Winterbach

Die Kreiselschwellen sind wieder weg

Warnschwellen am Kreisverkehr_0
So dezimiert präsentierte sich der schwellenbewehrte Winterbacher Minikreisel in der Ortsmitte bereits im August. Mittlerweile sind alle Warnschwellen – ursprünglich waren es acht Stück – wieder abmontiert, weil sie den Praxistest nicht bestanden haben. © Habermann / ZVW / Archiv

Winterbach. Die organgefarbenen Kunststoffelemente erfüllten aus Sicht der Gemeinde ihren Zweck: Sie brachten die Autofahrer dazu, die Kreiselmitte zu umfahren, statt mittendurch zu brettern. Weil die Warnschwellen, die seit Juni den Kreisel in der Winterbacher Ortsmitte zierten, sich aber als wenig haltbar erwiesen, hat der Bauhof sie jetzt wieder komplett abmontiert und der Herstellerfirma zurückgebracht.

Letztendlich hat sich die Gemeinde mit der Herstellerfirma geeinigt. Diese hat die warnfarbenen Kunststoffteile zurückgenommen, ohne dass Winterbach für die Schwellen etwas bezahlen müsste. Die Elemente wurden im Juli in der Mitte des Kreisverkehrs an der Bahnlinie in der Ortsmitte angeschraubt und haben, kurz zusammengefasst, den Praxistext nicht bestanden. Sie erfüllten zwar ganz klar ihren Zweck, nämlich die Autofahrer dazu zu bringen, den Kreisel auszufahren und nicht die Mitte zu schneiden. „95 Prozent der Verkehrsteilnehmer“ fahren außen herum, so die Beobachtung von Bauamtsleiter Rainer Blessing. Aber leider gingen die Schwellen schon nach kurzer Zeit kaputt.

Lange Fahrzeuge müssen über die Kreiselmitte fahren können

Die drei Zentimeter hohen Kunststoffteile gingen vor allem dann kaputt, wenn schwere Fahrzeuge, also zum Beispiel große Lastwagen, den Kreisel durchquerten und dabei über die Schwellen fahren würden, erklärt Sebastian Schneider vom Winterbach Bauamt. Die Warnelemente in der Kreiselmitte waren ein Versuch, beides unter einen Hut zu bringen: kleinere Fahrzeuge zwar zum Außenrumfahren zu bringen, aber Lkw trotzdem das Überqueren zu ermöglichen, wenn die Kurve für sie zu eng ist. Die Teile rissen dabei ein, wurden ganz abgerissen oder verbogen. Deswegen mussten schon früh mehrere der Schwellen wieder abmontiert werden. Jetzt hat der Bauhof alle wieder eingesammelt und der Herstellerfirma zurückgebracht.

Schwellen nicht für Kreisverkehre gedacht

Deren Vertreter hatte die Schwellen zuvor im Bauausschuss des Gemeinderats als „hochelastisch“ angepriesen und behauptet: „Da kann nichts passieren. Wenn Sie die einmal besorgt haben, sind die normalerweise nicht kaputtbar.“ Auf Anfrage unserer Zeitung sagte er im August, er habe auch darauf hingewiesen, dass der Einsatz im Kreisel „zweckentfremdet“ sei – normalerweise kommen sie zum Einsatz, um Fahrzeuge vor Autobahnbaustellen aufzurütteln und herunterzubremsen – und man die Lösung testen müsse, ohne eine Gewährleistung auf die Funktionalität zu geben.

Kreisel vorerst schwellenlos

Die Gemeinde will jetzt eine Alternative suchen. Möglicherweise müsse man auch baulich tätig werden und die Schwellen als Teil des Straßenbelags herstellen lassen, überlegt Sebastian Schneider vom Bauamt. Das sei derzeit aber nur eine Überlegung, betont er. Vorerst ist der Kreisel nun jedenfalls schwellenlos und das Um- oder Durchfahrverhalten wieder ganz der Disziplin der Autofahrer überlassen.


Warum das Ganze?

Warum hat die Gemeinde die Schwellen überhaupt auf dem Kreisel installieren lassen? Auslöser waren Berichte von Radfahrern, die sich gefährdet sahen, weil Autofahrer den Weg geradeaus über die Kreiselmitte nahmen. Konkret geht es um die Situation, dass Verkehrsteilnehmer auf dem Fahrrad den Kreisel aus Richtung Ortsmitte befahren und dann nach links in die Lerchenstraße weiterwollen. Unachtsame beziehungsweise rücksichtslose Autofahrer auf dem geraden Weg über die Mitte schneiden dann gefährlich die Bahn der Radler.

Und warum ist die Kreiselmitte so flach? Bei der Umgestaltung der Winterbacher Ortsmitte entstanden zwei kleine Kreisverkehre. Sie sollten Ende und Anfang des neu gestalteten Bereichs markieren und einen praktischen Zweck für die neuen Schrägparkplätze entlang der Läden im Oberdorf erfüllen: Um in diese bei starkem Verkehr bequem einfahren zu können, sollen die Autofahrer von Süden her anfahren. Wer von Norden kommt, kann den Kreisverkehr an der Bahnbrücke nutzen, um zu wenden. Andersrum dient der Kreisel auf der anderen Seite für die aus den Parkplätzen rückwärts ausfahrenden Fahrzeuge zum Wenden, die in Richtung Süden weiterfahren wollen.

Weil der Raum begrenzt war, sind beide Kreisverkehre relativ klein. Der an der Bahnbrücke hat einen Durchmesser von 17 Metern. Damit lange Lastwagen trotzdem durchfahren können, muss die Mittelinsel so flach sein. Lange Fahrzeuge müssen sie überfahren können, weil sie sonst die Kurve nicht kriegen.