Winterbach

Fällt das Skifahren diesen Winter aus? Frank Kefeder vom Verein Snow-Company sieht trotz Corona Chancen

Ski fahren
Wintersonne und Schneespaß in den Bergen: Die Ski- und Snowboardsaison ist eine europapolitische Frage geworden. © Adoebstock/ARochau

Es ist für die meisten derzeit sicher nicht das wichtigste Thema angesichts der Corona-Pandemie, die Europa im Griff hat, aber für passionierte Wintersportler schon eine Frage: Komme ich in diesem Corona-Winter noch auf die Piste oder kann ich mir das schon jetzt abschminken? Tatsächlich ist diese Frage längst hochpolitisch und wird auf europäischer Ebene diskutiert: Kann man es riskieren, schon über Weihnachten und Neujahr die Skigebiete zu öffnen?

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten haben sich diese Woche damit befasst und große Skepsis geäußert. Liftbetreiber und Hotels in den Skigebieten sehen das ganz anders, für sie geht es um die Existenz. Wir haben bei einem leidenschaftlichen Skifahrer nachgefragt, was er dazu meint: Frank Kefeder, der Vorsitzende des Winterbacher Vereins Snow-Company, steht in ständigem Kontakt mit verschiedenen Skigebieten.

Herr Kefeder, Ischgl war mit seinen vollgestopften Après-Ski-Lokalitäten im Februar und März der Corona-Hotspot schlechthin in Europa. Viele Ski- und Snowboard-Urlauber brachten das Virus von dort mit nach Hause. Ist angesichts dessen in diesem Winter überhaupt an Skiurlaub zu denken?

Ich rechne nicht damit, dass es dieses Jahr noch was wird. Auch der Januar steht in Zweifel. Aber ich rechne schon damit, dass man Ende Februar oder im März wieder in die Skigebiete kann – natürlich unter völlig anderen Bedingungen als sonst, ganz klar. Après-Ski wird es sicher nicht geben. So was wie in Ischgl wird nicht mehr passieren. Da sind schon Sachen gelaufen, das ist Wahnsinn.

Haben die Skigebiete daraus gelernt?

Meiner Erfahrung nach haben sich die Verantwortlichen in vielen Skigebieten schon im vergangenen Winter sehr vernünftig verhalten. Wir hatten als Verein eine Ausfahrt nach Sölden geplant. Da hat mir schon letztes Jahr, als das losging mit Corona, das Fremdenverkehrsamt signalisiert: Seid mal ein bisschen auf der Hut, wir glauben nicht, dass das so läuft wie sonst. Schon da sagten die: Après-Ski wird es sicher nicht geben. Und später haben sie dann klar kommuniziert: Kommt lieber nicht, wir denken, wir müssen zumachen. Es waren vereinzelte Skigebiete, die sich nicht so profiliert haben. Aber ich glaube, dass es jetzt niemand mehr riskieren wird, einen Ruf wie Ischgl zu kriegen. Da werden die alles dafür tun, dass das nicht passiert. Aber ob Menschen alle so vernünftig sind, weiß ich nicht.

Wie meinen Sie das?

Ehrlich gesagt glaube ich: Wenn sie jetzt zum Beispiel in Ischgl sagen würden – also rein hypothetisch gesprochen –, wir machen ab 21. Dezember wieder Après-Ski, dann wäre das wieder bombenvoll. Da gibt es genügend Leute, die sagen, mir ist alles egal, ich habe Corona damals nicht gekriegt, dann kriege ich es dieses Mal auch nicht.

Die Österreicher sind ja jetzt der Ansicht, dass ohne Après-Ski eigentlich alles möglich sein müsste. Regierungen anderer Länder mit Skigebieten wie zum Beispiel Italien sehen das anders. Und auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel und von den deutschen Ministerpräsidenten kamen jetzt ziemlich klare Aussagen: Vor dem 10. Januar gehe gar nichts.

Ich bin mir sicher, dass die Österreicher da nicht mitmachen werden. Die wollen unbedingt. Wie das dann abläuft, wenn die aufmachen, muss man aber mal sehen. Wenn Deutschland dabei bleibt, dass Österreich ein Risikogebiet ist, dann wird dort ja kein deutscher Skifahrer hinreisen.

Unter welchen Bedingungen würden Sie nach Österreich reisen?

Nur, wenn es mir nicht zu schwer gemacht wird. Wenn ich nach meinem Aufenthalt in Quarantäne muss, wäre mir das zu aufwendig für ein paar Stunden Spaß auf der Piste. Aber innerhalb von Deutschland, wenn ich problemlos hinfahren kann, würde ich das auch dieses Jahr noch machen. Wenn die im Allgäu aufmachen, hätte ich da kein Problem.

Sie hätten keine Sorge wegen einer möglichen Ansteckungsgefahr?

Man ist ja auf der Piste draußen an der frischen Luft. Wenn man dann selber ein bisschen das Hirn einschaltet und vernünftig ist, wenn man den großen Menschenmassen aus dem Weg geht und am Lift Abstand hält und Maske trägt – dann sehe ich kein Problem. Zumindest nicht mehr, als wenn ich hier in Deutschland am Bahnhof stehe und auf den Zug warte oder dann im Zug sitze. Was natürlich gar nicht geht: Après-Ski und mit 100 Leuten in der Bar stehen. Das würde ich nie machen.

Sie haben jedenfalls die Hoffnung nicht aufgegeben, dass man in dieser Saison noch mal auf die Piste kann?

Ich bin Optimist. Ich versuche immer, das Beste aus der Situation zu machen. Und ich glaube, wie gesagt: Für die zweite Hälfte der Saison ist die Hoffnung durchaus berechtigt. Wir müssen abwarten, wie sich die Lage weiterentwickelt und wie die Vorschriften in den Ländern mit den Skigebieten nächstes Jahr sind. Wir stehen vom Verein in engem Austausch mit verschiedenen Skigebieten. Die sagen, sie tun alles, um es möglich zu machen. Da hängen natürlich viele Arbeitsplätze dran. Aber wir werden als Verein bei der Snow-Company Winterbach auf keinen Fall ein unnötiges Risiko eingehen.

Was heißt das für Ihre Vereinsausfahrten?

Wir hängen da ein bisschen in der Luft, aber wir haben schon noch Hoffnung für nächstes Jahr. Zwischen Weihnachten und Neujahr machen wir ohnehin keine Ausfahrten mehr, weil uns da die Schneelage zu unsicher ist. Die erste Ausfahrt wäre für den 9. Januar geplant. Normalerweise fahren wir mit zwei Bussen und 100 bis 120 Leuten. Jetzt sind bisher 20 Anmeldungen eingegangen. Wir haben gesagt, wenn wir 30 Leute zusammenbekommen, dann machen wir es. Wenn die sich dann in einem Bus mit 50 oder 60 Sitzplätzen verteilen und alle eine Maske tragen, dann sehen wir das Risiko einer Ansteckung als beherrschbar an. Die Busunternehmen sagen auch, man kann öfter Pausen einlegen zum Durchlüften. Klar ist: Niemand darf mit Erkältungssymptomen in den Bus steigen, darauf werden wir sehr genau achten.

Wie schwer trifft es den Verein, dass Veranstaltungen wie die Skibörse und die Saisoneröffnungsparty nicht stattfinden konnten? Da kommen ja normalerweise Hunderte Ski- und Snowboardfans.

Das fehlt natürlich. Das sind für uns Veranstaltungen, mit denen wir Geld reinholen für die Saison und für die Ausbildung von Skilehrern. Dadurch, dass wir sehr gut gewirtschaftet haben die letzten Jahre, können wir das aber verschmerzen. Schade ist auch, dass man den persönlichen Kontakt mit den Leuten nicht hat, dass man sich nicht trifft zum Skifahren. Aber wenn das alles nicht möglich ist, dann geht der Verein deswegen nicht zugrunde.

Was raten Sie Ski- oder Snowboardfahrern, die jetzt oder in ein paar Wochen vor der Frage stehen, ob sie diese Saison noch einen Wintersport-Urlaub buchen sollen?

Jeder muss für sich entscheiden, ob er das machen möchte oder lieber daheimbleibt. Ich denke, wir werden keinen Ansturm erleben in den Skigebieten, dadurch entzerrt es sich. Man muss jetzt wohl noch ein bisschen abwarten. Und man sollte sich auf jeden Fall vorher informieren, wie die Bedingungen sind, zu stornieren, wenn es eng wird oder Risikogebiete ausgerufen werden.

Es ist für die meisten derzeit sicher nicht das wichtigste Thema angesichts der Corona-Pandemie, die Europa im Griff hat, aber für passionierte Wintersportler schon eine Frage: Komme ich in diesem Corona-Winter noch auf die Piste oder kann ich mir das schon jetzt abschminken? Tatsächlich ist diese Frage längst hochpolitisch und wird auf europäischer Ebene diskutiert: Kann man es riskieren, schon über Weihnachten und Neujahr die Skigebiete zu öffnen?

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel

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