Winterbach

Gemeinde Winterbach fordert Bürger auf, Bäume in ihren Gärten zu pflanzen

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Der Platz für Bäume an Wegen und Straßen ist begrenzt, hier ein Bild aus der Westergasse in Winterbach. Rechts eine Hainbuche, wie sie wegen ihres schlanken Wuchses und ihrer Hitze- und Trockenheitsbeständigkeit jetzt an vielen weiteren Stellen gepflanzt werden soll. © Gaby Schneider

Auf Antrag der Grünen im Gemeinderat hat die Winterbacher Gemeindeverwaltung nach Stellen gesucht, an denen neue Bäume im Ort gepflanzt werden könnten. Das war gar nicht so einfach, der Platz für mehr Grün ist sehr begrenzt. Trotzdem kann sich die jetzt vorgelegte Liste mit 95 möglichen Neupflanzungen sehen lassen. Luft nach oben sieht die Gemeinde noch auf Privatgrundstücken. Viele würden stattdessen Bäume in ihren Gärten entfernen, mit der Begründung, das Laub mache zu viel Arbeit, meint Bauamtsleiter Rainer Blessing und sieht eine Tendenz, die genau in die Gegenrichtung läuft.

Die Grünen-Fraktion hatte die Prüfung neuer Baumstandorte als Klimaschutzmaßnahme beantragt. Die Bäume, so der Gedanke, spenden Schatten und sorgen an Straßen und Wegen auch dafür, dass der darunterliegende Asphalt sich nicht so sehr aufheizt. Die Wasserverdunstung über die Blätter sorge an heißen Tagen zusätzlich für Kühlung, so führt die Gemeindeverwaltung in der Sitzungsvorlage für den Bauausschuss aus. Ein dritter positiver Faktor ist die Aufnahme und Bindung von CO2.

Oberirdische und unterirdische Hindernisse für Baumpflanzungen

Für die Bäume gibt es jedoch einige limitierende Faktoren. Ein Baum, der an einer Straße wächst, darf zum Beispiel bis zu einer Höhe von vier Metern nicht in den Straßenraum hineinragen, damit keine Lastwagen hängenbleiben. Auf der anderen Seite sollten die Äste nicht über Privatgrundstücke wachsen. Und auch im Untergrund gibt es enge Grenzen: Leitungen und Kabel lassen vielerorts wenig Raum für die Wurzeln.

Letzteres ist auch einer der Gründe, warum die jetzt dem Bauausschuss des Gemeinderats vorgelegte Liste mit Baumstandorten noch vorläufig ist. 95 stehen darauf, aber bei einigen muss noch geprüft werden, ob nicht zum Beispiel Stromleitungen im Untergrund eine Neupflanzung unmöglich machen. Verwaltung und Gemeinderäte gehen davon aus, dass es am Ende weniger als 95 Bäume sein werden. Bauamtsleiter Rainer Blessing schränkt auch ein: „Einen mächtigen Baum wie die Linde vor der Michaelskirche können wir nicht pflanzen.“ Dafür fehle ganz einfach der Platz. Stattdessen sind eher schmal wachsende und kleinkronige Bäume vorgesehen, wie Säulenhainbuchen oder Zwergahorn.

Arten, die Hitze und Trockenheit vertragen

Man achte außerdem darauf, dass es sich um Arten handelt, die Hitze und Trockenheit gut vertragen, so Blessing. In der Hinsicht habe zum Beispiel die Hainbuche wenig mit der Rotbuche gemeinsam, die in den Wäldern verbreitet ist, die aber mit Hitze und Trockenheit große Probleme hat. Die Hainbuchen gehören zu den Birkengewächsen. Auch wenn sie nicht an eine große Linde heranreichten, könnten sie doch nach 30 Jahren einen Kronendurchmesser von fünf Metern und eine Höhe von 15 Metern oder mehr erreichen, so Rainer Blessing, sie bleiben also auch keine Minibäumchen.

Gepflanzt werden sollen die Bäume über die kommenden zwei Pflanzperioden hinweg. Dieses Jahr werde der Bauhof nur einzelne Bäume schaffen, nächstes Jahr im November soll dann ein großer Teil der geplanten Gesamtzahl drankommen. Der Vorteil bei einer Pflanzung im Herbst sei im Gegensatz zum Frühjahr, dass man sich das aufwendige Gießen spare, sagt Rainer Blessing.

Viele der ausgewählten Standorte liegen an Straßen oder an Parkplätzen, einige davon aber zum Beispiel auch auf Spielplätzen. Allein sechs Bäume sollen am Kindergarten Schafacker gepflanzt werden, acht auf dem oder direkt am Gelände der Lehenbachschule, insgesamt elf neue Bäume sollen im Bereich von Sportgelände, Salierhalle, Parkplätzen und Kinderhaus Lerchenstraße kommen, am Gleisdorfer Platz einer. 28 Neupflanzungen sind auf dem Friedhof vorgesehen, um den Baumbestand dort für die Zukunft zu erhalten.

Keine neuen Bäume am Marktplatz

Teilweise sind die Pflanzungen Ersatz für Bäume, die gefällt werden mussten, weil sie nicht mehr standsicher waren. Auch Ersatz für die Kastanie am Erdbeerstand ist dabei, die beim Brandanschlag auf den Stand im Jahr 2020 derart in Mitleidenschaft gezogen wurde, dass sie gefällt werden musste.

Ein Bereich, der auf der Liste ganz fehlt, ist der Marktplatz in der Ortsmitte. Dafür gibt es zwei Gründe. „Der Marktplatz ist im Untergrund voll mit Leitungen“, nennt Rainer Blessing den ersten. Außerdem werde der Platz für den Wochenmarkt und Veranstaltungen wie das Brunnenfest oder den Weihnachtsmarkt gebraucht. Bei der Neugestaltung der Ortsmitte vor einigen Jahren habe man um jeden Baum dort gekämpft, aber mehr sei nicht möglich.

„Es gibt Straßen, da sehen Sie keinen einzigen Baum“

Was dem Winterbacher Bauamtsleiter bei seiner E-Bike-Tour durch den Ort auch aufgefallen ist: „Es gibt viele Vorgärten, die keinen Baum haben. Es gibt ganze Straßen, da sehen Sie keinen einzigen Baum.“ Mit Blick auf die Klimaerwärmung sei es aber wichtig, dass jeder Einzelne etwas tue. „Es wäre schön, wenn alle Bürger sich auch noch mal ihren Vorgarten angucken diesbezüglich.“

Für die Pflanzaktionen will die Gemeinde Winterbach 35 000 Euro im Haushalt für das Jahr 2023 einplanen. Im Schnitt koste ein neuer Baum 300 bis 350 Euro inklusive Kosten für Dinge wie einen Mietbagger.

Auf Antrag der Grünen im Gemeinderat hat die Winterbacher Gemeindeverwaltung nach Stellen gesucht, an denen neue Bäume im Ort gepflanzt werden könnten. Das war gar nicht so einfach, der Platz für mehr Grün ist sehr begrenzt. Trotzdem kann sich die jetzt vorgelegte Liste mit 95 möglichen Neupflanzungen sehen lassen. Luft nach oben sieht die Gemeinde noch auf Privatgrundstücken. Viele würden stattdessen Bäume in ihren Gärten entfernen, mit der Begründung, das Laub mache zu viel Arbeit,

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