Winterbach

Die Gartenschau-Station kommt doch

Aus für weiße Station in Winterbach droht_0
So sollte der Winterbacher Säulenrundbau im Entwurf des Architekturbüros Burger Rudacs aussehen. © Hans-Joachim Heyer + Boris Mikla

Winterbach. Der weiße Winterbacher Monopteros hat gewackelt, aber er fiel nicht: Nachdem es dem Architekturbüro, der Gemeinde und der Gartenschau-GmbH gelungen ist, die Kosten für den Säulenrundbau deutlich zu senken, gab es im Gemeinderat dafür noch grünes Licht. Zweifel blieben bei Manchen, ob das Bauwerk und vor allem sein Umfeld bis zum 10. Mai, dem Beginn der Remstal-Gartenschau, wirklich fertig sind.

Ende Januar hatte der Winterbacher Gemeinderat den Bau des Monopteros für die Gartenschau noch einstimmig abgelehnt. Zu heftig war den Räten der Kostensprung auf 218 000 Euro. Jetzt ist es der Architektin Birgit Rudacs im Zusammenspiel mit der Gartenschau-GmbH und der Winterbacher Gemeindeverwaltung gelungen, das Ding noch zu drehen: Durch eine Umplanung und erneute Verhandlungen mit weiteren Firmen liegen die erwarteten Kosten bei 140 000 bis 150 000 Euro.

Unter diesen Bedingungen stimmten jetzt 16 Mitglieder des Gemeinderats für den Bau der Gartenschau-Station. Drei blieben bei ihrem Nein. Der entscheidende Punkt war dabei, dass die Gemeinde Winterbach nur die Hälfte der Kosten, also 70 000 bis 75 000 Euro tragen muss. Der Verband Region Stuttgart hat zugesagt, den Rest zu übernehmen. Von den zwei Millionen Euro Fördermitteln der Region für die Gartenschau-Kommunen war noch so viel übrig, dass der Zuschuss möglich war. Nicht alle Kommunen hatten die möglichen Fördermittel komplett abgerufen.

Wilfried Steiner (SPD) sprach von einem „fatalen Signal“

Bürgermeister Sven Müller warb im Gemeinderat für den Monopteros, indem er versuchte, eine positive Grundstimmung in Bezug auf die Gartenschau zu erzeugen. Seine Erfahrungen auf der Tourismus-Messe CMT und die 50 000 bereits verkauften Remstal-Cards könnten denen, die am Erfolg der Gartenschau Zweifel gehabt hätten, die Anspannung nehmen. Der Monopteros sei wichtig: „Es geht hier um das letzte Puzzleteil in unserem Gartenschaubild.“ Eine Absage des Projekts, so Müller, würde dem Ansehen der Gemeinde schaden. Und es sei schon früh klar gewesen, dass der Säulenrundbau nicht für die 70 000 Euro zu haben sein werde, die zunächst als Rahmen gesetzt waren. Zudem seien 20 000 Euro für die Planung nun bereits ausgegeben, diese wäre bei eine, Rückzieher futsch.

Mit der Wirkung eines Rückzugs aus der Reihe der 16 Gartenschau-Stationen argumentierten auch mehrere der Gemeinderäte. Wilfried Steiner (SPD) sprach von einem „fatalen Signal“ an die vielen Ehrenamtlichen, die sich für die Schau ins Zeug legten. Klaus Dieter Gawaz bekundete für die CDU-Fraktion zwar „Bauchschmerzen“ angesichts der Kosten. „Aber es gibt ein ganz wichtiges Gut dagegen abzuwägen“, sagte er. „Das ist der Ansehensverlust der Gemeinde: Ich möchte eigentlich nicht das Gespött der anderen Kommunen sein.“

Helmut Nachtrieb (Bürgerliche Wählervereinigung) war einer, der bei seinem Nein zum Monopteros blieb. Er betonte zwar, er habe das „Tempele“ immer gut gefunden. „Aber ich schwebe schon im Jahr 2020, in dem wir an unseren Haushalt denken müssen.“ Dann müsse man diesen nach neuem Haushaltsrecht zwingend ausgleichen. „Ich habe Angst vor dem eisernen Sparkurs.“

Vogel-Krüger: „Interessiert daran, dass das Projekt nachhaltig genutzt wird“

Auch Nachtriebs BWV-Kollegen Bernd Waibel und Rainer Bäßler stimmten mit Blick auf die immer noch hohen Kosten gegen den Bau der Station. Nachtrieb betonte zudem: „Es kommen sehr viele Nebendinge auf uns zu, wir müssen da ein bisschen Infrastruktur drumrum schaffen.“ Rainer Bäßler gab zu bedenken: „Der Weg muss auch gerichtet werden.“ Er befürchtet, dass die Zeit bis zum Start der Gartenschau am 10. Mai zu knapp wird, und sprach von einem „Supergau“, stünden zum Gartenschau-Beginn Baumaschinen herum.

Über die Zeit nach der Gartenschau machte sich Heidemarie Vogel-Krüger (Grüne) Gedanken. „Wir sind daran interessiert, dass das Projekt nachhaltig genutzt wird“, sagte sie. Deswegen wolle sie jetzt schon alle Bürger, Schulen und Kindergärten aufrufen, sich Gedanken zu machen, was langfristig mit dem Monopteros passieren soll. Es könne nicht sein, dass dieser an markanter Stelle einfach herumstehe. „Wir müssen Kulturarbeit leisten“, sagte auch Rudolf Rörich (BWV). Der Monopteros müsse zum Leben erweckt werden und könne dadurch ein Winterbacher Kulturgut werden. Der Standort mit der Juliusquelle und dem Kneippbecken des Heimatvereins sei keineswegs ein „toter Winkel“. Wie andere sieht Rörich den Ausblick aufs Remstal und den renaturierten Flussabschnitt als Pluspunkt.


Die Stationen der anderen Gemeinden

Bisher ist von den 16 Stationen in den 16 Gartenschau-Kommunen nur der Hochzeitsturm in Plüderhausen fertig gebaut. Dieser ist aber auch die einzige Station, die tatsächlich komplett vor Ort gemauert wurde.

Alle anderen Objekte und Bauwerke werden vorgefertigt und dann nur noch aufgestellt oder vor Ort zusammengesetzt, wie Claudia Ingelmann die Pressesprecherin der Gartenschau-GmbH erklärt. Deswegen rechnet sie damit, dass alle 16 Stationen rechtzeitig bis zum Gartenschau-Beginn am 10. Mai stehen.

Wackelkandidat ist derzeit aber noch Mögglingen: Dort ist immer noch nicht klar, wo die Skulptur der römischen Freiheitsgöttin Libertas stehen soll.

Teurer geworden als geplant oder gewünscht sind viele der Stationen. Der Korber Holzturm in den Weinbergen kostet zum Beispiel Stand jetzt rund 200 000 Euro. Auch Schwierigkeiten mit dem Standort spielten vielerorts eine Rolle. Winterbach musste seine Station aus Naturschutzgründen verlegen.