Winterbach

Junge Winterbacher Künstlerin gestaltet Stationen für Mitmachkunst, die Mut macht

Rebekka Loheide
Rebekka Loheide an einer der von ihr gestalteten Mitmach- und Mutmachstationen. Von Schorndorf-Weiler aus gelangt man zu dem Rundweg mit den Stationen zum Beispiel über den Streitäckerweg Richtung Winterbach. Eine Station befindet sich am Salamander-Brunnen beim Brunnbach-Spielplatz. © Reinhold Manz

„Es waren einmal zwei Kinder mit Fahrradhelmen“ – so beginnt eine Geschichte, in einem kleinen Büchlein, das Rebekka Loheide wie eine Flaschenpost zusammen mit einem Bleistift in ein leeres Glas mit Schraubverschluss gesteckt hat. Das Glas steht auf einem Baumstumpf am Wegesrand zwischen Winterbach und Schorndorf-Weiler. „Ein Helm war blau, der andere Helm war grün mit einem Krokodil“, so geht die Geschichte weiter. „Das Krokodil hatte großen Hunger und wartete auf einen Hasen, ...“ Damit endet die erste Seite des Büchleins. Auf der zweiten Seite ist sie, mit dem gleichen Bleistift, aber in anderer Schrift fortgeführt.

Das Buch im Glas ist eine Station auf einem Rundweg, den sich Rebekka Loheide ausgedacht hat. Wie die auf einen Stein geschriebene Anleitung erklärt, geht es darum, gemeinsam eine Geschichte zu schreiben und fortzuführen, indem jeder, der vorbeikommt, einen oder mehrere Sätze hinzufügt. Mehrere solcher Geschichten sind bereits entstanden, die 18-jährige Winterbacherin dokumentiert sie auf ihrer Internetseite www.schenkemut.de. Dort gibt es außerdem noch gesammelte Gedichtbeiträge.

Der Name ist Programm, denn darum geht es ihr mit ihrem Stationenweg: Sie will Menschen in dieser Zeit, in der sie Abstand voneinander halten sollen, eine Möglichkeit geben, gemeinsam an etwas zu arbeiten– und sich damit gegenseitig Mut zu schenken. „Ich dachte dabei auch an die, die alleine leben oder Kinder, die sich langweilen.“

„Auch die ansprechen, die sagen, ich kann gar nicht kreativ sein“

Drei Stationen gibt es bisher – eine weitere soll bald dazukommen – und sie bieten eine Bandbreite, bei der jeder mitmachen kann. „Ich versuche auch die anzusprechen, die sagen, ich kann gar nicht malen und bin nicht kreativ“, sagt Rebekka Loheide. Insbesondere gelte das für die Station, an der es darum geht, eine Spirale aus Schneckenhäusern zu legen. Jeder, der eins findet, kann es einfach dazulegen. „Die Spirale ist sehr schnell groß geworden“, sagt sie. Besonders Kinder hätten Spaß, sie zu suchen und zu sammeln.


Wer gern malt und kreativ ist, der kann sich an einer anderen Station austoben. Dort liegen Steine in allen Formen und Größen, die bunt bemalt sind. „Mutmacher“, nennt Rebekka Loheide sie. Die Idee: Man nimmt sich einen mit, den jemand anderes gestaltet hat und lässt einen selbst bemalten da. Das war Rebekka Loheides ursprüngliche Idee für ihre Mutmachaktion, in ähnlicher Form findet man sie gerade vielerorts. Zum Beispiel haben viele geschlossene Kindergärten die Kinder aufgefordert, Steine zu bemalen und vorbeizubringen. Bei Rebekka Loheides Station am sogenannten Salamander-Brunnen zwischen Winterbach und Weiler liegen nicht nur Steine, sondern sogar zwei „Mutmachklötze“, bemalte Holzquader. „Es ist schön, wenn Leute selbst kreativ werden.“

Die Wege zwischen Winterbach und Weiler im Bereich des Brunnbachs hat sich Rebekka Loheide rausgesucht, weil sie sie von eigenen Spaziergängen gut kennt und weiß, dass dort viele Menschen jedes Alters unterwegs sind.

Rebekka Loheide hat 2019 am Remstal-Gymnasium Abitur gemacht und will im Herbst ein Kommunikationsdesign-Studium beginnen. Sie sei schon als Kind an künstlerischem Schaffen interessiert gewesen, erzählt sie, und habe Kurse an der Kunstschule Unteres Remstal in Waiblingen besucht. Dort lernte sie auch David Klopp kennen, der an der Kunstschule Kurse gab. Der Engelberger Künstler ist durch seine Naturkunst (englisch: Land-Art) in den vergangenen Jahren bekanntgeworden. Er schafft zauberhafte Werke aus Naturmaterialien, bevorzugt auf den Wiesen und im Wald rund um seinen Heimatort Engelberg, aber zum Beispiel für die Remstal-Gartenschau 2019 auch in allen teilnehmenden Kommunen. Von ihm sind auch die markanten, überlebensgroßen Weidenschafe, die in einer Kehre der Straße zwischen Winterbach und Engelberg stehen.

David Klopps neuestes Werk bei Engelberg: „Windgeister“


Jetzt gibt es bei Engelberg Klopps neuestes Werk zu besichtigen. Auf einer Wiese am westlichen Ortsrand, gut zu sehen zum Beispiel vom Sandweg aus, hat er „Windgeister“ aufgestellt. An Weidenstöcken hängen dort lange Schweife aus Bastfasern, teilweise rötlich eingefärbt, die im Wind wehen. Besonders schön ist der Anblick im Sonnenlicht der frühen Morgen- oder Abendstunden. Der Besuch hier lohnt sich zusammen mit einer kleinen Rundwanderung im Wald oder auf dem „Weißen Pfad“, den David Klopp angestoßen und zusammen mit anderen – zum Beispiel war Rebekka Loheide beteiligt – für die Gartenschau 2019 gestaltet hat. Als Ausgangspunkt bietet sich der Sandweg in Engelberg an, aber der „Weiße Pfad“ kann auch von der Winterbacher Ortsmitte aus begangen werden.


Wichtig ist David Klopp dabei immer, dass die Bewunderer seiner Naturkunst selbst achtsam mit der Natur umgehen. In Unterscheidung zu Rebekka Loheides Stationen sind die „Windgeister“ keine Mitmachkunst. Deswegen auch sein Hinweis, sie aus der Entfernung auf sich wirken zu lassen, aber die Wiesen, auf denen sie stehen, nicht zu betreten. Das sei eine dringende Bitte der Familie Traub, die mit ihrem landwirtschaftlichen Betrieb die Wiesen bewirtschaftet, sagt Klopp. Wenn es im Sommer ans Heumachen geht, baut er seine „Windgeister“ dann auch wieder ab.

„Es waren einmal zwei Kinder mit Fahrradhelmen“ – so beginnt eine Geschichte, in einem kleinen Büchlein, das Rebekka Loheide wie eine Flaschenpost zusammen mit einem Bleistift in ein leeres Glas mit Schraubverschluss gesteckt hat. Das Glas steht auf einem Baumstumpf am Wegesrand zwischen Winterbach und Schorndorf-Weiler. „Ein Helm war blau, der andere Helm war grün mit einem Krokodil“, so geht die Geschichte weiter. „Das Krokodil hatte großen Hunger und wartete auf einen Hasen, ...“ Damit

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