Winterbach

Gregor Meyle und Milow zu Gast beim Zeltspektakel in Winterbach

Gregor Meyle Zeltspektakel Winterbach
Seinen Durchbruch erlebte Meyle 2007 bei einer Casting-Show von Stefan Raab, wo er es mit eigenen Liedern bis in das Finale geschafft hatte. © ZVW/Alexandra Palmizi

Gregor Meyle und Milow das klingt nach einem unbeschwerten Abend, nach Poesie, Leichtigkeit und Wohlgefühl. Und genau das war es auch. Die beiden Sänger kennen und schätzen sich seit langem und stehen nicht das erste mal nacheinander auf der Bühne.

Der Konzertabend beginnt mit dem Songpoeten Gregor Meyle, der erst einmal alle Zuschauer nach Hause schickt. „Ciao, macht's gut, kommt gut nach Hause“, sagt er dem verdutzen Publikum und verbeugt sich. Dann spielt er als „Zugabe“ den Song „Hier spricht dein Herz“ aus dem Album „New York Stintino“ von 2014. Ein ganz typischer Meyle-Song und eine seiner erfolgreichsten Balladen. Es geht darum, auf die innere Stimme, das Herz, zu hören. Was ist schon äußerer Erfolg? Und „behalte dein Lächeln im Gesicht“. Das steht auch in großen Buchstaben auf den T-Shirts, die der Künstler hinter dem Eingang verkauft. Seinen Durchbruch erlebte Meyle 2007 bei einer Casting-Show von Stefan Raab, wo er es mit eigenen Liedern bis in das Finale geschafft hatte. Später war er bei „Sing meinen Song“ bei Vox mit dabei, wo er auch Milow kennen lernte.

Gregor Meyle, der Mann mit dem Hut

Er singt und lebt mit Hut. Auf fast allen Bildern trägt er ihn. 2017 wurde er mal von der Gemeinschaft Deutscher Hutfachgeschäfte e.V. zum Hutträger des Jahres ausgewählt.Unterstützt wird er auf der Bühne unter anderem von Posaune, Trompete, Saxophon und Geige. Er hat es gerne satt und sahnig. Mal klingt es nach Sunshine-Reggae wie bei Jimmy Cliff, dann ist es Latin oder Irish-Folk. Wie ein bunter Eisbecher „Einmal mit allem“. Und das macht tatsächlich gute Laune. Auch oder gerade weil er sich dabei so vieler musikalischer Klischees bedient. „Jetzt kommt ein unglaublich trauriges Lied“, heißt es unvermittelt und es folgt der Song „Keine wie du“. Sehr reduziert und mit weicher Stimme singt er „Ich will nie wieder alleine bleiben - Ich will nie wieder so einsam sein - Nie wieder so furchtbar leiden - Wegen dir, doch keine ist wie du - Ich geb's jetzt endlich zu“. Eine verträumt-melancholische Ballade. Mit der Musik hätte man vielleicht auch Versicherungen verkaufen können – trotzdem: es ist schön. Der Text ist sehr einfach, aber es geht ja auch um das Herz, um das Loslassen und das Ankommen im warmen Gefühl. Das Lied bekommt einen gewaltigen Applaus.

Überhaupt ist das Publikum voll dabei, es wird immer wieder auch getanzt. Zwischendurch klingt die Band wie die Simple Minds. Meyle hat vieles drauf und wird von fantastischen Musikern begleitet. Zum Schluss des Konzerts wird es noch einmal ganz gefühlig. „Auf den Frieden, auf die Liebe!“ ruft der Sänger. „Ich möchte alle Lichter sehen, ihr konntet zwei Jahre Akku sparen“. Klar, er bekommt seine Lichter. Passend zu dem Song „Du bist das Licht“. Darin heißt es: „Wenn all das was vor dir liegt auf einmal 'nen Sinn ergibt. Dann scheint durch die Dunkelheit am Ende das Licht“. Meyle entlässt seine Fans nicht in die Pause, sondern ins Licht.

Charmanter Belgier mit Akustik-Gitarre - Milow

Dann Milow. Ein Star. Über 2 Millionen monatliche Hörer auf Spotify. Und was für eine Stimme! Sehr clean und doch mit Gänsehaut-Garantie. Milow hat beim Songwriting irgendwie den Code geknackt. Während Gregor Meyle musikalisch immer wieder in eine neue Haut schlüpft, klingt Milow einfach immer wie Milow. Und erstaunlicherweise wird das nicht langweilig. Weil die Songs tragen. Deswegen kann er sich, wenn er will auch einfach nur auf der Akustik-Gitarre begleiten. Da fehlt dann nichts. Milow heißt eigentlich Jonathan Vandenbroeck und stammt aus Antwerpen in Belgien. Ein bisschen sieht er aus wie Harry Belafonte und so weit weg ist seine Musik davon gar nicht. Milow präsentiert sich schlicht in weißem T-Shirt. Mit seinem rasierten Schädel und der leicht überirdischen Stimme wirkt er ätherisch. Er moderiert sehr charmant in gutem Deutsch. Der flämische Akzent macht ihn, der überall als sympathisch bezeichnet wird, noch sympathischer.

Wie lässt sich ein typischer Milow-Song beschreiben? Da ist meist dieser Reggae-Rythmus. Afro-Pop könnte man das nennen. Der perfekte Soundtrack zum Segelturn in der Karibik. Unbeschwert, wie ein zartschmelzendes Raffaelo. Nach wenigen Takten ist man in diesem „Sommerbrise-Wohlfühlmodus“. Er spricht über die Zeit während der Coronakrise. „Ich hatte viel Zeit, über die Mauern nachzudenken, die ich um mich gebaut habe“, sagt er. Die Ballade „Nice to meet you“ vom gleich betitelten aktuellen Album ist eine Liebeserklärung an seine beiden Kinder. Er habe von ihnen genauso viel gelernt wie sie von ihm. „It's great to know you - I hope growing up with me was not too bad - I couldn't be more proud to be your dad“. Wer wünscht sich nicht einen Vater, der so etwas vor tausenden von Menschen singt? Naja, vielleicht wäre es ja auch schön, wenn der Vater nicht so extrem viel auf Tour wäre.

Aber was soll's. Milow erzählt vom Konzert am Vorabend in Finkenstein in Österreich. Dort hatten Millionen von fliegenden Ameisen die Band auf der Bühne heimgesucht. Das ist schon ein erfrischender Kontrast, diese fast körperlose, aufgeräumte Musik und der Angriff der Ameisen. „Wir versuchen mit jedem Song ein wenig zu kühlen“, sagt er angesichts des warmen Sommerabends. Und das gelingt ihm zum Beispiel mit frischen Tanznummern wie „De Lorean“, einem orignellen Song über eine Zeitreise in die 80er Jahre seiner Kindheit.„You and me“ ist ein warmherziger Mitsingsong mit afrikanischen Klängen. Der größte Hit ist aber „Ayo Technology“, ursprünglich von 50 Cent. Jeder hat ihn schon einmal gehört. Ein echter Welthit.

Gregor Meyle und Milow das klingt nach einem unbeschwerten Abend, nach Poesie, Leichtigkeit und Wohlgefühl. Und genau das war es auch. Die beiden Sänger kennen und schätzen sich seit langem und stehen nicht das erste mal nacheinander auf der Bühne.

Der Konzertabend beginnt mit dem Songpoeten Gregor Meyle, der erst einmal alle Zuschauer nach Hause schickt. „Ciao, macht's gut, kommt gut nach Hause“, sagt er dem verdutzen Publikum und verbeugt sich. Dann spielt er als „Zugabe“ den Song

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