Winterbach

Ehemaliges Best-Western-Hotel in Winterbach bleibt Flüchtlingsunterkunft

Fluechtlingshotel
Das ehemalige Best-Western-Hotel in Winterbach ist seit mehreren Jahren eine Unterkunft für geflüchtete Menschen. © Gaby Schneider

101 Flüchtlinge vor allem aus dem arabischen und osteuropäischen Raum leben aktuell im ehemaligen Best Western Hotel in Winterbach. Und es werden tendenziell wieder mehr.

Auch wird der Kreis in den nächsten Monaten wohl aufstocken, was die Gemeinschaftsunterkünfte betrifft. Während in den Jahren 2019 bis 2021 14 bis 17 ausreichten, sollen in diesem Jahr 20 Gemeinschaftsunterkünfte betrieben. Denn: Die Flüchtlingszahlen gehen wieder nach oben. Während im Jahr 2020 mit 6800 Asylbegehrenden in Baden-Württemberg der Tiefststand seit vielen Jahren erreicht war, haben im vergangenen Jahr beinahe 13 000 Asylsuchende im Land Erstanträge gestellt und bleiben auch hier.

Viele Flüchtlinge in Anschlussunterbringung

Der Landkreis hat derzeit 926 Bewohner in seinen 17 Unterkünften der vorläufigen Unterbringung. Diese machen aber nur einen Bruchteil der insgesamt im Rems-Murr-Kreis befindlichen Geflüchteten aus. Zahlen darüber, wie viele Geflüchtete aktuell in der kreisweiten Anschlussunterbringung und in Privatwohnungen leben, liegen dem Kreis leider nicht vor, berichtet Melih Göksu, Unterkunftsmanager des Landkreises, auf Nachfrage.

Weshalb steigen die Flüchtlingszahlen?

Melih Göksu erklärt, dass die verstärkt genutzte Route von Belarus über Polen sowie der überdurchschnittliche Zugang aus Nordmazedonien einen großen Einfluss auf die steigende Zahl der Asylsuchenden haben. Hinzu kommen die Geschehnisse in den aktuellen Krisenherden in Syrien und Afghanistan sowie der „Nachholeffekt“ durch die coronabedingten Grenzschließungen und massiven Reisebeschränkungen.

Zudem gibt’s einen Trend zur Sekundärmigration aus Griechenland. Dabei handelt es sich um Personen, die in Griechenland als Asylbewerber anerkannt sind, die aber dennoch nach Deutschland weiterreisen.

Wie lebt es sich in der Unterkunft?

Mit den knapp 100 Bewohnern ist die Winterbacher Unterkunft zu 82,5 Prozent ausgebucht. Etwas mehr als die Hälfte der Bewohner ist erst im letzten Quartal 2021 zugezogen. 32 alleinreisende Bewohnerinnen und Bewohner leben hier sowie 67 Bewohnerinnen und Bewohner in Familienverbänden. Der jüngste Bewohner ist erst vor zwei Monaten geboren, „Alterspräsidentin“ der Unterkunft ist eine 67-jährige Dame aus dem Irak.

Durch die Raumstruktur eines Hotels, das kostenlose Internet, das insgesamt beruhigte Umfeld und die erfahrenen Mitarbeiter in der Sozialbetreuung und Verwaltung des Standorts gestalte sich die Unterbringung in der Unterkunft äußerst reibungslos. Das sei bereits während der Erstbelegung so gewesen, weshalb der Landkreis nun auch erneut auf den Standort zurückgegriffen hat.

Wer betreut die Bewohner?

Viermal die Woche hat die zuständige Sozialbetreuung des Kreisdiakonieverbandes Sprechzeiten in der Unterkunft. Diese werden von Sozialpädagogen wahrgenommen, die bereits langjährige Erfahrung mit dem Standort und in der Flüchtlingsunterbringung haben. Es gibt eine Stamm-Sozialarbeiterin, die in Vertretungsfällen oder bei besonderem Bedarf Unterstützung bekommt.

Ein Hausmeister kümmert sich wie in allen Unterkünften des Kreises um die Gebäudeunterhaltung und die Sauberkeit des Grundstücks. Dazu gibt’s mehrere Notfallnummern von Mitarbeitenden des Landkreises, der freien Träger und der Kreisbaugruppe. Sie sind bei der integrierten Leitstelle für den Rems-Murr-Kreis hinterlegt.

Familien fühlen sich hier sehr wohl

Wegen der guten Unterkunftsbedingungen sei die Stimmung unter den Bewohnern am Standort seit jeher überdurchschnittlich gut. Vor allem Familien fühlen sich in der Unterkunft sehr wohl.

Es gebe auch verhältnismäßig wenige Probleme zwischen Familien und alleinstehenden Bewohnern. Die Ausstattung jedes Zimmers mit einem eigenen Bad samt Toilette bietet immerhin ein hohes Maß an Privatsphäre, ein sehr förderlicher Umstand für den Haussegen einer gemeinschaftlich genutzten Unterkunft ist.

Verein "Freifunk" sorgt für Internetverbindungen

Das kostenlose WLAN in der Unterkunft ist unter anderem das Verdienst des ehrenamtlichen Engagements des Vereins Freifunk. Dieser hat den Landkreis bereits seit Beginn der Flüchtlingskrise an verschiedenen Standorten bei der Einrichtung von WLAN-Lösungen unterstützt. Das sonstige ehrenamtliche Engagement habe aber aufgrund der Corona-Pandemie und damit einhergehenden Zugangsbeschränkungen für Gemeinschaftsunterkünfte stark gelitten.

Dennoch, schon jetzt - kurz nach Reaktivierung der Unterkunft - gibt es wieder vor Ort Ehrenamtliche, die den zusätzlichen Aufwand durch die Corona-Auflagen auf sich nehmen und Sprachkurse am Standort anbieten.

Sollte das ehemalige Hotel nicht abgerissen werden?

Nachdem im April 2019 das Hotel seine Bestimmung als Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge zu erfüllt haben schien (damals lebten zwischen 150 und 200 Menschen dort), war im Mai darauf ein privater Wohnheimbetreiber eingezogen, der die Zimmer vor allen an Saisonarbeiter vermietet hatte.

Zu dieser Zeit gehörte es schon der Firma Nonnenmann, die geplant hatte, im Anschluss an diesen auslaufenden Vertrag die bestehenden Gebäude abzureißen, um dort eine Erweiterung für Büros, Logistik und Fertigung des Unternehmens zu bauen. Allerdings war beim Kauf des Gebäudes eine Option in den Vertrag eingefügt worden, die dem Kreis bei Bedarf die Möglichkeit gab, das Gebäude wieder als Flüchtlingsunterkunft zu reaktivieren. Und die wurde schon vergangenes Jahr genutzt.

Denn aufgrund der Corona-Lage hatte der Kreis sein Konzept zur Unterbringung der Flüchtlinge angepasst und entschieden, den Standort in Winterbach erneut zu belegen.

Was passiert in Zukunft mit dem Hotel?

Die Fachbereichsleiterin des Landkreises für Flüchtlingsaufnahme Simone Lebherz verwies in der jüngsten Gemeinderatssitzung auf eine vertraglich vereinbarte Verlängerungsoption und stellte in Aussicht, dass der Kreis die bewährte Unterkunft nach heutigem Stand gerne weiter nutzen würde.

Aufgrund der stets sehr dynamischen Lage in der Flüchtlingsunterbringung müsse man aber sehen, wie sich die Bedarfe im Laufe des Jahres entwickelten - eine verlässliche Aussage zur weiteren Nutzung sei daher nicht möglich. Zudem hatte Volker Nonnenmann schon an anderer Stelle betont, dass aufgrund der Corona-Situation eine Verschiebung der grundsätzlichen Erweiterung seiner Firma vorläufig kein Problem sei.

Wie geht’s für die Bewohner weiter?

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gibt die durchschnittliche Dauer für ein Asylverfahren seit 2019 mit knapp über sechs Monaten an. Durch die seitdem gestiegenen Flüchtlingszahlen - und damit gleichzeitig auch gestiegenen Asylverfahren - wird sich diese Dauer voraussichtlich wieder verlängern und damit auch die Unterbringung bei den Landkreisen. Der Kreis geht derzeit von einer durchschnittlichen Verweildauer von etwa einem Dreiviertel- bis ganzen Jahr aus.

Sobald die Asylverfahren rechtskräftig beendet sind - oder spätestens nach zwei Jahren in einer Unterkunft des Kreises - folgt die sogenannte Anschlussunterbringung. Zu diesem Zweck weist der Landkreis die Bewohner zum entsprechenden Zeitpunkt einer kreisangehörigen Stadt oder Gemeinde zu. Die jeweilige Gemeinde- oder Stadtverwaltung bringt die Personen dann in ihrer Anschlussunterbringung unter. Dort bleiben die Bewohner dann bis zum Bezug einer eigenen Privatwohnung, der freiwilligen Ausreise oder Abschiebung.

101 Flüchtlinge vor allem aus dem arabischen und osteuropäischen Raum leben aktuell im ehemaligen Best Western Hotel in Winterbach. Und es werden tendenziell wieder mehr.

Auch wird der Kreis in den nächsten Monaten wohl aufstocken, was die Gemeinschaftsunterkünfte betrifft. Während in den Jahren 2019 bis 2021 14 bis 17 ausreichten, sollen in diesem Jahr 20 Gemeinschaftsunterkünfte betrieben. Denn: Die Flüchtlingszahlen gehen wieder nach oben. Während im Jahr 2020 mit 6800

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