Winterbach

Ein Weltschiedsrichter in Winterbach

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Markus Merk zu seiner aktiven Zeit, hier beim Europameisterschaftsendspiel 2004 zwischen Portugal und Griechenland. Am 8. März kommt er nach Winterbach. © Pressefoto Baumann

Markus Merk war dreimal Weltschiedsrichter, hat 339 Fußball-Bundesligaspiele geleitet, ein EM-Endspiel – und besucht am 8. März Winterbach. Merk ist Stargast bei der 2. Zukunftswerkstatt des BdS Winterbach. Es geht – nicht verwunderlich – um das Thema Entscheidungen.

Und wer wäre dazu als Experte besser geeignet als ein Schiedsrichter. Einer, der dreimal der beste der Welt war, der mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hält und der mit seinen Entscheidungen auf dem Platz Menschen ins höchste Glück oder tiefste Tal befördert hat; und einmal den FC Schalke in die tiefste seiner vielen Depressionen. 2001 entschied Merk in der Nachspielzeit der Partie Hamburger SV – FC Bayern München nach einem Rückpass des Hamburgers Tomas Ujfalusi auf HSV-Torwart Mathias Schober auf indirekten Freistoß. Patrik Andersson verwandelte zum 1:1. Der FC Schalke, der bis zu dieser Sekunde als Meister festgestanden hatte, ging leer aus.

Der Schiri muss Entscheidungen gegen alle Widerstände durchsetzen

Um auszuhalten, was danach folgte, braucht man ein dickes Fell, wie ohnehin als Schiedsrichter. Denn der muss in Sekundenbruchteilen entscheiden. Und zu dieser Entscheidung muss er stehen. Merk: „Ich muss sie gegen alle Widerstände durchziehen. Ich habe keine zweite Option.“ Aber ist das auch immer der richtige Weg?

Darum geht es bei seinem Vortrag. „Für einen Unternehmer wäre es fatal, wenn er zu einer Entscheidung steht, obwohl er sieht, ich komme damit nicht zum Ziel. Dann wäre es keine Stärke, zur Entscheidung zu stehen, sondern eine Schwäche.“ Obwohl die Entscheidung womöglich die richtige war. „Nicht jede richtige Entscheidung aber muss eine glückliche Entscheidung sein, sie muss auch die Akzeptanz im Umfeld haben.“ Das wolle er dem Publikum in Winterbach näherbringen.

Anekdoten vom Fußball, vom Nordpol und aus Indien

„Fußballfans dürfen sich freuen“, sagt Merk. „Aber nicht nur die. Es geht um Entscheidungen in allen möglichen Bereichen.“ Er hoffe, es kommen auch Leute, „die sagen: Dauernd geht’s um Fußball.“ Am Ende sollen sie sagen: „Das war jetzt aber mal interessant.“

So erzähle er zwar Anekdoten aus seiner Schiedsrichterlaufbahn, aber auch aus seiner Karriere als Fernsehkommentator. Merk kommentiert für Sky und arbeitete vier Jahre lang für das türkische Fernsehen. 305 Sendungen bestritt er dort, „jeden Sonntag und Montag, und die Sendung ging jedes Mal drei bis vier Stunden“. Außerdem: „Wir werden einen Blick an den Nordpol werfen, und nach Indien.“ Merk ist Ausdauersportler und gründete mehrere Kinderdörfer, Waisenhäuser und ein Altenheim in Indien.

Merk ist am 8. März jedoch nicht der Einzige auf der Bühne. An der Diskussion nach seinem Vortrag nehmen auch noch teil: Kim Renkema, früher Spielerin, jetzt Sportdirektorin bei den Volleyballerinnen Allianz Stuttgart, und Frank Bückle, Vorstand der Winterbacher Bank. Geleitet wird die Veranstaltung von SWR-Moderatorin Stefanie Anhalt. Beginn in der Lehenbachhalle ist um 19 Uhr.


Markus Merk

Dr. Markus Merk (55) arbeitete früher als Zahnarzt. Er lebt in Otterbach bei Kaiserslautern.

Er leitete 339 Spiele in der Fußball-Bundesliga, 50 Länderspiele, 78 Begegnungen im Europapokal.

Dreimal (2004, 2005 und 2007) wurde er zum Weltschiedsrichter gewählt, ist zudem Weltschiedsrichter des Jahrzehnts.

Merk hat eigenständige Hilfsprojekten in Südindien gegründet: Das sind drei Schulen mit 350 Tageskindern und zehn Waisenhäuser mit 140 Kindern in drei Kinderdörfern. Außerdem hat er ein Altenheim aufgebaut.

Merk hat sich bereits als aktiver Schiedsrichter für technische Hilfen ausgesprochen. Er ist für den Videobeweis. Das sei eine gute Idee, „aber nicht gut genug umgesetzt“.

Tickets gibt es im Vorverkauf bei der Winterbacher Bank und im ZVW-Shop unter: https://zvw-shop.de/ticketshop/zukunftswerkstatt