Winterbach

Glühwein-Stand in Winterbach kommt gut an - wird aber in Sachen Corona-Verordnung auch kritisch beäugt

Glühweinstand
Weihnachtlicher Glanz am Bahnhofsplatz in Winterbach: Von Donnerstag bis Sonntag hat dort ab sofort der Stand des Café-Bistros Volapük nachmittags geöffnet. © ALEXANDRA PALMIZI

Glühwein, Wurst vom Grill, Punsch und Bombardino verkauft seit Mittwoch das Café-Bistro „Volapük“ in Winterbach an einem stimmungsvoll weihnachtlich geschmückten Stand, alles konform mit der Corona-Verordnung zum Mitnehmen. Das Angebot zieht viele Menschen an – aber auch die Polizei und das Ordnungsamt schauten gleich am ersten Nachmittag vorbei. Die Behörden beobachten sehr genau, was sich in Bezug auf die Einhaltung der Corona-Verordnung am und rund um den Stand passiert. Katharina Klafs von der Gemeinde Winterbach spricht von einem „Grenzfall“.

"Fast wie beim Après-Ski, wenn der Abstand nicht wäre"

Davon abgesehen sind die Reaktionen begeistert und lobend, wie sich unter anderem in Kommentaren im sozialen Netzwerk Facebook ablesen lässt. „Fast wie beim Après-Ski, wenn der Abstand nicht wäre“, schreibt ein Nutzer. Seit Corona denkt man natürlich beim Begriff Après-Ski gleich an Ischgl, den österreichischen Skiort, der im März zu einem der Virus-Hotspots in Europa wurde und über den viele Infektionen auch nach Deutschland gekommen sind. Von Tiroler Verhältnissen ist allerdings der neue Glühweinstand des „Volapük“ am Bahnhofsplatz in Winterbach weit entfernt. Es gibt keine Musik und kein Gedränge, keine Party, niemand fällt, enthemmt vom Alkohol, wildfremden Menschen um den Hals.

Alles sei ganz ruhig und vorschriftsmäßig, mit Abständen, über die Bühne gegangen, sagt Umberto Arnold, der mit seiner Frau Ina Haußer das „Volapük“ betreibt. Etwa 200 Menschen, schätzt er, seien zwischen 15 und 20 Uhr da gewesen. „Nicht gleichzeitig“, betont er. „Verteilt auf die fünf Stunden.“ Zeitgleich seien am Höhepunkt vielleicht maximal 30 bis 35 Leute vor Ort gewesen, aber auch nicht alle gedrängt vor dem Stand, sondern locker verteilt in der Umgebung.

Dennoch muss jemand, der das gesehen hat, die Polizei gerufen haben, denn die stand am frühen Abend plötzlich da. Die Beamten konnten aber keine Ordnungswidrigkeiten feststellen und zogen wieder ab. Auch Katharina Klafs, bei der Gemeinde für Ordnungsangelegenheiten zuständig, war zuvor schon kurz da. Auch sie konnte keine konkreten Verstöße feststellen. Umberto Arnold betont dabei auch: Wenn jemand irgendwo am Bahnhofsplatz stehen bleibe oder sich auf eine Bank setze, dann habe er keinen Einfluss darauf und könne ihn da nicht wegschicken.

Gefahr von Ansammlungen

„Ein Glühweinverkauf lädt dazu ein, dass man ihn vor Ort trinkt und nicht mit nach Hause nimmt“, sagt Katharina Klafs. Deswegen sehe sie aus dem Blickwinkel des Ordnungsamts schon die Gefahr, dass sich zu viele Menschen ansammeln. „Wir werden es im Auge behalten und bleiben mit dem Betreiber im Gespräch.“

Es ist eine Gratwanderung. Umberto Arnold sagt: „Ich möchte überhaupt keinen Ärger.“ Deswegen sei auch spätestens um 20 Uhr Feierabend. „Wir sind gewillt, dass wir niemand stören durch unsere Aktivitäten.“ Er sei jederzeit bereit zu weiteren Kompromissen, wenn das Ordnungsamt oder die Polizei ihn darum bitten würden. Nach dem ersten Öffnungstag rüstet er zudem nach und sperrt den Bereich ab, der zum „Volapük“ gehört, damit sich dort garantiert niemand aufhält, und stellt Hinweisschilder auf, dass man dort keine Speisen und Getränke verzehren darf.

Aus geschäftlicher Sicht ist Umberto Arnold sehr zufrieden damit, wie das neue, vorweihnachtliche Angebot angelaufen ist. Es seien auch viele gekommen, die zuvor nie im „Volapük“ gewesen seien, auch Pendler auf dem Weg zur S-Bahn hätten sich Wurst oder Glühwein mitgenommen.

Umberto Arnold und Ina Haußer haben das „Volapük“ erst Anfang des Jahres übernommen und wieder- beziehungsweise neu eröffnet. Wenige Wochen später mussten durch die Corona-Pandemie zum ersten Mal alle Gaststätten zumachen. Man konnte währenddessen im „Volapük“ Essen zum Mitnehmen kaufen. Im September schafften Umberto Arnold und Ina Haußer ein Zelt und Heizpilze an, um sich auf den Winter vorzubereiten – dann kam die Verschärfung der Corona-Maßnahmen, der Lockdown, das heißt, die erneute Schließung.

Den Verlust soll jetzt der Glühweinstand zumindest etwas auffangen. Umberto Arnold hat ihn mit Helfern und Material aus dem Baumarkt selbst gebaut. „Wir haben wieder sehr viel investiert“, sagt er. Zum Beispiel in Glühweinweinkocher und Grill.

Viele Winterbacher freut’s. Zumal der Stand in eine Lücke stößt, die die Absage der Weihnachtsmärkte hinterlassen hat und etwas vorweihnachtliche Stimmung in eine gerade insgesamt eher trostlose Zeit bringt. Geöffnet hat der Verkauf in den kommenden Wochen donnerstags und freitags von 15 bis 19 oder 20 Uhr, je nach Betrieb, sowie samstags und sonntags von 12 bis 18 Uhr.

Glühwein, Wurst vom Grill, Punsch und Bombardino verkauft seit Mittwoch das Café-Bistro „Volapük“ in Winterbach an einem stimmungsvoll weihnachtlich geschmückten Stand, alles konform mit der Corona-Verordnung zum Mitnehmen. Das Angebot zieht viele Menschen an – aber auch die Polizei und das Ordnungsamt schauten gleich am ersten Nachmittag vorbei. Die Behörden beobachten sehr genau, was sich in Bezug auf die Einhaltung der Corona-Verordnung am und rund um den Stand passiert. Katharina Klafs

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