Winterbach

Diakon mit Abenteuerlust: Christoph Wiemann arbeitet in Weiler und Winterbach

Wiemann
Christoph Wiemann hat schon immer das Abenteuer gesucht: Als 17-Jähriger zog er mit 50 Mark trampend durch die DDR. © Privat

Christoph Wiemann kommt mit einer ungewöhnlichen Arbeitssituation als neuer Diakon in die evangelischen Kirchengemeinden Weiler und Winterbach, sein Wohnort ist Tübingen und er hat eine weitere Arbeitsstelle in Ludwigsburg. Er sagt über sich: „Ich bin für verrückte Ideen immer gerne zu haben.“ Dazu gehörte an anderer Wirkungsstätte ein Spielplatzgottesdienst mit Clown. Bei seiner Einführung im Gottesdienst in der Winterbacher Michaelskirche bezeichnete er sich als „eine Art Entwicklungshelfer für die Herzensgeschichten der Ehrenamtlichen“.

Das trifft auch in etwa die Stellenbeschreibung des 57-Jährigen in Winterbach und Weiler. Die beiden eigenständigen Kirchengemeinden wollen auf der Ebene der Ehrenamtlichen-Arbeit mehr miteinander kooperieren, Kräfte bündeln und sich vernetzen. Dafür ist eine 50-Prozent-Stelle entstanden, die Christoph Wiemann nun ausfüllt. Die Arbeit mit Ehrenamtlichen, das sei sein „Herzensthema“, deswegen habe ihn diese projektbezogene, auf fünf Jahre befristete Stelle gereizt.

Wegen politischem Aktivismus das Abitur verweigert

Geboren und aufgewachsen ist Christoph Wiemann in Sachsen-Anhalt. Dort hat er als junger Mann zunächst Dekorateur gelernt. „Obwohl ich Klassenbester war, konnte ich kein Abitur machen“, sagt er. „Ich durfte nicht, aus politischen Gründen.“ Weil er sich in der christlichen Jugendarbeit engagierte, galt Christoph Wiemann in der DDR als des politischen Aktivismus verdächtig. So kam es, dass er zunächst sechs Jahre als Dekorateur arbeitete und Polstermöbel nach Maß herstellte.

Ab 1987 studierte er jedoch Religionspädagogik bei der Kirche, was damals ohne Abitur möglich war. 1990, mit der Wende, begann er mit der Gemeindearbeit. „Das war eine sehr spannende Zeit“, sagt er. Der Neustart für das Land sei auch einer für die Gemeinden gewesen. Das prägte ihn, er bekam hautnah mit, was Kulturwandel bedeutet.

Gottesdienst auf Spielplatz mit Clown

Eine neue Herausforderung suchte und fand er dann in Bad Hersfeld in Hessen. „Man hat mich geholt, weil ich gerne neue Projekte ausprobiere und Sachen mache, die nicht so gängig sind.“ Dazu gehörte zum Beispiel ein Gottesdienst auf einem Spielplatz. „Im ersten Moment sah das aus wie ein Zirkusprogramm.“ Der Gottesdienst begann damit, dass ein Clown herumlief und dazu einlud. Dazu spielten eine Band oder Bläser. „Da war richtig laut was los.“

Der Clown, ein Zirkuspädagoge, war dann auch in der biblischen Geschichte beteiligt, die Thema der Gottesdienste war, inklusive passender Zirkusnummern, in die die Besucher einbezogen wurden. Das Format sei gut angekommen, erzählt Christoph Wiemann: „Da war die Bude voll.“ Das Besondere dabei war, dass das auf dem Spielplatz aufgebaute Zelt, halb offen war, so dass die Gottesdienstbesucher kommen und gehen konnten, wie sie wollten.

Will Wiemann solche Zirkusgottesdienste auch in Winterbach und Weiler aufziehen? Nicht unbedingt, meint er. Er will nicht mit fertigen Ideen kommen und sie seinen neuen Gemeinden überstülpen. „Es geht darum, dass die Leute vor Ort das Passende für Winterbach und Weiler entwickeln.“ Der Diakon sieht sich als Begleiter und Moderator.

Dabei kommt ihm auch seine Ausbildung als Supervisor zugute. Als solcher hat er in freiberuflicher Tätigkeit schon unterschiedliche Gruppen aus sehr verschiedenen Bereichen beraten von Bioläden über Schulen bis hin zu Krankenhäusern. Gekommen ist er zur Supervisionstätigkeit durch seine erste Stelle in Sachsen-Anhalt. Bei der Einrichtung einer Familienbildungsstätte in Salzwedel sei es in den Diskussionen immer drunter und drüber gegangen, sagt er. Deswegen habe er nach einem Weg gesucht, solche Prozesse besser begleiten zu können.

Burn-out als Thema in der Arbeitswelt und in der Familie

Gerade in den sozialen Berufen spiele die Supervision eine große Rolle, dass also jemand von außen komme und eine Selbstreflexion anleite, sagt Christoph Wiemann. Da sei das Thema Burn-out zum Beispiel ein großes. Das betreffe aber nicht nur die Arbeitswelt, sondern auch Familien. Bei jungen Müttern, die Familie und Beruf unter einen Hut bekommen müssen, habe er das zum Beispiel schon oft erlebt.

Neben seiner Tätigkeit in Weiler und Winterbach arbeitet Christoph Wiemann auf einer 50-Prozent-Stelle beim Evangelischen Bildungswerk und macht Bildungsarbeit für Seniorenmitarbeiter. Sein Wohnort ist Tübingen, wo er vor 14 Jahren seine Zelte aufschlug, als er nach Württemberg kam. Das heißt, er pendelt jetzt in einem Dreieck zwischen Tübingen, Ludwigsburg und Winterbach beziehungsweise Weiler und nennt sich deswegen selbst scherzhaft einen „wandernden“ oder „fahrenden“ Diakon. Das sei schon ungewöhnlich sagt er, es gebe nicht viele Kollegen, die das so machen.

Trampend mit 50 DDR-Mark unterwegs

Das Vagabundendasein liegt ihm offenbar im Blut. „Ich war schon immer kreativ unterwegs“, sagt er selbst. Mit 17 Jahren, nach der Schulzeit, zog er trampend durch die DDR, mit 50 Mark in der Tasche. Alle hätten gesagt, das schaffe er nie. „Ich habe aber gesagt, ich schaffe es, mit 50 DDR-Mark vier Wochen unterwegs zu sein.“ Und so war es dann auch: „Ich bin gut ausgekommen. Ich habe bei Bauern gearbeitet und dafür Übernachtung und Essen bekommen.“ Das habe sich dann in seinem Leben, „weiter ausgeprägt, dass ich gerne abenteuerlich unterwegs bin und Dinge ausprobiere, die man normalerweise so nicht macht“.

So ist er auch mal beruflich mit dem Wohnmobil unterwegs, das ansonsten aber eher für Urlaube genutzt wird. Entspannung findet Christoph Wiemann beim Beobachten seltener Vögel. Gerne in Kombination mit Kanufahren. Auf der Rems war er damit auch schon unterwegs. Überhaupt kennt er das Remstal und die Umgebung gut: Seine Frau Karolina stammt aus Rudersberg. Mit ihr hat er einen 21-jährigen Sohn, der derzeit in England lebt.

Auch Pfarrerin Eßlinger arbeitet bereits gemeindeübergreifend

Das Projekt der gemeindeübergreifenden Ehrenamtlichen-Arbeit, das Christoph Wiemann nun in Winterbach und Weiler verantwortet, ist auch mit auf die Umstrukturierungen der Gemeinden zurückzuführen. Es gibt keine zwei vollen Pfarrstellen mehr in Winterbach. Joachim Scheuber hat als geschäftsführender Pfarrer eine 100-Prozent-Stelle, daneben gibt es mit 50 Prozent Marcus Baumgärtner. Die restlichen 25 Prozent füllt Pfarrerin Carmen-Caterina Eßlinger aus, die auch die 75-Prozent-Stelle in Weiler innehat. So habe man entschieden, die Zusammenarbeit, die es auf verschiedenen Ebenen bereits gebe, bei den Ehrenamtlichen zu intensivieren.

In seinem Einführungsgottesdienst sprach Christoph Wiemann davon, zwar die Wirklichkeit zu sehen, „dass wir an manchen Stellen Dinge abbauen müssen“, dass man aber gleichzeitig miteinander Neues aufbauen könne. Er ist sicher: „Wir müssen vieles neu denken. Ich glaube nicht, dass man irgendwann einfach so weitermachen kann, wie es vor Corona gewesen ist.“ In diesen Entwicklungsprozess geht Wiemann jetzt mit den beiden Kirchengemeinden. Man darf gespannt sein, ob die eine oder andere verrückte Idee daraus entspringt.

Christoph Wiemann kommt mit einer ungewöhnlichen Arbeitssituation als neuer Diakon in die evangelischen Kirchengemeinden Weiler und Winterbach, sein Wohnort ist Tübingen und er hat eine weitere Arbeitsstelle in Ludwigsburg. Er sagt über sich: „Ich bin für verrückte Ideen immer gerne zu haben.“ Dazu gehörte an anderer Wirkungsstätte ein Spielplatzgottesdienst mit Clown. Bei seiner Einführung im Gottesdienst in der Winterbacher Michaelskirche bezeichnete er sich als „eine Art

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