Winterbach

Jenseits der Home-Office-Pflicht: So reagieren Föhl und Peter Hahn auf die kritische Corona-Lage

Homeoffice
Zeitweise galt bei niedrigeren Inzidenzwerten als aktuell eine Home-Office-Pflicht. Zurzeit ist das nicht geplant. © ALEXANDRA PALMIZI

Die Sieben-Tage-Inzidenz im Land ist so hoch wie nie zuvor. Trotz der beängstigenden Entwicklung der Pandemie gilt die Home-Office-Pflicht seit Anfang Juli nicht mehr. Von Seiten der Bundesregierung ist aktuell auch keine Wiedereinführung der Pflicht für Arbeitgeber geplant. Wie gehen die Firmen in der Schorndorfer Umgebung also mit der kritischen Corona-Lage in ihren Betrieben um?

Zunächst ein Vergleich: Zu Beginn dieses Jahres, am 19. Januar, wurde von der Bund-Länder-Konferenz eine Home-Office-Pflicht für Arbeitgeber beschlossen. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag damals laut des Robert-Koch-Institut bei 132 Fällen pro 100.000 Einwohner. Arbeitgeber waren fortan verpflichtet, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Home-Office anzubieten, soweit keine betriebsbedingten Gründe dagegen sprachen. Die entsprechende Änderung der Arbeitsschutzverordnung trat noch im gleichen Monat in Kraft.

Inzidenzen heute deutlich höher 

Diese Home-Office-Regelung wurde im April noch einmal weiter verschärft: Arbeitnehmer waren verpflichtet, das Home-Office-Angebot anzunehmen, wenn ihrerseits keine wichtigen Gründe dagegensprachen. Die Pflicht galt bis Ende Juni, seitdem dürfen Arbeitnehmer wieder vor Ort arbeiten. Wer an diesem Freitagmittag die Website des Robert-Koch-Instituts besucht, findet dort eine deutschlandweite Inzidenz von 263,7. Die Inzidenz, die das Institut für Baden-Württemberg angibt: 332,3.

Woher kommen diese hohen Zahlen - trotz Impfkampagne - und was haben sie letztendlich mit dem Home-Office zu tun?

Das Robert-Koch-Institut erklärt das Ausmaß der Meldefälle damit, dass im Gegensatz zum vergangenen Herbst und Winter keine vergleichbaren Maßnahmen ergriffen werden, um das Infektionsgeschehen einzudämmen. Solche Maßnahmen konkretisieren sich in großflächigen Kontaktbeschränkungen, wie wir sie zum Beispiel aus dem ersten Lockdown oder dem zweiten „Lockdown light“ kennen.

Impfquote reicht nicht aus

Gleichzeitig sollten die mittlerweile hohen Impfquoten nicht über den Ernst der Lage hinwegtäuschen, denn diese reichen „alleine noch nicht aus, um eine erhebliche Belastung des Gesundheitssystems in der vierten Welle zu verhindern“, so das Institut. Es empfiehlt einen „Multikomponenten-Ansatz“, und zielt somit auf eine Verantwortung, die nur gemeinschaftlich umgesetzt werden kann.

Aber wie wird diese Verantwortung von den Unternehmen der Umgebung getragen? Bieten sie weiterhin die Möglichkeit zur Heimarbeit an und wie wird die Arbeitspraxis von der vierten Welle beeinflusst?

Bei Föhl wird Home-Office weiterhin genutzt

„Ja, es wird noch Home-Office angeboten und das Angebot wird weiterhin genutzt“ so Lisa Hutzenlaub, Personalleiterin der Firma Föhl aus Rudersberg. Die Erfahrungen mit der Heimarbeit seien seitens der Unternehmensleitung bisher „nur positiv“ gewesen. Auch die Mitarbeiter seien für das Angebot dankbar, Feedback zu dem Thema fiele generell positiv aus.

Neben dem Home-Office und der gesetzlichen Arbeitsschutzverordnung würden zusätzlich aber auch betriebsinterne Konzepte verfolgt werden, wie zum Beispiel eine Grippeschutzimpfung im Unternehmen. Für Mitarbeiter, die ihre Tätigkeit nicht im Home-Office ausüben können, seien im Sinne der Kontaktverfolgung sogenannte „Safedi Chips“ im Einsatz, die Begegnungen der Mitarbeiter automatisch dokumentieren. Des Weiteren stehen die kleinen Geräte über Bluetooth in Verbindung und geben akustische Signale von sich, sobald der Mindestabstand unterschritten wird.

Maskenpflicht und Vorbereitung auf Drittimpfungen

Bei der Firma Peter Hahn in Winterbach wird Home-Office, so Geschäftsführer Jörg Marx, schon seit 2013 angeboten - und auch weiterhin unabhängig von der Pandemielage ausgebaut. „Die Home-Office-Möglichkeiten werden von etwa 90 Prozent der Belegschaft genutzt.“ Trotz der vielen positiven Aspekte der Heimarbeit sei eine gewisse Präsenz allerdings nicht wegzudenken. Marx erklärt: „Es gibt viele Prozesse, für die der persönliche Austausch wichtig ist, sonst geht zu viel verloren.“

Auch bei den gesetzlichen Vorgaben möchte man in Winterbach nicht stehenbleiben; laut Marx wurden zusätzlich eigene Hygienekonzepte entwickelt und umgesetzt. Dazu gehöre eine umfassende Maskenpflicht jenseits der Arbeitsplätze und etliche Schutzwände, die für die nötige Separation sorgen sollen. Das Unternehmen sei daran, sich auf Auffrischungsimpfungen im Betrieb vorzubereiten, so Marx. „Die Belegschaft wurde mit der Ausgabe von Gutscheinen zusätzlich zur Impfung motiviert“. Solche Angebote machten Betriebe nicht nur sicherer, sie machten den Arbeitsplatz auch attraktiver.

Politischer Rahmen fehlt

Nicht jeder Betrieb kann der Situation so gefasst gegenübertreten - manche Unternehmensstruktur erschwert den Umgang mit der Pandemie. So könne natürlich nicht der gesamten Belegschaft eine Möglichkeit zum Home-Office angeboten werden, man denke an Produktionsbereiche, in denen das einfach nicht möglich sei. Nach Aussagen von Sprechern, die aufgrund der „polarisierenden Stimmung“ bei dem Thema nicht genannt werden wollen, fehle teils der politische Rahmen, um wirklich effektiv planen zu können. Der Impfstatus der Mitarbeitenden sei laut Arbeitsrecht nicht auf legalem Wege zu erfragen. Das sei vor allem dann ein Problem, wenn man Aufträge im Ausland hat. Woher könne man da noch wissen, wen man einplanen könne?

Es wird deutlich: Manche politische Vorgaben sind in den Betrieben nach deren Angaben sogar von eigenen Anstrengungen überholt worden. Trotzdem gibt es Bereiche in denen noch deutlich nachgebessert werden muss. Ob und inwiefern das passiert, wird sich zeigen.

Die Sieben-Tage-Inzidenz im Land ist so hoch wie nie zuvor. Trotz der beängstigenden Entwicklung der Pandemie gilt die Home-Office-Pflicht seit Anfang Juli nicht mehr. Von Seiten der Bundesregierung ist aktuell auch keine Wiedereinführung der Pflicht für Arbeitgeber geplant. Wie gehen die Firmen in der Schorndorfer Umgebung also mit der kritischen Corona-Lage in ihren Betrieben um?

Zunächst ein Vergleich: Zu Beginn dieses Jahres, am 19. Januar, wurde von der Bund-Länder-Konferenz eine

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