Winterbach

Kelter-Kindergarten wird geschlossen

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Die Erzieherinnen Sabine Röhder und Ann-Kathrin Murgui (von links) vor dem Haus des Kelter-Kindergartens, aus dem sie bald mit den dann voraussichtlich noch zwölf verbliebenen Kindern ausziehen müssen. © Palmizi/ZVW

Winterbach. Der Vorgang ist ungewöhnlich: Während anderswo Betreuungsplätze knapp sind, hat die Gemeinde Winterbach zu viele freie Kapazitäten in ihren Einrichtungen, weil zu wenige Kinder da sind. Betroffen ist vor allem der Kelter-Kindergarten. Er soll nun geschlossen und mit dem Lehenbach-Kindergarten verschmolzen werden. Die Proteste der Eltern kamen gegen die Argumente für die Schließung nicht an.

Der Winterbacher Kelter-Kindergarten, das ist in den vergangenen Wochen klargeworden, ist kein gewöhnlicher Kindergarten. Zum einen, weil er mit einer Gruppe sehr überschaubar ist und die Erzieherinnen dort ein besonderes Konzept mit Montessori-Elementen verfolgen. Außerdem steht dahinter eine Elternschaft, die sich sehr mit dem Kindergarten identifiziert und sich für die Einrichtung engagiert. Als die Diskussion über die Schließung begann, stellten sich die Eltern auf die Hinterfüße und protestierten. „Die Mischung aus Kompetenz und Erfahrung der Erzieherinnen und der kleine, geschützte Rahmen dieses Bauernhauses sind einzigartig“, schrieben sie in einem Appell im Mitteilungsblatt.

Es sei jedoch klargeworden, dass die Schließung nicht abzuwenden ist, erzählt Andreas Delius, dessen Sohn den Kelter-Kindergarten besucht. Deswegen habe man versucht, auf die bestmögliche Lösung zu drängen: dass das besondere Konzept auch mit der geplanten Eingliederung in den Lehenbach-Kindergarten erhalten bleibt und man sich Zeit nimmt für die Umsetzung. Dafür ist nun der Weg geebnet. Der Beschluss zur Schließung der Einrichtung fiel am Dienstag in einer Gemeinderatsitzung mit ungewöhnlich viel Publikum: Eltern und Erzieherinnen füllten die Zuschauerreihen und kommentierten Wortbeiträgen des Bürgermeisters oder der Räte immer wieder mit Beifall.

Rückläufige Geburtenzahlen, keine Neubaugebiete

Die Gründe für die Schließung dürften, bei aller Emotionalität des Themas, sachlich für jeden nachvollziehbar sein. Der Kelterkindergarten bietet Platz für 22 Kinder ab zwei Jahren. Ab dem nächsten Kindergartenjahr sind dort allerdings nur noch zwölf Kinder angemeldet. Neuanmeldungen gibt es keine. Insgesamt gibt es laut Planung der Gemeinde in allen Einrichtungen zusammen ab September 45 freie Plätze für Kinder ab drei Jahren. Der Grund dafür sind rückläufige Geburtenzahlen. Winterbach hatte in den vergangenen Jahren keine größeren Neubaugebiete und auch in den nächsten paar Jahren gibt es dafür keine Möglichkeiten. Auch der Nachzug in den frei werdenden Wohnungsbestand ist nicht so hoch wie derzeit in Nachbarkommunen wie zum Beispiel Remshalden.

Die Entwicklung, so Hauptamtsleiter Matthias Kolb, gelte insbesondere für den Bereich nördlich der Rems. Dort ist der Kelter-Kindergarten zwar die einzige Einrichtung. Aber nur noch sechs Kinder aus dem Norden gehen dorthin. Der Bedarf im Einzugsgebiet sei stark gesunken, so Bürgermeister Sven Müller. Deswegen habe sich der ohnehin als Provisorium in einem Wohnhaus eingerichtete, eingruppige Kindergarten „überholt“. Bereits 2012 habe man darüber diskutiert, die Einrichtung zu schließen. Damals seien die Kinderzahlen aber noch höher gewesen. Zwischenzeitlich brachten Flüchtlingskinder eine höhere Auslastung, aber auch hier sind die Zahlen zurückgegangen. Dazu kommt, dass bei einem Weiterbetrieb jetzt größere Renovierungsmaßnahmen nötig werden würden.

Kompromiss: Schließung erst zum Jahresende

Den Forderungen der Eltern auf einen Erhalt könne man nicht nachkommen, betonte Müller, und zwar „aus finanzieller Sicht“. Die Verwaltung und der Gemeinderat seien verpflichtet, Schaden von der Gemeinde abzuwenden. „145 000 Euro Abmangel noch ein weiteres Jahr aufzubringen, wäre definitiv ein hoher Schaden, den wir von unserer Seite nicht tolerieren können“, so der Bürgermeister.

Er kam allerdings mit einem Kompromissvorschlag in die Sitzung. Eigentlich hätte der Beschluss vorgesehen, den Kelter-Kindergarten schon zum 31. August zu schließen. Nachdem die Eltern um mehr Zeit gebeten hatten, um den Übergang und die Zusammenführung mit dem Lehenbach-Kindergarten besser gestalten zu können, schlug Müller vor: Schließung erst zum 31. Dezember. Damit werde man „die bestmögliche Lösung für alle Beteiligten“ hinbekommen, ist er überzeugt.

Verpflanzung des Konzepts „große Herausforderung“

Die Gemeinderäte stellten sich einstimmig hinter den Kompromissvorschlag. Sie zeigten sich beeindruckt vom Engagement, aber auch von Sachlichkeit und Realitätssinn, mit denen die Eltern ihre Position vertraten. Alle Räte betonten: Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist die Schließung unvermeidlich. Sie drängten aber, sorgsam darauf zu achten, dass eine einvernehmliche, für alle akzeptable Lösung bei der Eingliederung in den Lehenbach-Kindergarten gefunden wird.

Bürgermeister Sven Müller versprach, „sehr behutsam“ vorzugehen und den Prozess gut zu moderieren. Klar ist für ihn aber auch: Das bisherige pädagogische Konzept des Kelterkindergartens wird sich nicht eins zu eins in den Lehenbach-Kindergarten verpflanzen lassen, um dort autark vom restlichen Betrieb weiterzuexistieren, wie es sich die Eltern eigentlich wünschen. Das Ziel sei aber, mit einem „größtmöglichen Beitrag im Lehenbachkindergarten aufzugehen“, damit sich Erzieherinnen, Kinder und Eltern dort wiederfinden – aber auch die „aufnehmende Einrichtung“. Müller sprach von einer „großen Herausforderung“ für die beiden Kindergärten und ihre Erzieherinnen und Leiterinnen.

Zahlen aus der Bedarfsplanung

Für Kinder ab drei Jahren gibt es im Kindergartenjahr 2018/19, das im September beginnt, voraussichtlich 45 freie Plätze in den Winterbacher Betreuungseinrichtungen. Keine freien Plätze gibt es der Planung nach im Feinbau- und im Schafacker-Kindergarten. Ein Sonderfall ist der Waldorf-Kindergarten auf dem Engelberg: Hier übersteigt die Zahl der Anmeldungen die verfügbaren Plätze.

Auch bei den Kindern unter drei Jahren ist noch Luft: Hier sind es im kommenden Kindergartenjahr 17 freie Plätze. In diesem Bereich ist die Zahl jedoch noch nicht so fix, weil manche der Kinder, die mit einem Jahr noch 2019 einen Platz benötigen, womöglich noch gar nicht geboren sind. Auch bei den Kleinkindern sind im Waldorf-Kindergarten aber schon jetzt durch Anmeldungen alle Plätze belegt.