Winterbach

Frischluft gegen Coronaviren an den Schulen: In Modernen Gebäuden helfen Lüftungsanlagen beim Pandemie-Betrieb

Klassenzimmer lüften
Arbeiten und Lernen bei geöffneten Fenstern in der neunten Klasse an der Winterbacher Lehenbachschule: Bei tagsüber moderaten Temperaturen auch ohne Schal und Mütze kein Problem. © ALEXANDRA PALMIZI

Als vor drei Jahren das sogenannte Rektoratsgebäude der Winterbacher Lehenbachschule umgebaut und saniert wurde, da dachte noch kein Mensch an eine Pandemie und in kalter Zugluft aufgerissener Fenster frierende Schüler und Lehrer. Trotzdem wurde in das Gebäude eine Lüftungsanlage eingebaut, die ständig für einen Austausch der Luft in den Räumen sorgt. *(Wichtige Anmerkung der Redaktion unter dem Text!)  Doch auch mit Lüftungsanlage werden an der Schule auch im Rektoratsgebäude derzeit alle 20 Minunten die Fenster geöffnet, um frische Luft in die Klassenzimmer zu lassen. „Es geht dabei sowohl um die Reduzierung der Virenlast in den Räumen als auch um eine wahrnehmbare Handlung, die in diesen Zeiten ein Gefühl der Sicherheit vermittelt", sagt Rektorin Christine Walter-Krause. Diese Möglichkeit überlasse man den Schülern und Lehrern, sagt der Winterbacher Bauamtsleiter Rainer Blessing, weil Lüften mit geöffneten Fenstern auch einen "psychologischen Effekt" habe und ein gutes Gefühl gebe.

Außer der Lüftungsanlage wurden bei der Sanierung schmale Minifenster zwischen den eigentlichen Fensterflügeln eingebaut, um im Sommer die Räume besser kühlen zu können. „Sie sind dazu gedacht, die Nachtkühle ins Gebäude zu lassen“, erklärt Rektorin Christine Walter-Krause. Nachts können sie aufbleiben, und weil sie mit stabilen Abdeckungen versehen sind, die nur durch kleine Löcher die Luft reinlassen, besteht keine Gefahr, dass es ins Klassenzimmer regnet oder ein Einbrecher einsteigt.

Für den Schulbetrieb in Pandemie-Zeiten muss Christine Walter-Krause leider in Bezug auf die Öffnungen festhalten: „Die sind kein Ersatz fürs Lüften mit offenen Fenstern.“ Dazu seien sie einfach zu schmal, man könne dabei nicht ernsthaft von „Lüften“ reden.

Die Fenster müssen zubleiben, damit die Lüftungsanlage richtig arbeitet

Das Schorndorfer Burg-Gymnasium hat in seinem neuen großen Hauptgebäude, das 2018 eingeweiht und bezogen wurde, ebenfalls eine Lüftungsanlage und setzt auch in Corona-Zeiten ganz auf diese. Aufs Lüften über geöffnete Fenster verzichtet man dort komplett - ja, es ist sogar verboten. „Unsere Lüftungsanlage funktioniert dann am besten, wenn die Klassenzimmer hermetisch abgeschlossen sind“, sagt Rektor Jürgen Hohloch. Das System im Schulneubau misst nämlich ständig die Luftqualität in den Räumen und regelt sich selbstständig. Wenn man dann die Fenster aufmache, dann verfälsche das die Messergebnisse, erklärt Hohloch.

Die Fenster im Burg-Gymnasium kann man ohnehin gar nicht öffnen. Nur etwa 30 Zentimeter breite Klappen könne man aufmachen, sagt der Rektor, ein ähnliches System wie an der Lehenbachschule, durch die definitiv nicht genügend Frischluft für einen funktionierenden Austausch der Luft im Raum komme. Das maschinell gesteuerte System funktioniere prinzipiell aber gut, man müsse es nur ab und zu nachjustieren. „Es führt die verbrauchte Luft aus dem Klassenzimmer ab und frische Luft zu.“ Das sei ausreichend, um die Gefahr von zu lange im Raum stehenden, virenbehafteten Aerosolen zu bannen.

Trotzdem belüfte man morgens vor dem Unterricht und teilweise in den Pausen das Schulgebäude mit einer sogenannten „Kaminwirkung“, sagt Rektor Jürgen Hohloch. Das heißt: Eingangstüren auf und Oberlichter in der Aula auf, damit es dort richtig durchzieht.

Geräte zur Luftreinigung: Lieferzeiten „unendlich“

Insofern sind die Schüler und Lehrer am Schorndorfer Burg-Gymnasium in diesen Pandemiezeiten ziemlich privilegiert und können den Unterricht ungestört von alle 20 Minuten hereinströmender kalter Zugluft verbringen – allerdings nicht immer und nicht alle. Denn im Erweiterungsbau der Schule gibt es keine automatische Lüftungsanlage. Dort sind die Fachräume und die Klassenzimmer der Elft- und Zwölftklässler untergebracht. „Die müssen auf herkömmliche Weise alle 20 Minuten lüften“, sagt Jürgen Hohloch. Die älteren Schüler könnten sich gut darauf einstellen, meint er. „Es ist niemand begeistert davon, aber es geht schon. Besser als nichts ist es auf jeden Fall.“

Und Alternativen gibt es derzeit einfach nicht. Eine Lüftungsanlage wie im Neubau des Burg-Gymnasiums lässt sich nicht mal so eben in einer Schule nachträglich einbauen. Bei den mobilen Luftreinigungsgeräten, die gerade als Lösung im Gespräch sind, sieht Jürgen Hohloch ein anderes Problem. „Wir haben uns ein Testgerät bestellt, aber die Lieferzeiten sind unendlich.“ Das Burg-Gymnasium warte seit Wochen darauf. Selbst wenn Bund und Land die Geräte für die Schulen finanzieren würden, meint er, könne es lange dauern, bis alle damit ausgestattet seien.

*Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel wurde aktualisiert, weil die erste Version unvollständig und teilweise fehlerhaft war. Darin war die Lüftungsanlage der Lehenbachschule nicht erwähnt. Unser Redakteur hat mit der Rektorin über das Lüften an ihrer Schule gesprochen. Dabei hat sie die Lüftungsanlage nicht erwähnt, sondern die Notwendigkeit des Lüftens alle 20 Minuten betont. "Für alle Klassen gilt die einheitliche Regelung, nach 20 Minuten zu lüften, da nicht alle Gebäude der Lehenbachschule mit einer Lüftungsanlage ausgestattet sind", so ihre Erklärung im Nachhinein.

Als vor drei Jahren das sogenannte Rektoratsgebäude der Winterbacher Lehenbachschule umgebaut und saniert wurde, da dachte noch kein Mensch an eine Pandemie und in kalter Zugluft aufgerissener Fenster frierende Schüler und Lehrer. Trotzdem wurde in das Gebäude eine Lüftungsanlage eingebaut, die ständig für einen Austausch der Luft in den Räumen sorgt. *(Wichtige Anmerkung der Redaktion unter dem Text!)  Doch auch mit Lüftungsanlage werden an der Schule auch im Rektoratsgebäude derzeit alle

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