Sonntagsspaziergang machen und dabei mit einem Kaffee rechnen“, sagt Ingeborg Burkhardt.

Dorffest soll Menschen zusammenbringen

So soll „das Dorffest, das sitzt“, die Menschen zusammenbringen. Denn normalerweise hockt heute in Deutschland, wenn man durch die Straßen geht, ja kaum jemand vor seinem Haus. Der Normalfall ist, dass sich jeder auf seiner eigenen Terrasse einkapselt und meterhohe Hecken um seinen Garten wachsen lässt, damit ihm ja keiner in die Kaffeetasse gucken kann.

15 Bänkles-Gastgeber haben sich gemeldet

Ingeborg und Kornelius Burkhardt sind in der evangelischen Kirchengemeinde sehr aktiv. Dort sei auch ein Prozess im Gange, bei dem man versuche, die einzelnen Gruppen der Gemeinde und die mitwirkenden Personen, Jung und Alt, wieder mehr zusammenzubringen. Da passe der Bänkles-Hock gut ins Programm. Nach den ersten Werbeaktionen im Gottesdienst und im Winterbacher Mitteilungsblatt haben sich schnell 15 Bänkles-Gastgeber gemeldet. Vor dem 25. Juni soll im Blättle eine Karte erscheinen, auf der alle Stationen verzeichnet sind. Dazu sollen Schilder auf die Bänkle hinweisen. „Wir sind gespannt“, sagt Kornelius Burkhardt. „Es ist ein Experiment.“ Und Ingeborg Burkhardt fügt gut gelaunt hinzu: „Und wenn’s ganz arg schee wird, dann mach mer’s wieder.“

Mitmachen beim Bänkles-Hock am 25. Juni

Beim Bänkles-Hock als Gastgeber mitmachen kann jeder in Winterbach. Voraussetzung ist lediglich, dass der Gastgeber am Sonntag, 25. Juni, eine Gartenbank oder eine andere Sitzgelegenheit (Stühle, Bierbank etc.) vors Haus stellt, dazu etwas zu trinken, einen Krug Wasser, Most, Wein, eine Kanne Kaffee oder etwas anderes, ein paar Gläser, oder auch eine Kleinigkeit zu beißen. Aber bitte nicht zu viel Aufwand betreiben: „Wichtig ist die Begegnung“, sagen die Initiatoren.

Anmelden kann man sich bei Ingeborg und Kornelius Burkhardt telefonisch unter 07181/ 45543 oder per E-Mail an die Adresse kornelius.burkhardt@yahoo.de.

Bei der Anmeldung sollte man seine Adresse angeben und zu welcher Zeit man sein Bänkle für zwei Stunden zur Verfügung stellt: entweder von 14 bis 16 Uhr oder von 16 bis 18 Uhr. Die Aufteilung ist dafür da, damit die Gastgeber auch selbst Zeit haben, durch Winterbach zu wandeln und Gäste auf anderen Bänken zu sein.

Falls es am 25. Juni regnet, ist der Ausweichtermin der 2. Juli.