Winterbach

Drumherum statt drüber weg

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Acht Schwellen sollten auf dem Kreisverkehr in der Winterbacher Ortsmitte befestigt sein, doch zwei fehlen: Sie sind bereits nach kurzer Zeit kaputtgegangen und mussten entfernt werden. © Gabriel Habermann / ZVW

Winterbach. Seit Mitte Juni sind sie auf dem Kreisverkehr am südlichen Ende der Winterbacher Ortsmitte montiert: acht warnfarbene, sternförmig angeordnete Schwellen. Sie sollen verhindern, dass Autofahrer einfach bequem durch die flache Kreiselmitte brettern können. Nach elf Wochen lässt sich festhalten: Die Schwellen zeigen die gewünschte Wirkung. Leider hat sich aber das Material als ungeeignet erwiesen.

Warum hat die Gemeinde die Schwellen überhaupt auf dem Kreisel installiert? Auslöser waren Berichte von Radfahrern, die sich gefährdet sahen, weil Autofahrer den ungebremsten Weg geradeaus über die Kreiselmitte nahmen, während die Radler vorschriftsmäßig außen herumfuhren. Konkret geht es um die Situation, dass Verkehrsteilnehmer auf dem Fahrrad den Kreisel aus Richtung Ortsmitte befahren und dann nach links in die Lerchenstraße weiterwollen. Unachtsame beziehungsweise rücksichtslose Autofahrer auf dem geraden Weg über die Mitte schneiden dann gefährlich die Radler.

Fahr außen rum

Dem will die Gemeinde mit den warnfarbenen Schwellen entgegenwirken. Sie sollen den Autofahrern als gut sichtbares Hindernis signalisieren: Fahr außen rum! Wer trotzdem mittendurch will, der wird von den drei Zentimeter hohen Kunststoffelementen durchgerüttelt. Am 12. Juni wurden die Schwellen auf dem Kreisel verschraubt. Nach der ersten Zeit ist die Gemeinde einerseits damit zufrieden. Aus Sicht von Bauamtsleiter Rainer Blessing haben sich die Warnschwellen in ihrer Wirkung auf die Verkehrsteilnehmer bewährt. „Man sieht, dass 95 Prozent außen herumfahren“, so seine Beobachtung.

Nicht so haltbar wie gedacht

Auf der anderen Seite sind die Schwellen für die Gemeinde leider auch ein Ärgernis. „Nicht so gut ist, dass sie nicht so haltbar sind, wie sie von der Firma angepriesen wurden“, sagt Rainer Blessing. Eines der Elemente ist bereits gebrochen, ein anderes musste entfernt werden, weil es sich gewölbt hat. „Es zeigt sich, dass das Material nicht für eine dauerhafte Nutzung geeignet ist“, so der Winterbacher Bauamtsleiter. Das System könne vielleicht bei Autobahnbaustellen funktionieren, wo es nur für begrenzte Zeit zum Einsatz komme, aber bei einem vielbefahrenen Kreisverkehr, auf dem sie Jahre halten sollen, sei die Sache anders. Denn vor allem schwere Lkw fahren natürlich weiterhin über die Schwellen.

Eigentlich für ein anderes Einsatzgebiet gedacht

Kurzzeitige Autobahnbaustellen waren ein Einsatzgebiet, das der Vertreter der Firma aus dem Göppinger Raum der Winterbacher Verwaltung und den Gemeinderäten im Bauausschuss für die orangefarbenen Streifen nannte. Als aus dem Ausschuss die Frage kam, wie haltbar die Teile, die pro Stück 400 Euro kosteten, denn seien, sagte der Spezialist für Verkehrssicherungseinrichtungen, sie seien „witterungsbeständig“ und „hochelastisch“. Sein Gesamturteil: „Da kann nichts passieren. Wenn Sie die einmal besorgt haben, sind die nicht kaputtbar.“ Davon will der Mann jetzt laut Bauamtsleiter Rainer Blessing nichts mehr wissen. Im Gegenteil behaupte er: Er habe darauf hingewiesen, dass die Schwellen-Lösung nicht dauerhaft funktioniere. Deswegen weigere er sich, der Aufforderung der Gemeinde nachzukommen, die Mängel zu beseitigen. „Wir tauschen gerade Schriftsätze“, so Rainer Blessing. Eine Stellungnahme der betreffenden Firma war von unserer Zeitung bis Redaktionsschluss nicht zu bekommen.


Warum ist die Kreiselmitte eigentlich so flach?

Bei der Umgestaltung der Winterbacher Ortsmitte entstanden zwei kleine Kreisverkehre. Sie sollten Ende und Anfang des neu gestalteten Bereichs markieren und einen praktischen Zweck für die neuen Schrägparkplätze entlang der Läden im Oberdorf erfüllen: Um in diese bei starkem Verkehr bequem einfahren zu können, sollen die Autofahrer von Süden her anfahren. Wer von Norden kommt, kann den Kreisverkehr an der Bahnbrücke nutzen, um zu wenden. Andersrum dient der Kreisel auf der anderen Seite für die aus den Parkplätzen rückwärts ausfahrenden Fahrzeuge zum Wenden, die in Richtung Süden weiterfahren wollen.

Weil der Raum begrenzt war, sind beide Kreisverkehre relativ klein. Der an der Bahnbrücke hat einen Durchmesser von 17 Metern. Damit lange Lastwagen trotzdem durchfahren können, muss die Mittelinsel so flach sein. Lange Fahrzeuge müssen sie überfahren können, weil sie sonst die Kurve nicht kriegen.