Winterbach

Frust wegen „bürokratischem Monster“: Winterbach will Sprachförderprogramm nicht

Sprachförderung
Sprachförderung sollte spielerisch und am besten mitten im Kindergartenalltag stattfinden, sagen Fachkräfte. © Benjamin Büttner

Nach dem Spatz kommt der Kolibri. Ab dem kommenden Kindergartenjahr gilt in Baden-Württemberg ein neues Förderprogramm für die Sprachförderung in den Kindertageseinrichtungen, in Kurzform heißt es Kolibri und löst das alte Programm mit dem anderen Vogelnamen ab. Die Veränderungen sind massiv – und sorgen für Frust bei den Fachkräften in den Kitas, wie der Winterbacher Hauptamtsleiter Matthias Kolb im Gemeinderat berichtet. Die Gemeinde fürchtet, dass es vorhandene Probleme in den Einrichtungen verstärken könnte. „Es ist eigentlich schleierhaft für uns, wie man in Zeiten von Fachkräftemangel und in denen man in vielen Bildungsstudien schlecht abschließt, so ein Förderprogramm machen kann“, so Kolb.

Der Name Kolibri setzt sich aus Silben aus dem längeren Titel „Kompetenzen verlässlich voranbringen“ zusammen. Matthias Kolb nannte das Programm im Gemeinderat ein „bürokratisches Monster“. Das sind sehr deutliche Worte von einem Mann, der nicht zu sprachlichen Übertreibungen neigt. Wenn Matthias Kolb sich so ausdrückt, dann muss schon wirklich Feuer unterm Dach sein. „Der Frust bei den pädagogischen Fachkräften ist hoch“, berichtete er.

„Das Kind soll immer im Mittelpunkt stehen“

Der Grund für den Frust ist unter anderem der hohe Verwaltungsaufwand, der aus Sicht der Erzieherinnen und pädagogischen Fachkräfte hinter dem Förderprogramm steckt. „Das Kind soll immer im Mittelpunkt stehen“, sagte Matthias Kolb dazu. „Hier steht aber die Bürokratie im Mittelpunkt, und der Dokumentationsaufwand.“ Dazu kommt, dass dieser Aufwand aus Sicht der Gemeindeverwaltung in keinem guten Verhältnis zum jährlichen Zuschuss von 2200 Euro pro Gruppe steht. Zudem sei es schwierig, unter den Förderbedingungen externe Fachkräfte für die Sprachförderung zu gewinnen.

Aber auch die inhaltlichen Vorgaben halten die Fachkräfte in den Winterbacher Kitas im neuen Förderprogramm für verfehlt. Zwar sei die gezielte Förderung in Kleingruppen bei manchen Kindern auch wichtig. Aber: „Immer mehr Untersuchungen zeigen [...], dass der wirkliche Gewinn für die Kinder in der alltagsintegrierten Sprachförderung liegt“, heißt es in der Sitzungsvorlage für den Gemeinderat. Also: beim Buchvorlesen, beim Spielen, in ganz alltäglichen Gesprächssituationen mit den Kindern. Mit Kolibri förderfähig ist aber nur noch die Sprachförderung in Kleingruppen außerhalb der normalen Alltagssituationen.

Der Wunsch aus den Kitas war deswegen eindeutig: „Aus dem Sprachförderprogramm des Landes mit seinen restriktiven Vorgaben auszusteigen und wichtige Schwerpunkte in einem eigenen Sprachförderprogramm zu setzen.“

Das hat der Gemeinderat jetzt auch so beschlossen. Das eigene Förderkonzept der Gemeinde haben Katrin Leitlein, die den Bereich Bildung und Erziehung verantwortet, und Martina Rentschler, die Pädagogische Fachberaterin für die Winterbacher Betreuungseinrichtungen, gemeinsam mit den Kita-Leitungen zusammengestellt und aufgeschrieben.

"Das kostet uns etwas"

Durch den Ausstieg aus dem staatlichen Förderprogramm verzichtet Winterbach auf Zuschüsse in Höhe von insgesamt rund 17.600 Euro. „Das kostet uns etwas“, sagte Hauptamtsleiter Matthias Kolb. „Aber wir wissen, dass wir weiter eine gute Qualität bieten können.“ Zudem hegt er die Hoffnung, dass sich mit dem neuen „Kita-Qualitätsgesetz“, das ab 1. Januar 2023 in Kraft tritt (und das „Gute-Kita-Gesetz“ ablöst), neue Zuschussmöglichkeiten auftun könnten. Darin sollen ebenfalls Gelder für die Sprachförderung zur Verfügung gestellt werden, die Förderbedingungen sind aber noch unklar.

Wie Matthias Kolb im Gemeinderat auch betonte, ist Winterbach mit seiner Entscheidung gegen das neue Förderprogramm nicht alleine. Einige Träger und andere Kommunen hätten ebenfalls schon beschlossen, unter den gegebenen Bedingungen auszusteigen. Zum Beispiel ist auch Plüderhausen ausgestiegen. Über den Gemeindetag und Trägerverbände werde die Unzufriedenheit auch „massiv“ an die Landesregierung zurückgemeldet, so Kolb.

Nach dem Spatz kommt der Kolibri. Ab dem kommenden Kindergartenjahr gilt in Baden-Württemberg ein neues Förderprogramm für die Sprachförderung in den Kindertageseinrichtungen, in Kurzform heißt es Kolibri und löst das alte Programm mit dem anderen Vogelnamen ab. Die Veränderungen sind massiv – und sorgen für Frust bei den Fachkräften in den Kitas, wie der Winterbacher Hauptamtsleiter Matthias Kolb im Gemeinderat berichtet. Die Gemeinde fürchtet, dass es vorhandene Probleme in den

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper