Winterbach

Impfen, Testen, Masken: Was gilt wo?

Corona Engelberg
Die Waldorfschule Engelberg: „Nach bestem Wissen und Gewissen geprüft.“ © Gabriel Habermann

„Es gibt keine Impfpflicht gegen Corona“, das festzustellen ist Wolfgang Kersten, dem Schularzt auf dem Winterbacher Engelberg, wichtig. Richtig findet er das außerdem. Jeder müsse selbst entscheiden dürfen, ob er seine Kinder impfen lassen wolle oder nicht. Indes, die Masern betreffend ist das seit März 2020 mit der Einrichtung des Masernimpfschutzgesetzes nicht mehr möglich. Lassen Eltern ihre Kinder nicht gegen jene Krankheit impfen, begehen sie eine mit Geldstrafe geahndete Ordnungswidrigkeit.

Impfungen auf dem Gelände der Waldorfschule?

Allerdings - tatsächlich sei er in seiner Praxis, die er auf dem Gelände der Waldorfschule betreibt, zuletzt schon häufig von privaten Patienten nach der Impfung gegen Covid-19 gefragt worden. Er geht davon aus, dass er ab Mitte April bis Anfang Mai als Hausarzt dazu in der Lage sein wird. Die Geschwindigkeit der Impfstofflieferung werde es zeigen. Zudem habe sich ein Großteil der in Winterbach tätigen Waldorfschul-Pädagogen bereits eine Bescheinigung von der Schulleitung ausstellen lassen, die dazu berechtigt, eine Impfung zu erhalten. Vor allem unter den Erzieherinnen und Erziehern, die in der Kita besonders engen Kontakt zu Kindern haben, die selbst noch keine Masken tragen müssen, sei die Impfbereitschaft besonders hoch. Beinahe bei 100 Prozent.

„Wir sind keine Querdenker“

Was die Lehrer betrifft, schätzt er die Gruppe der Impffreudigen kleiner, aber immer noch hoch ein. „Rund 70 bis 80 Prozent wollen geimpft werden.“ Unsicher ist er aber, ob diese Bereitschaft nach dem Hickhack der vergangenen Woche und dem kurzzeitigen Aussetzen der Immunisierungen mit dem Impfstoff Astrazeneca noch immer so stark ist. Ob er sich selbst impfen lassen wird? Dazu wollte der Mediziner keine Angaben machen. Er weiß, dass in der öffentlichen Wahrnehmung das anthroposophische Umfeld immer wieder mit einer gewissen Impfskepsis in Verbindung gebracht wird. Aber: „Wir sind keine Querdenker“, betont Kersten.

Und was die Maskenpflicht an Schulen betrifft, ist er ganz klar: „Lieber nutzen wir Masken, als ganz auf die Schule zu verzichten.“ Vor allen Dingen für die Grundschulkinder und die Abschlussklassen hält er den Präsenzunterricht für absolut notwendig. Das Maskentragen werde dennoch an den jungen Schülerinnern und Schülern nicht ohne Eindruck vorbeigehen, vermutet er. Die Mimik von Lehrern und Schülern auszuschalten, ändere zweifellos die Bedingungen der Kommunikation. „Man sieht jetzt noch gar nicht ab, welche Schäden möglicherweise hinterher aufgefangen werden müssen.“ Und natürlich stehe es Eltern frei, sich gegen den Präsenzunterricht zu entscheiden. Für einzelne Kinder könne es auch tatsächlich die bessere Wahl sein, zu Hause zu bleiben.

Würden Kinder an Schulen auf Covid getestet, sei klar, dass als coronapositiv entdeckte Kinder auch pädagogisch und zugewandt begleitet werden müssten. „Vermutlich von einer zuvor negativ getesteten Person“, ergänzt er. Wie das in einem für alle Beteiligenten guten Rahmen geschehen könne, müsse man sich überlegen, falls die Tests wirklich verpflichtend eingeführt würden. Bis dahin werden an der Waldorfschule auf dem Winterbacher Engelberg seit Februar zweimal pro Woche die Lehrer getestet. Aktuell handle es sich dabei um rund 30 Kollegen. Auf Wunsch der Eltern führt der Schularzt auch Schnelltests für Schüler durch. Allerdings: „Schüler kommen selten“, berichtet Kersten. Er vermutet, dass sich diese Möglichkeit noch nicht genügend herumgesprochen habe. „Falls Schulschließungen irgendwann beschlossen werden sollten für Schulen, die nicht zweimal pro Woche die Schüler testen können, werden wir gerüstet sein, um die Schließung zu vermeiden.“

An der Winterbacher Lehenbachschule lernen aktuell rund 400 Schülerinnen und Schüler in den Klassen eins bis sechs im Präsenzunterricht. Die Klassen sieben und acht befinden sich noch im Home-Schooling. Dass ihre Kinder dabei Masken tragen müssen, fänden nicht alle Eltern gut, berichtet Schulleiterin Christine Walter-Krause. Allerdings: „Gerade mal eine Handvoll Kinder wurden jetzt wegen der Maskenpflicht vom Präsenzunterricht abgemeldet.“

Etwa 50 Prozent ihrer Schüler dürfen getestet werden. Mitarbeiterinnen der Winterbacher Michaelsapotheke kommen regelmäßig in die Klassen und führen gemeinsam mit den Kindern die Tests durch. Würde ein Ergebnis positiv ausfallen, würde das Kind aus der Klasse genommen und betreut, bis es von seinen Eltern abgeholt wird.

Die Klassenlehrerin würde in einem solchen Fall mit den übrig gebliebenen Kindern darüber sprechen, wie sie mit der Situation gut umgehen können. Dies auch, um die Gefahr von nachträglichem Mobbing dem getesteten Kind gegenüber zu reduzieren. „Allerdings, wie die Eltern daheim damit umgehen, weiß man halt nicht“, ergänzt die Pädagogin.

Wie es mit der Impfbereitschaft im Lehrerkollegium aussieht? „Die ist eher hoch“, weiß Walter-Krause, die selbst auch schon geimpft ist und darüber sehr froh ist. „Die Kolleginnen und Kollegen sind einfach an vorderster Front“, erklärt sie. Und gerade, was das inzwischen erhöhte Auftreten der Mutanten betreffe, könne man sich hinter der Maske nicht ausreichend geschützt fühlen. Drum sei der Großteil der Lehrer wirklich sehr an den Impfungen interessiert.

Allerdings hapert es derzeit bekanntermaßen an der Verfügbarkeit der Immunisierungen. Walter-Krause hofft sehr, dass der Impfstoff endlich so richtig zu sprudeln beginnt und die Impfungen Fahrt aufnehmen.

Eine ähnliche Situation bietet sich in der Realschule Remshalden. Auch hier wird schon reichlich getestet. Rektorin Monika Behrend hat ganz unbürokratisch ein Angebot der Rems-Apotheke erreicht, die Tests bis Ostern einmal wöchentlich durchzuführen. Nach den Ferien sollen die pharmazeutischen Fachkräfte sogar zweimal pro Woche mit Schutzanzug und Teststäbchen anrücken. Rund 50 Prozent aller Schülerinnen und Schüler haben sich beim ersten Termin testen lassen. Die Rektorin geht davon aus, dass die Teilnahmebereitschaft sich noch weiter erhöhen wird.

„Es gibt keine Impfpflicht gegen Corona“, das festzustellen ist Wolfgang Kersten, dem Schularzt auf dem Winterbacher Engelberg, wichtig. Richtig findet er das außerdem. Jeder müsse selbst entscheiden dürfen, ob er seine Kinder impfen lassen wolle oder nicht. Indes, die Masern betreffend ist das seit März 2020 mit der Einrichtung des Masernimpfschutzgesetzes nicht mehr möglich. Lassen Eltern ihre Kinder nicht gegen jene Krankheit impfen, begehen sie eine mit Geldstrafe geahndete

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