Winterbach

Eine Musikerfamilie aus Winterbach

Die Musiklehrer sind die Eltern_0
Eine Musikerfamilie: Katharina Kefer und ihr Mann Jochen Kefer mit den Töchtern Clara, Greta und Anna. © ZVW/Gabriel Habermann

Winterbach. Im Hause Kefer in Winterbach wird pausenlos musiziert. Anna, Greta (10) und Clara (9) kleben an ihren Instrumenten wie manche Gleichaltrigen an der Handytastatur. Tontechnisch trainiert wird täglich, und in regelmäßigen Abständen nimmt das Töchtertrio begeistert an den Wettbewerben von Jugend musiziert teil.

Und das schon gewohnt erfolgreich. Clara und Greta haben erst im April wieder einen 1. Preis beim Landeswettbewerb erhalten. Das nächste Treppchen hinauf zum Bundeswettbewerb bleibt ihnen noch verwehrt, dort dürfen nur die Älteren antreten, egal wie gut die Beurteilung der Jury auch bislang ausfiel. Sie sind trotzdem dabei. Ihre große Schwester Anna fand nämlich, nach einer ebenso erfolgreichen Teilnahme beim Landeswettbewerb, die begehrte klein gedruckte Unterzeile in ihrer Bewertung: Weiterleitung zum Bundeswettbewerb in Halle. Dort tritt Anna mit ihrer Violine nun an, die ganze Familie im Reisegepäck.

Greta hat sich dem Cello verschrieben

Die ausgezeichneten jungen Musikerkollegen zu hören, allen voran natürlich die Schwester und Tochter, das will sich keiner entgehen lassen. Eine tolle Familienunternehmung, inklusive der Verpflichtung zum Daumendrücken für Greta und Clara in den Zuschauerrängen.

Greta hat sich dem Cello verschrieben, wie ihre jüngste Schwester auch. Die ganze Familie gehört in die Streicherriege, Katharina Kefer, studierte Geigerin, unterrichtet an der Engelberger Musikschule und ist als Kammermusikerin in zahlreichen Ensembles unterwegs. Ihrer ältesten Tochter hat sie die ersten Schritte auf der Geige vermittelt, heute lernt Anna bei Simone Riniker-Maier in Stuttgart.

Jochen Kefer wurde bereits als Kind vom Musikvirus befallen, der aus nachbarschaftlichen Gefilden in sein Elternhaus wehte: Nebenan trainierte Musikstudent Ekkehard Hessenbruch täglich auf seinem Cello. „Vom Klavier bedroht“, das sein Vater als Instrument für ihn ausgesucht hatte, meldete sich Kefer kurzerhand bei dem jungen Cellisten als Schüler an und war fortan dem Cello verfallen.

Die ganze Familie fährt begeistert Ski und segelt

Heute unterrichtet er in der bekanntesten Celloschmiede des Landes, ist Mitglied unterschiedlicher Kammermusikensembles und leitet unter anderem das Deutsche Celloorchester, das jährlich Hunderte begeisterter Laienspieler des sonoren Instruments vereint. Gemeinsam leiten er und seine Frau das Kammerorchester in der Engelberger Musikschule.

Tägliches Üben gehört für das Töchtertrio in die Zeitplanung wie der Schulbesuch. Praktisch, wenn der Lehrer im Haus wohnt. Jochen Kefer unterrichtet seine beiden Jüngeren selbst. Morgens, noch vor der Schule, übt Clara bereits mit ihrem Vater, der sie unterrichtet, seit sie drei Jahre alt ist. Am Nachmittag hat Clara dann Zeit für vieles andere, sie probiert sich an allen Instrumenten, die im Hause zu finden sind.

Überhaupt sind alle drei verblüffend vielfältig und an all dem interessiert, was auch ihre Freunde machen: Sie tanzen Hip-Hop, lesen Harry Potter, malen, basteln oder machen Leichtathletik. Kopfstand, Spagat, Rad – das sind nur kleinste Übungen für ihre biegsamen Knochen. Und die ganze Familie fährt begeistert Ski und segelt.

Physik und Kammermusik: Alltag, außergewöhnlich

Neben der Schule, Greta und Anna besuchen das Friedrich-Schiller-Gymnasium in Fellbach, Clara die Waldorfschule am Engelberg, gilt ihr Hauptinteresse aber jeder Art von musikalischer Unternehmung.

Annas musikalischer Tag beginnt nach 16 Uhr, wenn sie aus der Schule kommt. Lieblingsfach Physik. Dann übt sie oder hat Unterricht, macht Kammermusik und bereitet sich auf Konzerte und Wettbewerbe vor. Jetzt vor dem Bundeswettbewerb spielt sie jede Woche kleine Konzerte an der Stuttgarter Musikschule. Auf der Bühne fühlt sie sich dadurch mittlerweile pudelwohl.

Genug von all den Tönen können alle drei anscheinend nicht bekommen. „Dass sie im Chor singen, sich immer wieder begeistert für vielerlei Musikprojekte, Musikfreizeiten und Wettbewerbe anmelden wollen, das kommt von ihnen. Wir drängen sie zu gar nichts, wir sind absolut keine Eltern, die die Peitsche schwingen“, meint Jochen Kefer. Während Katharina Kefer dann manchmal doch ins Schwitzen kommt ob all der organisatorischen Hürden, die so viele Termine mit sich bringen, bleiben die Mädels bei dieser Planungsanforderung sehr gelassen.

Eindrucksvolle Hörerfahrungen

„Das Einzige, auf was wir wirklich bestehen, ist eine Konsequenz, wenn sie sich für etwas entschieden haben“, sagt der Vater. So sind die drei schon früh verlässliche Mitspieler in all ihren Ensembles. Und sie erleben, wie der eigene Fortschritt kontinuierlich die Türen öffnet in jene fantastische Welt, die sie im abwechslungsreichen Berufsleben der Eltern beobachten können.

Ob sie selbst einmal Berufsmusikerinnen werden, scheint noch völlig offen. Cellistin oder Geigerin ist zwar für jede von ihnen eine Option, aber Clara kann sich auch als Schauspielerin oder Töpferin sehen, Greta als Sportlerin oder Opernsängerin. Anna schwankt noch zwischen Polizistin (aber nur wegen der Hunde, meint ihre Schwester Greta), Pilotin oder Geigerin.

Bis dahin machen sie weiter eindrucksvolle Hörerfahrungen, wenn sie bei Konzerten der Eltern dabei sind, etwa beim Bergstadt-Festival oder dem Ensemble suonare. Sie hören Jazz, Barockmusik oder erleben Lesungen, wenn Katharina Kefer beispielsweise Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl auf Lesereise musikalisch begleitet.

Im Herbst allerdings müssen sie zu Hause bleiben, wenn die Eltern mit dem Schwarzwald Kammerorchester nach China reisen. „Es wird jetzt allmählich wieder leichter für uns, unsere eigenen Projekte anzugehen“, freut sich Katharina Kefer. Ihr Blick auf die Uhr verrät aber: Der nächste Fahrdienst zu einer Probe der Töchter steht.


Der Wettbewerb

„Jugend musiziert“, der Bundeswettbewerb, also die letzte und höchste Stufe, findet gerade in Halle statt. Jetzt am Freitag tritt Anna mit ihrer Violine an.