Winterbach

Ende der Isolationspflicht bei Corona: Was gilt für Schüler und Kita-Kinder?

Schulleben
Mit Corona, dafür mit Maske in der Schule? Darin liegt Konfliktpotenzial, findet Ulrich Mittnacht, Rektor der Lehenbachschule Winterbach. © Alexandra Palmizi

In Baden-Württemberg und Bayern ist seit diesem Mittwoch, 16. November, die Isolationspflicht bei einer Corona-Erkrankung abgeschafft. Wer positiv getestet ist, kann sich nun mit Maske trotzdem fast überall bewegen. Was heißt das aber für Schulen und Kindergärten? Ulrich Mittnacht, Rektor der Winterbacher Lehenbachschule, sieht Konfliktpotenzial in der Regelung, dass infizierte Schülerinnen oder Schüler mit Maske im Klassenzimmer sitzen können. Das Kultusministerium hat am Mittwoch ein Schreiben an die Schulen verschickt und online veröffentlicht, das aber die Fragen, die sich Mittnacht stellt, nicht beantwortet.

Kinder dürfen auch mit Corona-Infektion in die Kita

Etwas klarer ist die Situation für Kindergärten und Kindertagestätten. In diesem Bereich sieht zum Beispiel der Winterbacher Hauptamtsleiter Matthias Kolb die Sache relativ entspannt. Kindergarten- und Kita-Kinder dürfen laut neuer Verordnung im Fall einer Corona-Infektion ganz normal weiter die Einrichtungen besuchen. 

Für sie gelten nicht die beiden Hauptregeln der neuen Corona-Verordnung (Hier geht es zu einem ausführlichen Artikel zu den neuen Regeln), die grob zusammengefasst lauten: Wer infiziert ist, bleibt entweder fünf Tage in Isolation oder er ist für die fünf Tage mit einer Maske (FFP2 oder andere medizinische Maske) unterwegs, in Innenräumen zwingend, im Freien nur, wenn er nicht 1,5 Meter Abstand zu anderen Menschen einhalten kann.

Das heißt, für Kinder unter sechs Jahren in Betreuungseinrichtungen gilt lediglich die dringende Empfehlung: Wer krank ist, bleibt bitte zu Hause. So wie das in allen anderen Krankheitsfällen auch ist - Corona wird in dieser Hinsicht zu einer Infektionserkrankung unter vielen, die in Kindergärten und Kitas laufend kursieren.

Matthias Kolb geht davon aus, dass die Eltern ihrer Eigenverantwortung gut nachkommen. Mit Symptomen wie Fieber oder starkem Husten sei klar, dass ein Kind nicht in die Kita kommen sollte, sagt er. "Das funktioniert bei uns gut." Die große Mehrheit der Eltern halte sich daran, nur in Einzelfällen komme es vor, dass heftiger erkrankte Kinder geschickt würden.

Wann sollte ein Kind zu Hause bleiben?

Schon länger regelte die entsprechende Corona-Verordnung, dass Schnupfen nicht als typisches Symptom einer Covid-Erkrankung und damit Ausschlussgrund für einen Kitabesuch gilt. Genannt werden dort Geruchs- und Geschmacksstörungen, Fieber, Husten sowie Halsschmerzen.

Davon abgesehen haben Kindergärten und andere Betreuungseinrichtungen alle sehr ähnliche Faustregeln für Krankheitsfälle. Im Kinderhaus in der Lerchenstraße in Winterbach hängt zum Beispiel im Eingangsbereich ein Infoblatt der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) mit Hausregeln. Darauf stehen ganz konkrete Symptome, aber auch ganz allgemeine Fälle, bei denen ein Kind zu Hause bleiben sollte:

  • Fieber über 38 Grad Celsius akut oder in den letzten 48 Stunden
  • Rote, entzündete Augen oder verstärkter Tränenfluss
  • Nicht juckender Hautausschlag an den Händen und Bläschen im Mund
  • Erschöpfender Husten
  • Akute Symptome wie ein schlechter Gesundheitszustand
  • Durchfall, Übelkeit oder Erbrechen akut oder in den letzten 48 Stunden

Schulleiter wundert sich

Diese Regeln kann man im Prinzip eins zu eins auf die Schulen übertragen. Das Kultusministerium führt dazu in seinem Schreiben an die Schulen aus: "Symptomatisch erkrankte Schülerinnen und Schüler ebenso wie Lehrkräfte sollten auf einen Schulbesuch verzichten. Diese dringende Empfehlung gilt im Übrigen unabhängig davon, ob die Person mit dem Coronavirus, einem Influenzavirus oder einem anderen Krankheitserreger infiziert ist."

Ulrich Mittnacht, dem Rektor der Lehenbachschule Winterbach, hat die Erfahrung gemacht, dass die meisten Eltern das auch verantwortungsbewusst handhaben. Er findet den Gedanken hinter dem Schritt, die Isolationspflicht abzuschaffen, generell absolut nachvollziehbar - allerdings schränkt er ein: Er wundere sich etwas über den Zeitpunkt. "Jetzt haben wir Mitte November. Das Kultusministerium spricht da von der Schnupfensaison." Im vergangenen Herbst habe Corona ja auch noch mal Fahrt aufgenommen. Besser hätte er es gefunden, noch bis nach dem Höhepunkt der Erkältungs- und Grippesaison zu warten.

Zuletzt sind die Infektionszahlen in Baden-Württemberg gesunken, seit Mitte/Ende Oktober gehen die Fälle in der Tendenz stetig zurück, auch im Rems-Murr-Kreis. Sabine Hagenmüller-Gehring, die Leiterin des Staatlichen Schulamts Backnang, sagt jedoch: Sie habe schon die Befürchtung, dass die Aufhebung der Isolationspflicht wieder zu steigenden Zahlen führen könnten - und dazu, dass in dem Zug dann auch wieder viele Lehrerinnen und Lehrer krank ausfallen. "Man kann nur an die Eltern appellieren, dass sie verantwortungsbewusst mit der neuen Situation umgehen." Die Frage sei, wie groß die Bereitschaft der Eltern, sich und ihre Kinder im Verdachtsfall auf eine Corona-Infektion zu testen, überhaupt noch sei.

Eltern sollten mögliche Folge bedenken

Der Winterbacher Hauptamtsleiter Matthias Kolb betont auch für die Kindergärten: Die Eltern müssten bedenken, welche Folgen es haben könne, wenn sie ein krankes Kind in die Einrichtungen schicken: "Dann ist die Erzieherin am nächsten Tag vielleicht auch krank." Im schlimmsten Fall, wenn zu viele Erzieherinnen ausfallen, kann dann auch keine Betreuung stattfinden.

Kolb glaubt aber, dass die Gesellschaft in der Hinsicht aus der Pandemie gelernt habe und man allgemein von verantwortungsbewusstem Verhalten ausgehen könne. 

Fragezeichen bei der Umsetzung der Regeln in der Schule

Ulrich Mittnacht hat für die Schule aber noch ganz andere Bedenken. "Die neue Situation bringt schon ein paar Herausforderungen. Ein paar Fragezeichen habe ich da schon", sagt er. Eine Frage für ihn ist: Wie sollen die Lehrerinnen und Lehrer die Maskenpflicht umsetzen? Die Regeln für die Schüler sind ja klar: Ab sechs Jahren muss jeder mit einer Corona-Infektion im Innenraum Maske tragen, das gilt für fünf Tage ab dem ersten positiven Test oder sobald ein negativer PCR-Test vorliegt. Hierzu schreibt das Kultusministerium jetzt auch: "Die Teilnahme am Präsenzbetrieb ist also ausgeschlossen, wenn die absonderungsersetzende Maßnahme (Tragen einer Maske) nicht eingehalten wird."

Damit sie die Umsetzung dieser Regeln einfordern und kontrollieren könnten, müssten die Lehrerinnen und Lehrer aber erst einmal Bescheid wissen, wenn ein Kind Corona hat. Schulamtsleiterin Sabine Hagenmüller-Gehring sagt allerdings: "Einen Kontrollauftrag haben die Schulen bisher nicht."

"Das hat schon Potenzial, für Unruhe zu sorgen"

Ein ganz anderer Punkt für Ulrich Mittnacht: "Ich finde, die Kinder mit einer Maske in die Klasse zu schicken, das hat schon Potenzial, für Unruhe zu sorgen."  Das sei den Lehrerinnen und Lehrern, aber auch den Mitschülerinnen und Mitschülern gegenüber "schon eigenartig" und eine seltsame Situation: neben einem zu sitzen, von dem man weiß, der hat Corona. Die Regelung, fünf Tage zu Hause zu bleiben, sei da besser und eindeutiger.

In Österreich, wo die Isolationspflicht schon im August abgeschafft wurde, hat man die Sache zumindest im Bereich der Volksschule (so heißt dort die Grundschule) anders geregelt: Für die Kinder dort gilt bei einem positiven Testergebnis ein Betreuungsverbot für die Schule, egal ob sie Symptome haben oder nicht.  Zur Begründung heißt es in einem Rundschreiben des österreichischen Bildungsministeriums: "da davon ausgegangen wird, dass Kinder in diesem Alter eine Maske nicht während der gesamten Unterrichtsdauer korrekt tragen können".

Schreiben des Kultusministeriums an die Schulen

In Baden-Württemberg gibt es eine solche Regelung aber eben nicht. Wie die neue Verordnung überhaupt in der Praxis an den Schulen umgesetzt werden soll, dazu meint Schulamtsleiterin Sabine Hagenmüller-Gehring am Mittwochnachmittag, noch bevor das Schreiben des Kultusministeriums rausgeht: Sie rechne nicht mit konkreten Regeln und Handlungsanweisungen für alle Details. Es komme wohl vor allem auf die Lehrerinnen und Lehrer an, wie sie pädagogisch mit verschiedenen Fällen umgingen. Auch sie spricht von einer "komischen Situation", wenn ein infiziertes Kind, für alle eindeutig mit der Maske geradezu markiert, in die Schule komme und in der Klasse sitze.

Tatsächlich erklärt das Schreiben des Kultusministeriums vom Mittwochabend, 16. November, im Wesentlichen ganz einfach das, was die Corona-Verordnung sowieso regelt. Auf drei besondere Fälle geht es allerdings ein: 

  • Sportunterricht: Da Mediziner von körperlicher Belastung während einer Corona-Infektion abrieten, sollten "positiv getestete Schülerinnen und Schüler für den Zeitraum der absonderungsersetzenden Maßnahmen nicht aktiv am fachpraktischen Sportunterricht teilnehmen". Sollten sie das wollen, müssen sie durchgehend eine Maske tragen.
  • Musikunterricht: "Das Musizieren mit Blasinstrumenten ist ohne Maske nicht möglich und daher in Innenräumen für den Zeitraum der Maskenpflicht ausgeschlossen. Das Singen ist in Innenräumen mit Maske gestattet."
  • Prüfungen: "Insbesondere bei Leistungsfeststellungen und Prüfungen von längerer Dauer kann das Tragen einer Maske als belastend und leistungsmindernd empfunden werden." Deswegen können sich die betreffenden Schülerinnen und Schüler entscheiden, ob sie mit Maske teilnehmen oder "aufgrund der Absonderungspflicht als entschuldigt gelten". Dazu ist die Vorlage eines positiven PCR-Test- oder eines positiven Schnelltestergebnisses Voraussetzung. Ein Selbsttest genügt nicht.

In Baden-Württemberg und Bayern ist seit diesem Mittwoch, 16. November, die Isolationspflicht bei einer Corona-Erkrankung abgeschafft. Wer positiv getestet ist, kann sich nun mit Maske trotzdem fast überall bewegen. Was heißt das aber für Schulen und Kindergärten? Ulrich Mittnacht, Rektor der Winterbacher Lehenbachschule, sieht Konfliktpotenzial in der Regelung, dass infizierte Schülerinnen oder Schüler mit Maske im Klassenzimmer sitzen können. Das Kultusministerium hat am Mittwoch ein

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper